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Kita in freier Trägerschaft: Gleiche Arbeit wie in kommunalen Kitas, aber weniger Lohn

An einer Kita des Trägers der Volkssolidarität (VS), Regionalverband „Oberland“ e.V., arbeiten zahlreiche Erzie­herinnen und Erzieher. Einige von ihnen berichten hier über unklare Eingruppierungen, über Schwankungen in der Arbeitszeit und über die Diskriminierung mittels der Entlohnung:

12.12.2016 - GEW-Mitglieder einer Kita aus dem VS Regionalverband Oberland e. V.

  • Nach welchem Tarif wird bezahlt? Welche Erfahrungsstufe und wel­che Ausbildung oder Tätigkeit? 

Wir werden nach den Rahmenarbeitsvertragsrichtlinien des Volkssoli­darität-Regionalverbandes „Oberland“ in der Fassung von 1999 vergü­tet. Eine Orientierung am TVöD gibt es nicht, auch keine klar definierte Eingruppierung. Es werden lediglich „Von-Bis-Spannen“ erwähnt, die von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aber nicht nachvoll­zogen werden können. Berufserfahrung und die Dauer der Betriebs­zugehörigkeit finden ebenso keinerlei Berücksichtigung. Gehaltserhöhungen wurden bisher nur nach beharrli­chem Fordern seitens der Erzieherinnen und Erzie­her gewährt, jedoch im geringeren Umfang als bei kommunalen Kitas. Nach Übernahme der Kitas in den 1990er Jahren gab es erst 2009 eine erstmalige Lohn­erhöhung. 

  • Gibt es an Ihrer Kita Teilzeit­stellen und Befristungen? 

Die meisten Erzieherinnen und Erzieher haben bei uns ein unbefristetes Arbeitsver­hältnis, das ist also nicht das Problem. Problematisch sind die Wochen­arbeitszeiten, denn diese werden quartalsweise von Seiten des Arbeit­gebers durch eine „Änderungsmitteilung“ festgelegt, jeweils angepasst an die aktuelle Kinderzahl und das tatsächliche Alter der betreuten Kin­der. Dazu muss man wissen, dass sich der Betreuungsschlüssel jeweils mit der Vollendung des 2. bzw. 3. Lebensjahres der Kinder ändert. Dadurch kommt es zu Schwankungen zwischen Voll- und Teilzeitarbeit. Dem Wunsch der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Teilzeit wird zum Teil entsprochen, wir sehen uns aber auch des Öfteren mit willkürlicher Herabsetzung der Wochenarbeitszeiten konfrontiert. 

  • Wie lauten die Regelungen zu Überstunden?

Überstunden kommen vor und diese werden durch Freizeit dann abgegolten. 

  • Wie sieht die Urlaubsregelung aus?

Der Urlaubsanspruch ist nach Alter gestaffelt, bis 29 Jahre bekommen wir 26 Tage Urlaub, ab 30 Jahre 29 Tage, und ab 40 Jahre dann 30 Tage. 

  • Gibt es Möglichkeiten der Mitbestimmung? Wie ist die Qualität der Interessenvertretung?

Wir haben zwar einen Betriebsrat, der wird unserer Meinung nach jedoch von der Geschäftsführung regelmäßig „ausgebootet“. Das äußert sich dadurch, dass bei Einstellungsgesprächen der Betriebsrat nicht hin­zugezogen wird, dass Informationen vorenthalten werden, dass Unter­lagen, die der Betriebsrat einzusehen hat, nicht oder nicht vollstän­dig herausgegeben werden usw. Wichtig und dringend wäre es, dem Betriebsrat mehr Zeit für seine Arbeit durch den Arbeitge­ber einzuräumen. 

  • Fazit unserer Tarif- und Arbeitsbedin­gungen 

Wir finden es schlichtweg diskrimi­nierend, dass wir im Vergleich zu Erziehe­rinnen und Erziehern in den kommunalen Kitas bei gleicher Tätigkeit wesentlich schlechter bezahlt werden und dass sich das nach dem Willen unserer Geschäftsführung auch nicht ändern soll. Ein neuer Bildungs­plan wurde erstellt, von uns Erzieherinnen und Erziehern wird erwartet und gefordert, dass wir uns damit vertraut machen, u.a. auch durch verpflichtende ganztägige Weiterbildungen am Wochenende. Wir sol­len dahingehend unsere pädagogische Arbeit verändern und verbes­sern. Dieser Bildungsplan ist ja für alle Kitas verbindlich, unabhängig von der Trägerschaft – auch hier bleibt die Frage, warum es dann keine einheitliche Entlohnung gibt.

Besonders enttäuschend ist für uns die Nichtbereitschaft unseres Geschäftsführers, sich mit der GEW Thüringen gemeinsam an einen Tisch zu setzen und Möglichkeiten auszuloten, die Gehälter der Erzie­herinnen und Erzieher im VS Regionalverband „Oberland“ an den TVöD anzugleichen.

Die einheitliche Entlohnung, die eine Selbstver­ständlichkeit sein müsste, ist unser erklärtes Ziel und wir sind nicht länger bereit, das immer weitere Auseinanderdriften von unseren und denen im TVöD festgelegten Gehältern hinzunehmen!

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