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Tag 1 meiner Bildungsreise: Die GEW in Bildung unterwegs!

10.04.2018 - Kathrin Vitzthum

Das Motto der GEW-Bundesvorsitzenden Marlis Tepe aufgreifend, habe ich am 9. April 2018 eine Bildungsreise durch Thüringen gestartet. In den fünf Schulamtsbereichen besuche ich Kitas, Schulen und Hochschulen. Hier meine Eindrücke vom ersten Tag in Eisenach, Vacha und Ilmenau.

  • Der erste Tag führt mich und meinen Kollegen Michael Kummer nach Westthüringen. Am Morgen steht ein Besuch der Mosewaldschule in Eisenach an.

Gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Bernd Wächter aus der Schulverwaltung gibt es ein Gespräch mit der stellvertretenden Schulleiterin Frau Füldner und dem Schulsozialarbeiter Herrn Säckel zur personellen und baulichen Situation. Letzteres tut wirklich Not. Eine Plattenbauschule, Baujahr 1980, die Katja Wolf und mich in unsere eigene Schulzeit zurückwirft. Denn wirklich viel hat sich nicht geändert am Bau. Ein bisschen mehr Farbe da, ein Smartboard dort, ansonsten ist vieles in einem Zustand, der funktioniert, aber weit davon entfernt ist, einladend zu sein. Das sei ein großes Problem, sagt die stellvertretende Schulleiterin, die für ihre Funktion noch nicht einmal beauftragt ist. Viele Eltern würden nicht einmal ihre Kinder vorstellen, sondern gleich den Gastschulantrag mitbringen. Dabei ist es eine wachsende Schule, mittlerweile rund 260 Schüler*innen aus fünfzehn Nationen besuchen die Grundschule in Eisenach Nord. Ein weiteres Stichwort. Eisenach Nord ist eine Plattenbausiedlung, grün, weitläufig, mit gut ausgebauter Infrastruktur, aber eben preiswertem Wohnraum. Hier leben viele Familien und Alleinerziehende, viele Ältere und viele Geflüchtete, da sich Eisenach für eine dezentrale Unterbringung stark gemacht hat. Etwa ein Drittel der Schüler*innen sind nichtdeutscher Herkunft. Die stellvertretende Schulleiterin ist dafür mehr als aufgeschlossen, aber mehr Unterstützung wünscht sie sich schon. So ist die DaZ-Lehrerin jetzt Klassenlehrerin als Ersatz für die stellvertretende Schulleiterin. Damit fehlt aber deren Einsatz im DaZ-Unterricht, so dass mittlerweile Erzieher*innen versuchen, diese Lücke zu schließen. Besser als nichts, aber eben nicht optimal. Vielleicht auch ein Grund, warum bislang so viele Lehrer*innen einen Versetzungsantrag stellten. Glücklicherweise unterstützt hier das Schulamt sehr. Wer nach ein paar Wochen sagt, hier kann ich nicht arbeiten, der wird es nie können, ist sich Frau Füldner sicher. Jetzt aber hat sie ein gutes Team zusammen und wirbt für diese besondere Grundschule. Wenn alles gut läuft, wird die Schule im nächsten Jahr vollständig saniert. Pläne und Wünsche äußern aber weder Füldner noch Säckel, zu groß ist die Enttäuschung, vor anderthalb Jahren schon einmal leer ausgegangen zu sein. Dennoch, beim Rundgang durch die Schule werden doch ein paar Wünsche laut: ein Lehrerzimmer, in dem alle Kolleg*innen Platz haben für Pausenbrote und Kaffee, Gespräche und Arbeitsmaterialien. Ein größerer und vor allem ansprechender Speisesaal. Unterrichtsräume für den Fachunterricht, damit die Musiklehrerin nicht mit den Instrumenten durch die Schule wandern muss und der Englischunterricht in einem Raum mit britischer Flagge, mit Bildern von den britischen Inseln, ein Raum eben, in dem beim Betreten klar wird, hier wird englisch gesprochen. Es sind oft Kleinigkeiten, die das Arbeiten der Pädagog*innen einfacher machen würden. Aller Probleme zu Trotz: Frau Füldner macht mit ihrem Kollegium richtig gute Arbeit. Die Gesichter der Kinder, die wir in ihren Klassenzimmern besuchten, waren ein eindeutiges Zeugnis.

  • Der zweite Termin führte mich nach Vacha, einer Kleinstadt in direkter Nähe zur hessischen Grenze. Ich besuche die integrative Kindertagesstätte, diesmal begleitet durch Nadine Hübener, Referentin für Bildung und Tarif.

