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Inklusion ist Teamarbeit - Das Projekt „Lernen und Lehren im Team“ der Kindersprachbrücke Jena e.V.

Wie kann Inklusion im Klassenzimmer gelingen? Einen Ansatz verfolgt seit 2010 der Verein Kindersprachbrü­cke Jena e.V. mit dem Modellprojekt „Teamteaching“. Das Besondere ist die zeitgleiche Zusammenarbeit von Lehrer*in und Sozialpädagog*in in einer Schulklasse, um soziale Benachteiligungen auszugleichen und individu­elle Beeinträchtigungen zu überwinden. Das bedeutet die Vernetzung von Jugendhilfe und Schule in der Praxis. Das Projekt wird von der Stadt Jena finanziert.

13.12.2016 - Jennifer Rohs

Derzeit ist das Teamteaching in vier Jenaer Schulklassen verankert. In der Saaletal Grundschule arbeiten Uta Paulus und Franziska Stämm bereits seit zwei Jahren als erfolgreiches Tan­dem zusammen. Der Bedarf in der Klasse im Zwei-Pädagog*innensystem zu arbeiten, ist aufgrund mehrerer Kinder mit ausgeprägten Schwächen in der emotional-sozialen Entwick­lung, mit Lernschwierigkeiten sowie Schüler*innen mit Migrations- und Fluchthintergrund gegeben. Team­teaching bringt pädagogische und didaktische Chancen mit sich, den Förderbedarfen gerecht zu werden und günstige Lernumgebungen zu schaffen. „Wenn zwei Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen zusam­menarbeiten, können kreative Inhalte und Methoden differenziert umgesetzt werden“, so betont die Lehrerin immer wieder die große Entlastung im Schulalltag. Ob die Unterstützung im Regelunterricht durch Hilfestellun­gen oder Übernahme von Unterrichtseinheiten – ein Perspektivwech­sel ist besonders für die Lehrer*innen zur eigenen Reflexion hilfreich. 

  • Kooperative Unterrichtsgestaltung im Schulalltag

Die Arbeit im Zwei-Pädagog*innen-System ermöglicht es, den Unter­richt bedarfsorientiert, methodisch abwechslungsreicher und inter­aktiver zu gestalten. Es ist leichter, Frontalunterricht zu öffnen, Grup­pen- und Partnerarbeit enger zu betreuen oder die Klasse zu teilen. Dafür ist der kontinuierliche Austausch beider Fachkräfte unabding­bar, um Wissen und Verantwortung im Prozess des gemeinsamen Lehrens und Lernens miteinander zu teilen. Die Pädagog*innen berichten über die tägliche Herausforderung, Kindern mit sozialen und emotionalen Schwierigkeiten, die häufig die unterrichtlichen Abläufe stören, pädagogisch zu begegnen. Zudem werden Maßnah­men des Classroom Managements genutzt. 

  • „Der Sozialpädagogische Blick“ 

In den Jenaer Teamteaching-Klassen werden Unterrichtseinheiten zum sozialen Lernen im Regelstundenplan integriert oder besondere Projekte gemeinsam umgesetzt. Dies ist besonders in Klassen, in denen gehäuft Familien mit Multiproblemlagen sind, wichtig. „Auf­grund der gestiegenen Anforderungen an Lehrer*innen, fehlt ihnen oft die Zeit, sich Kindern und deren Problemlagen intensiv zu widmen“, meint Franziska Stämm. „Durch meine jahrelange Begleitung als Sozi­alpädagogin in der Klasse erkenne ich gleich, wenn Schüler*innen Probleme haben und kann sofort reagieren. Die individuellen Zuwen­dungen werden regelrecht eingefordert. Ich bin Vertrauensperson und Seelsorgerin, kann auch Rück­zugsmöglichkeiten arrangieren oder ´Auszeiten´ geben. Der enge Kontakt mit den Kindern und dem Elternhaus hat schon so manches Problem gelöst oder Stein ins Rollen gebracht.“ Das Sozialpädagogen-Team der Kinder­sprachbrücke arbeitet eng mit dem Jugendamt zusammen oder vermit­telt zu Beratungsstellen. 

  • Eine Empfehlung für das inklusive Schulgesetz in Thüringen

Gerade im Hinblick auf die aktuellen Diskussionen über eine gelingende Inklusion, vor allem im Zusammen­hang mit der Erstellung des inklusi­ven Schulgesetzes in Thüringen, muss ein „Mehr-Pädagog*innen-Prinzip“ in einer Klasse mit besonders hohem Förderbedarf installiert werden. Mul­tiprofessionalität, sowie die enge Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule ist schier unausweichlich. Nur so kann wirklich auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler*innen eingegangen werden. In der Arbeit im Teamteaching konnten wir in den vergangenen Jahren wertvolle Erfah­rungen sammeln, die für eine gelingende Zusammenarbeit notwendig sind. 

Jennifer Rohs
Teamleitung Teamteaching
E-Mail: rohs(at)kindersprachbruecke(dot)de

 

Ausgesprochen vielfältig!Weiterbildungs- und Beratungsangebote der Kindersprachbrü­cke Jena e. V.
Mit der gestiegenen Zuwanderung nach Deutschland sind auch Thüringer Bildungseinrichtungen in einem stärkeren Maße gefordert, Kinder mit Migrationserfahrungen aufzunehmen. Ob in Schulen, Kitas oder Jugendhilfe - pädagogische Fachkräfte sind gefragt, soziale, kulturelle und sprachliche Vielfalt von Kin­dern und Jugendlichen zu fördern. Unser erfahrenes Team bildet bereits seit 2013 Pädagog*innen in ganz Thüringen zur interkul­turellen Öffnung und zu Deutsch als Zweitsprache weiter. Im Rahmen von Inhouse-Schulungen oder durch gezielte Beratung und Begleitung unterstützen wir Sie.
Nähere Informationen erhalten Sie hier:
Internet: www.kindersprachbruecke.de/vielfalt
E-Mail: vielfalt(at)kindersprachbruecke(dot)de 
Telefon: 03641/ 420269, Frauke Peisker,
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