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GroßelternsichtHomeschooling mit Oma

Wer hätte im Frühjahr 2020 gedacht, dass ich nach 10 Jahren Schulabstinenz doch noch mal mein Wissen und Können als Lehrerin längerfristig unter Beweis stellen muss? Ich nicht! Ein Anruf aus Köln, ob ich für unser Enkelkind Deutsch sowie Heimat- und Sachkunde im Homeschooling aus der Ferne mit einigen Stunden übernehmen könnte, brachte die häusliche Regelmäßigkeit in den folgenden Wochen und Monaten etwas durcheinander.

07.04.2021 - Uschi Wilhelm - Lehrerin (meistens im Ruhestand), Homeschooling-Oma und Vorsitzende des GEW-Kreisverbands Gotha

Mit den Worten unserer Enkelin „Omi, Du bist doch der Profi!“, begann eine aufregende Zeit für Leefke und mich. Vor der 1. Stunde war ich aufgeregt wie vor einer Lehramtsprobe, hatte ich doch eine Schülerin der 1. und nicht der 5. Klasse vor mir. Was konnte sie nach den paar Monaten regulärem Unterricht, kennt sie bereits alle Buchstaben in Druck- und Schreibschrift, was ist mit dem Leseverständnis? Mein ausgeschriebenes Schriftbild musste in die Schulausgangsschrift zurück, ich übte also Schönschreiben, damit Leefke am Bildschirm auch alles lesen und vergleichen konnte. Prompt gab es von ihr öfter mal den Korrekturhinweis, dass man den Buchstaben aber anders schreibt.

Viele Fragen und Aufregung zu Beginn

Wie lange kann ein Kind von 7 Jahren auf diese Art und Weise konzentriert arbeiten? Steht das 2. Frühstück in greifbarer Nähe? Wann benötigt sie eine Pause? Oh je, was es da alles zu beachten galt! Fragen über Fragen, die ich mir aber im Laufe der Zeit selbst beantworten konnte.

Die heimische Vogelwelt wurde mir auf diese Art und Weise ebenso näher gebracht wie das Thema „Wasser in unserem Leben“. Da es praktische Dinge in Form von Versuchen dabei zu tun gab, wurde kurzzeitig auch mal der Fußboden ungewollt unter Wasser gesetzt. Egal! Hauptsache, das Kind hat etwas gelernt. Durch das Suchen von „Wasserwörtern“ und Zungenbrechern zum Thema, wurde die Verbindung zu Deutsch hergestellt, dem Erfindungsreichtum waren keine Grenzen gesetzt. Für die notwendigen Bastelarbeiten war der Opa am Bildschirm zuständig, so kam Abwechslung in den Unterricht und unser Leben.

Als Großeltern leistbar

Ich hatte Zeit zum Suchen, Umarbeiten und Testen, aber wie ging oder geht es Eltern, die im Homeoffice sind und vielleicht mehrere Kinder unterschiedlichen Alters beschulen müssen?

Nach Wochen stieg die 1. Klasse voller Freude in den Unterricht wieder ein, das ausgefeilte Hygienekonzept der Schule machte es möglich. Tapfer hielten sich alle daran, es musste niemand in Quarantäne.

Voller Elan startete Leefke in die 2. Klasse, wollte nachholen, vertiefen, Neues lernen, aber immer noch unter den bereits bekannten Regeln. Meine „Unterrichtsvorbereitungen“ versanken in den Untiefen des Schreibtisches, bis Anfang Januar ein erneuter Hilferuf kam. Jetzt aus Hamburg, denn in der Zwischenzeit wurde zum Jahresende der Umzug gemeistert.

Was hat sich im 2. Lockdown geändert?

Ich bin nicht mehr so oft gefragt, es gibt klare Arbeitsaufträge für alle Schulfächer. War in Klasse 1 noch das Frühstück wichtig, so ist es jetzt der „Ratzefummel“. Nun wird Leefke am 15.03. zum ersten Mal ihre neue Klasse live erleben. Wir sind gespannt!