GEW Thüringen
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Fünf Tage „GEW in Bildung unterwegs“ - Fazit

04.06.2018 - Kathrin Vitzthum

Fünf Schulen, vier Kindergärten, drei Hochschulen. Fünf Tage intensives Zuhören, Hinschauen, Verstehen. Noch immer fällt es mir nicht leicht, alle Eindrücke, die ich während meiner Bildungsreise gewonnen habe, zu sortieren und zu ordnen – und dennoch hier mein Fazit.

  • Fazit 1: Die Beschäftigten in den Thüringer Bildungseinrichtungen leisten gute Arbeit unter nicht perfekten Bedingungen.

Mit Engagement und häufig über die Belastungsgrenzen hinaus. Dabei strahlen die Beschäftigten eine wertschätzende Atmosphäre aus, die manchmal im offenen Widerspruch zu den sächlichen und räumlichen Bedingungen steht.

  • Fazit 2: Bildung braucht Geld.

Geld, das nicht nur direkt in die Einrichtungen und in das Personal geht, sondern auch in die Sozialräume, in gutes Essen, in gutes Leben und Lernen. Kitas und Schulen sind Teil sozialer Umgebung, sind häufig Kristallisationspunkt vielfältiger Lebensentwürfe und sozialer Ungleichheiten. Sie wollen darauf Antworten geben und brauchen dafür jede Unterstützung.

  • Fazit 3: Politische Entscheidungsträger tun gut daran, sich mit der Realität an den Bildungseinrichtungen auseinanderzusetzen.

Sie müssen, genau wie die GEW Thüringen, wissen und verstehen, wie Gesetze, Verordnungen und Richtlinien in der Umsetzung gelingen oder eben misslingen. Viel stärker als bisher müssen wir dafür sorgen, die Arbeit und die Rahmenbedingungen transparent zu machen.

  • Fazit 4: Wir brauchen ein neues Diskussionsbewusstsein und ein neues Klima der Auseinandersetzung.

Es dürfen nicht länger diejenigen zum Problem gemacht werden, die auf Probleme hinweisen. Wer Überlastungsanzeigen stellt, auf Personalmangel oder sächlichen Bedarf hinweist, wer sich über Mobbing oder Gewalt beschwert, braucht Hilfe und Unterstützung, keine Schuldzuweisung.

  • Fazit 5: Alle besuchten Einrichtungen haben meine Berichte erhalten.

Manche sind enttäuscht, weil ich aus ihrer Sicht die Zustände als zu schlecht beschrieben habe. Ich verstehe das, wohl jede*r verteidigt den Ort, an dem sie/er arbeitet. Und dennoch: Mein Erschrecken über die Gebäude, über alte, enge, zu warme Räume, über fehlende Arbeitsplätze und mangelnde Vorbereitungsräume, über massiven Personalmangel und die dadurch enorme Belastung aller kann und werde ich nicht verbergen - weil es mir die Kraft gibt, weiter und noch stärker für eine den Aufgaben und Herausforderungen angemessene personelle und sächliche Ausstattung zu kämpfen.

Mein Erschrecken weicht nur in einem Punkt: Der Bewunderung dafür, unter welchen Bedingungen Ihr jeden Tag euer Bestes leistet, nämlich Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu ebnen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Einrichtungen für das Möglichmachen des Besuchs bedanken, bei den Kreisverbänden für die Vorbereitung und Begleitung, bei Benedikt Simon für die Organisation und bei Michael Kummer für das Fahren und Begleiten der Bildungsreise. Eines weiß ich ganz sicher, es war nicht das letzte Mal, dass ich als Landesvorsitzende Thüringer Einrichtungen besuche und zuhören werde.

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