GEW Thüringen
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Thüringer Lehrer:innen und Erzieher:innen haben Angst vor der Schulöffnung am Montag

Eine Blitzumfrage unter den Mitgliedern der GEW Thüringen an den Thüringer Schulen offenbart die Angst der Lehrer:innen und Erzieher:innen: Mehr als 92 Prozent der Befragten fühlen sich nicht ausreichend vor eine Infektion mit dem Virus geschützt, wenn die Grundschulen in voller Präsenz öffnen. An der für die Mitgliedschaft der GEW repräsentativen Umfrage hatten sich bis Samstagabend 356 Mitglieder beteiligt.

21.02.2021 - GEW Thüringen

Am Dienstag, den 16. Februar 2021 stand fest: Grundschulen öffnen am Montag in voller Präsenz, Wechselunterricht wird ihnen nicht erlaubt. Seit Freitag, den 19. Februar 2021 gibt es jedoch eine Einschränkung. In Landkreisen, die sieben Tage bei einer Inzidenz über 200 pro 100.000 Einwohner*innen liegen, müssen die Kindergärten und Schulen geschlossen bleiben, bei einer Inzidenz von 150 bis 200 handelt es sich dabei nur um eine Empfehlung.

Die Untätigkeit des Bildungsministeriums und vieler Schulträger rächt sich nun. Viele Monate wurde die Möglichkeit verschlafen, die Schulen sicherer zu machen, stattdessen gilt weiterhin: keine zusätzlichen personellen und räumlichen Ressourcen, keine Entzerrung der Unterrichtszeiten durch zusätzlichen Schulbusverkehr, keine Maskenpflicht für Schüler:innen auch in den unteren Klassenstufen, keine Luftfiltersysteme und bis zuletzt keine Konzepte, wie häusliches Lernen und Präsenzunterricht für alle so organisiert werden können, dass die Belastungen nicht ins Unermessliche steigen und möglichst alle erreicht werden. 

Viele Pädagog:innen fühlen sich verheizt und haben Angst. Angesichts einer Inzidenz von über 1.200 für Lehrkräfte an Thüringer  Schulen in der ersten Dezemberwoche 2020, also kurz vor der Schließung, ist das nicht verwunderlich. So schreibt jetzt  eine Kollegin: „Hallo, liebe Gewerkschaftler, ich gehöre leider in die Risikogruppe in der Corona-Pandemie und bin entsetzt, dass unser Arbeitgeber {…} seine Fürsorgepflicht für das Personal so extrem vernachlässigt, ja missachtet. Auch Lehrer und das Personal ist von der Pandemie betroffen. Das heißt, wenn die Schulen voll geöffnet werden, bedeutet das für mich Lebensgefahr.“ 

Eine andere erklärt: „Ja, auch ich habe Angst vor der Schulöffnung. Nicht nur, weil ich zur Risikogruppe gehöre (ich weiß, ich müsste ja nicht im Präsenzunterricht arbeiten, aber ich möchte kein „Kollegenschwein“ sein...), sondern weil ich mich auch um meine 89-jährige Mutter kümmere, einkaufe, helfe und ständig mit ihr in Kontakt bin.“ 

Die GEW Thüringen appelliert an die Landkreise als Schulträger, deren Inzidenzwert zwischen 150 und 200 liegen, den aktuellen Erlass wirklich ernst zu nehmen und die Kitas und Schulen am Montag nicht zu öffnen. Die Landkreise Unstrut-Hainich und Kyffhäuser machen es bereits vor. „Übernehmen Sie Verantwortung! Angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen und der zunehmenden Verbreitung der Virusmutation gilt es mit besonderer Vorsicht zu agieren. Kinder und Beschäftigte haben das Recht, unter sicheren Bedingungen in die Einrichtungen zurückzukehren“, so Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen.


Für Rückfragen steht die GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum unter der Mobilnummer 0151-127 592 81 zur Verfügung.

 


Über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen:
Die Bildungsgewerkschaft GEW THÜRINGEN ist die größte Interessenvertretung in Thüringen im Bildungsbereich. Sie organisiert aktive und ehemalige Beschäftigte an den Thüringer Bildungseinrichtungen. Schwerpunkte der politischen Arbeit sind die Bildungsgerechtigkeit, die Lern- und Arbeitsbedingungen an Kitas, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie die Angestellten-, Beamten- und Tarifpolitik. Vorsitzende ist Kathrin Vitzthum.