Zum Inhalt springen

Frühkindliche Bildung

Wir fordern mehr Tempo, mehr Offensive und mehr Geld für Qualität

Im Rahmen eines Fachgesprächs am 08. Februar und einer Anhörung im Thüringer Landtag am 04. März hatten wir die Chance, die Sichtweise der Beschäftigten auf Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in Kindergärten zu verdeutlichen und daraus Forderungen abzuleiten.

Die Berufe in der frühkindlichen Bildung sind inhaltlich attraktiv. Was wir in Zeiten des aktuellen Fachkräftemangels brauchen, sind attraktivere Arbeitsbedingungen, damit mehr Menschen diesen Beruf ergreifen wollen und auch in ihm verbleiben.

Thüringen steht dennoch durch sinkende Kinderzahlen vor einem Strukturwandel. Dieses Zeitfenster muss genutzt werden, um endlich den Qualitätsanspruch, den frühkindliche Wissenschaft fordert, auch zu erfüllen. Die bis 2030 sinkenden Kinderzahlen dürfen nicht zu Einsparmaßnahmen führen, sondern müssen jetzt in gute Ausbildung und attraktive Arbeitsplätze investiert werden.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen erhöht Attraktivität des Berufsfeldes

Um die Attraktivität der Arbeitsbedingungen zu verbessern, gilt es die Personal- und Betreuungsschlüssel  auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verbessern, diese auf zwei Alterskohorten zu vereinheitlichen (Kinder bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres und Kinder im Alter ab dem vollendeten dritten Lebensjahr bis zur Einschulung) sowie die mittelbare pädagogische Arbeitszeit zu erhöhen.

Attraktive Arbeitsbedingungen umfassen auch eine faire Entlohnung, deren Garant für uns nachwievor der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes ist. Wir schlagen daher vor, eine automatisierte Dynamisierung auf der Grundlage des Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes im Kindergartengesetz vorzusehen. Alle Finanzierungsbestandteile mit Auswirkung auf die Personalkostenberechnung würden somit kontinuierlich steigen. Um diesen Effekt auch im kommunalen Finanzierungsstrang zu verankern, schlagen wir die Aufnahme einer Tariftreueklausel in das Gesetz vor.

Zugänge und Aufstiegsperspektiven ermöglichen

Von 2015 bis 2019 ist die Zahl an Absolvent:innen, die an Thüringer Fachschulen eine Erzieher:innenausbildung absolvierten, von 1.117 auf 795 gesunken[1]. Als Gründe dafür können die fünf Jahre lange und unvergütete Ausbildung sowie die Konkurrenz zu anderen Tätigkeitsfeldern identifiziert werden.

Um die Anzahl der Absolvent:innen wieder zu steigern und so den Fachkräftebedarf zu erfüllen, schlagen wir vor, Lehramtsstudiengänge der Sozialpädagogik quantitativ auszubauen und die Kapazitäten der Studiengänge deutlich zu erhöhen. Erst mit genügend Lehrkräften an den Fachschulen kann es gelingen, die Ausbildungskapazitäten ohne Qualitätseinbußen zu erhöhen.

Des weiteren sind Schulgelder und Ausbildungsgebühren abzuschaffen. Diese stellen für eine Ausbildungsaufnahme und erfolgreiche Absolvierung eine deutliche Hürde dar.

Die im Rahmen des Modellprojekts zur Praxisintegrierten Ausbildung erfolgte Ausweitung der Fallgruppen durch die Aufnahme der als gleichwertig anzusehenden Qualifizierung sind auf die konsekutive Ausbildungsform zu erweitern. Diese Ausweitung führt dazu, dass neue Bewerbergruppen für den Erzieher:innenberuf erschlossen werden ohne das Niveau der Ausbildung abzusenken.

Des weiteren schlagen wir vor, Aufstiegsperspektiven zu eröffnen. Durchlässigkeit sowie Anerkennung und Anrechnung der Ausbildungsinhalte für akademische Weiterqualifizierungen sind hierbei zentrale Elemente. Frühkindliche Berufe sind attraktiver, wenn staatlich anerkannte Erzieher:innen in verkürzten Bachelor- und Masterstudiengängen beispielsweise den Abschluss Kindheitspädagogik oder Grundschullehramt erwerben könnten.

Die Praxisintegrierte Ausbildung sehen wir als zentrale Säule der Fachkräftegwinnung an und unterstützen daher das im Antrag der CDU Fraktion formlierte Ziel der flächendeckenden Verstetigung des Modellprojekts zur Praxisintegrierten Ausbildung ausdrücklich.

PiA ist attraktiv

Die PiA ist durch die erweiterten Zugangsmöglichkeiten und durch die tarifliche Vergütung ein Erfolgsmodell, hat neue Zielgruppen erschlossen und muss umfassend ausgebaut werden.

Aus unserer Sicht bedarf es dabei verschiedener Qualitätsstandards. Dazu gehört, dass die Auszubildenden den Status Lernende und nicht Arbeitende erhalten. Aus dem Lernenden-Status folgt für uns, dass es keine Anrechnung auf den Personalschlüssel geben darf.

Qualität durch das Fachkräftegebot erhalten

Das Thüringer Kindergartengesetz enthält ein bundesweit vorbildliches Fachkräftegebot, das Träger und Beschäftigte, aber vor allem auch die Eltern zu schätzen wissen.

Die seit Oktober 2020 bestehende Möglichkeit, Assistenzkräfte unter Anrechnung auf den Betreuungsschlüssel einzustellen, lehnen wir weiterhin ab und fordern die bis Juli 2023 befristete Anerkennung nicht zu verlängern.

 


[1] Quelle: „Die Fachkräftesituation in Thüringer Kindertageseinrichtungen. Berechnungen der Nachfrage und des Angebotes an pädagogischem Personal in Perspektive 2030“