GEW Thüringen
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Nordthüringen ist das Ziel des vierten Tages meiner Bildungsreise (Teil 1 von 2)

Als mein Kollege Michael Kummer „Hachelbich“ ins Navigationsgerät eingibt, ahnen wir beide nicht, durch welch wunderschönen Landstrich wir fahren werden. In Hachelbich, ein Ortsteil der Gemeinde Kyffhäuserland, besuchen wir eine der sechs Kitas des lokalen Bündnisses für frühkindliche Bildung in dieser Gemeinde. In der Kita „Abenteuerland“ empfangen uns die Kitakoordinatorin Frau Löser und die leitende Erzieherin Frau Gärtner.

20.04.2018 - Kathrin Vitzthum

Bei Pfannkuchen und Kaffee berichten sie von ihrer Einrichtung und dem Bündnis. Zufrieden wirken sie, fühlen sie sich doch durch den Bürgermeister der kleinen Einheitsgemeinde unterstützt und wertgeschätzt. Es könne immer besser sein, sagen sie, aber eigentlich ist angesichts der Haushaltsmittel mehr möglich gemacht worden als sie erwartet haben. Noch in diesem Jahr soll die Fassade und das Dach erneuert werden, die Räume selbst sind saniert, hell und freundlich. 28 Kinder von eins bis sechs und drei Hortkinder werden derzeit von vier Erzieherinnen und einer BuFDi in einem kleinem Fachwerkhaus mit einem schönen grünen Garten betreut. Personell wird es schon mal eng, wenn jemand krank wird oder wie jetzt gerade längerfristig ausfällt. Spielraum haben sie da aber schon, da alle Beschäftigten einen Vertrag über 32 Stunden haben und dann entsprechend mehr arbeiten würden, aber auch der Austausch zwischen den sechs Kitas im Bündnis hilft bei der Bewältigung.

Die Verbesserung des Betreuungsschlüssels für die Altersgruppe 3 bis 4 bringt hier gar nichts, eine Stunde pro Einrichtung käme dabei heraus, das reiche hinten und vorne nicht. Und sowieso, das Land bezahle die Personalkosten ja nicht eins zu eins an die Kommune, zeigt sich Frau Löser sicher, da belastet jeder Cent die schmale Kasse der Gemeinde. Das bestätigt später auch Bürgermeister Knut Hoffmann, der es sich nach dem Vorlesen in der nahegelegenen Grundschule nicht nehmen ließ, unseren Besuch mit seiner Anwesenheit zu schmücken. Die Finanzierung der Kitas durch das Land sei ein Lippenbekenntnis, erklärt er, die größte Last trage die Gemeinde und betont zugleich, die Rücküberführung dreier Kitas in die kommunale Trägerschaft bereue er nicht. Der ländliche Raum muss etwas für den Zuzug von Familien tun, da gehören Kitas eben dazu. 

Frau Löser, die Koordinatorin, ist Expertin fürs Einwerben von Sponsorengeldern, um den einen oder anderen Wunsch zu erfüllen – und ihre letzte Idee kann nun der große Wurf werden. Sie hat ihren Chef und ihre Kolleginnen überzeugt, ein Bewerbungsschreiben beim Deutschen Kita-Preis für lokale Bündnisse für frühe Bildung einzureichen und tatsächlich sind sie nominiert als eines von 15 Bündnissen. Es heißt also Daumen drücken am 3. Mai, wenn die Preisverleihung in Berlin stattfindet.

Am späten Nachmittag ging es nach Nordhausen, an die Hochschule für angewandte Wissenschaften. Eine noch junge Hochschule mit einer gut ausgebauten Forschungsstruktur, erklärt mir Vizepräsident Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak bei einem kurzen Plausch im Schatten eines Baumes. Er hat noch einen Termin und wollte es sich dennoch nicht nehmen lassen, die GEW Thüringen in der Hochschule zu begrüßen. Die Studierendenzahlen sinken leicht, vor allem leider in den Ingenieurwissenschaften, das werde hoffentlich nicht zum Problem. Das Studienkolleg, dass ausländische Studierwillige auf die deutsche Hochschulzulassung vorbereitet, sei der Hochschule wichtig, leider aber verlassen viele nach dem Abschluss die Stadt Nordhausen Richtung Erfurt und vor allem auch Richtung Jena. Hier wünsche er sich Haltemöglichkeiten, sagt Wesselak und verabschiedet sich.

Wir treffen danach mit dem Betriebsverband der Hochschule zusammen, der bei lecker belegten Brötchen und Getränken eingeladen hat zum Gespräch über aktuelle Fragen der GEWerkschaftspolitik. Es kommen mehr Teilnehmer*innen als gedacht und so wird es ein sehr lebendiges Gespräch über Tarifverhandlungen, berechtigte Forderungen, die Problematik der Lehrbeauftragten, der fehlende Tarifvertrag für studentische Beschäftigte. Wir diskutieren aber auch über die Verbeamtung von Lehrkräften und letztlich darüber, was eine GEWerkschaft leisten kann, wenn die Mitglieder mitmachen und der Generationenwechsel gelingt.

Der Gebäudezustand ist insgesamt gut, aber es stehen weitere Sanierungen an. Unklar ist insbesondere die Situation für die Labore, denn deren notwendiger zeitweiliger Umzug produziert Kosten, die die Hochschule gern vermeiden würde. Doch eine Lösung gibt es bisher nicht, einen Zeitplan für die Sanierung ebenfalls nicht. Hier ist die Einbindung des Personalrats gefordert, hier muss kommuniziert und konstruktiv nach Möglichkeiten gesucht werden, wie Forschung UND Lehre auch während der Sanierung gewährleistet werden können. Michael Gebel und Eckard Wildgrube von Betriebsverband zeigen sich nach dem Gespräch optimistisch, dass dies auch gelingt.

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