Der Bürgermeister Herr Müller lässt es sich nicht nehmen, uns zu begleiten. Im Gespräch mit der Kitaleiterin Frau Riede und ihrer Stellvertreterin geht es vor allem um das novellierte Kitagesetz und dem nicht verbesserten Betreuungsschlüssel. Die Kita hat elf Gruppen, davon vier Gruppen mit Altersmischung von 1 – 3 Jahren und vier integrativen Gruppen. Wenn Kolleg*innen krank sind oder Urlaubsvertretungen anstehen, so werden die drei Regelgruppen geschröpft, weil die Krippen- und integrativen Gruppen keinesfalls auf Personal verzichten können, erklärt Frau Riede und sieht dabei skeptisch drein. Alle Kinder haben doch das Recht auf eine gute Zeit in der Kita, niemand dürfe zurückstecken. Die Kita besteht aus zwei Gebäuden, die durch eine wunderbar große und grüne Außenfläche miteinander verbunden sind. Viele Räume der Kita sind saniert, der zweite Bau sogar nach dem Konzept der teiloffenen, kindzentrierten Arbeit umgebaut. Was fehlt, ist ein Raum für die Erzieherinnen. Keine Möglichkeit, an erwachsenengerechten Tischen das Mittagessen einzunehmen oder sich zu Besprechungen und Konzeptentwicklungen zusammenzusetzen. Bei der Sanierung hatten die Erzieherinnen nur die Situation der Kinder im Blick, aber nicht ihre eigenen Arbeitsbedingungen. So kam es auch, dass das Gespräch mit dem Kollegium im Therapieraum stattfand, auf diesen kleinen Kinderstühlen. Hier kamen vor allem die Fragen nach Verbesserung des Betreuungsschlüssels und alternsgerechter Arbeitsbedingungen auf. Der klare Wunsch: Eine attraktive Altersteilzeit, die eine Krippenerzieherin nicht zwingt, bis 67 Kleinkinder in der Eingewöhnungsphase mehrere Stunden am Tag zu tragen, mal ganz abgesehen von der kindnahen Arbeit auf Kniehöhe. Sorge bereitet den Erzieherinnen der Übergang von der integrativen Kita in die Grundschule. Wir kennen das Kind mit seinen besonderen Bedürfnissen, aber mit uns wird da selten geredet, beklagt Frau Riede. Doch nicht nur für Kinder mit Förderbedarf ist der Übergang schwierig, auch die Umsetzung des Bildungsplans in der Grundschule ist nicht immer gewährleistet, dabei könne man gut auf den Ergebnissen aus der Kita ausbauen. Schon am Auto spricht der Bürgermeister noch einmal ein Problem an: Er könne ja verstehen, das wir einen besseren Betreuungsschlüssel fordern, aber wo sollen denn die Fachkräfte herkommen, der Markt sei leer gefegt. Unsere Antwort: Mit attraktiven Arbeitsbedingungen, zu denen neben einem guten Einkommen eben auch ein Betreuungsschlüssel gehört, der qualitativ gute Arbeit am und mit dem Kind bedeutet, könnte bei der Berufswahl mehr als hilfreich sein.

  • Letzter Termin am Montagabend war eine Diskussion zu digitalen Lernformaten an der TU Ilmenau.

Organisiert vom GEW-Betriebsverband traf ich, begleitet durch die GEW-Kollegen Marko Hennhöfer und Uwe Holzbecher mit dem Prorektor für Bildung, Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Petzoldt, und Dr. Ing. Claudia Haaßengier in einem Raum zusammen, der von zwei Kameras, einem riesigen Bildschirm und zwei Rechnern schon gut gefüllt war. Ohne Gäste, aber ins Internet gestreamt haben wir uns über den Stand digitaler Lernformen an der TU ausgetauscht sowie Chancen und Risiken der Digitalisierung diskutiert. Interessant war insbesondere, dass nach Einschätzung der TU digitale Lernformen die Wissensvermittlung effizienter gestalten helfen, aber niemals ein Ersatz für den pädagogischen Dialog darstellen. Es sei möglich, Studierende besser auf Grundlagen vorzubereiten, weil diese mit den digitalen Lernformen flexibler auf ihre eigenen Lernbedürfnisse reagieren können. Unersetzlich aber sei die Arbeit im Labor, die sinnliche Erfahrung, das Begreifen. Zum Thema Digitalisierung an Schulen befragt, sagte die TU Unterstützung zu und erklärte, schon jetzt würde sie mit dem ThILLM zusammenarbeiten und bspw. die Weiterbildung im Umgang mit Caliope begleiten.

Jetzt, da ich all das niederschreibe, wird mir einmal mehr deutlich, was unsere Kolleg*innen leisten. Am Mittwoch bin ich in Erfurt unterwegs. Ich bin gespannt.

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