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Kommentar von Dr. Birgit Klaubert (TMfBJS)

Der Kommentar der Ministerin zur sexuellen Vielfalt und Gleichstellung erschien in der tz Juni 2015.

01.06.2015

Liebe Leser*innen,

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so heißt es im Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Diese Formulierung ist eine wichtige Errungenschaft. Sie ist aber vor allem ein Anspruch, den wir täglich neu umsetzen müssen. Wir leben heute in einer freien Gesellschaft und sind doch nicht am Ziel der völligen Chancengerechtigkeit - unabhängig von Herkunft, Sprache, Hautfarbe, Glaube, Weltanschauungen, Behinderungen, Geschlecht und sexueller Orientierung. Offene Anfeindungen von bi-, homo-, inter- und transsexuellenMenschen sind selten geworden. Das heißt aber nicht, dass es Vorurteile und Ablehnung nicht gibt. Sie sind meist nur verdeckt: vom „harmlosen“ Witz und hochgezogenen Augenbrauen bis hin zur sozialen Ausgrenzung.

Der Thüringen-Monitor zeigt uns, dass es in Thüringen vor allem Ressentiments gegen Zuwanderer und Flüchtlinge gibt. Da warten große Aufgaben auf uns, denn für mich ist Thüringen ein Land, das Menschen, die in Not sind, hilft. Feindselige Einstellungen gegen Homosexualität sind dagegen nicht so weit verbreitet. Aber sie sind da. Die Zahlen zeigen allerdings auch: Je jünger die Befragten sind, desto weniger Probleme haben sie mit dem Thema. Das zeigt, dass Schulen und Bildungseinrichtungen eine Schlüsselfunktion zukommt.

Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport ist sich seiner Verantwortung bewusst. Sämtliche schulrechtliche Regelungen spiegeln die Zielstellung der Diversität im Bildungsbereich klar wider. Außerdem sensibilisieren wir unsere angehenden Lehrer*innen und Erzieher*innen von Anfang an. Im Thüringer Lehrerbildungsgesetz ist der „Umgang mit Heterogenität“ fest verankert. Das ThILLM bietet Fortbildungen zu Sexualpädagogik an. Außerschulische Partner unterstützen die Lehrer*innen bei der Umsetzung ihres Erziehungsauftrages. Sexuelle Vielfalt gehört zu den Bildungsinhalten. Die Lehrpläne der allgemein- und der berufsbildenden Schulen integrieren das Thema fachübergreifend. Es ist auch Bestandteil des Thüringer Bildungsplans für Kinder bis 10 Jahre und wird selbstverständlich in den erweiterten Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre aufgenommen. Kommt es an einer Schule zu Diskriminierung oder Mobbing, dann arbeiten Fach-, Klassen-, Vertrauens- und Beratungslehrer*innen gemeinsam mit den Betroffenen an einer Lösung. Auch Schulsozialarbeiter*innen und der Schulpsychologische Dienst stehen hierfür bereit.

Bildungseinrichtungen haben die Chance, die junge Generation zu Toleranz hinsichtlich der sexuellen Vielfalt zu erziehen. Die Schulen in Thüringen nehmen diesen Auftrag wahr.  

 

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