GEW Thüringen
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Der Beschluss zur Lehrer*innenbildung

Der GEW-Tag in Freiburg im Breisgau Anfang Mai ist nun vorbei. Über 400 Delegierte aus 16 Bundesländern haben in einem Wahlmarathon die 8 Mitglieder ihres Geschäftsführenden Vorstandes bestätigt oder neu gewählt. Mit viel zu wenig Zeit konnten doch noch zahlreiche wesentliche Beschlüsse für die nächsten 4 Jahre erläutert, auch kontrovers diskutiert und dann demokratisch abgestimmt werden. Dabei hat mich der bildungspolitische Beschluss 3.1. besonders interessiert. Denn über zwei 2 Jahre habe ich mich zusammen mit Marcel Helwig, Lehramtsstudierender und Vertreter unserer Jungen GEW sehr aktiv an dem Grundsatzpapier für die Lehrer*innenbildung eingebracht.

31.05.2017 - Steffi Kalupke

An diesen Leitlinien haben sich neben uns beiden ca. 50 Expert*innen aus allen Bundesländern beteiligt, junge und lebensältere, in Studium, Forschung und in Schule tätige Menschen. Eine bunte Mischung von GEW-Mitgliedern, die ihre Sicht, Erfahrungen und Forderungen für eine gute Lehrer*innenbildung, sowohl im Studium als auch im Vorbereitungsdienst/Refendariat bis hin zum*r voll ausgebildeten Lehrer*in diskutierten und überdachten. Intensiv wurden dann in vier separat arbeitenden Themengruppen die zum Teil neuen Erkenntnisse, auch mit Hilfe verschiedener Expertisen von Wissenschaftler*innen, zusammen getragen. Diese wurden dann wiederum in drei 3 Zukunftsforen vorgestellt, auch im Streitgespräch umformuliert. 

Es war ein langwieriger, aber auch spannender Prozess, der der GEW und ihren Mitgliedern 30 inhaltsreiche Leitlinien für eine zukunftsorientierte Lehrer*innenbildung zur Verfügung stellt. Ganz wichtig war für mich das über den Tellerrand schauen, auch in andere europäische Länder. Und dass trotz des großen Bildungsförderalismus‘ in Deutschland viele Lehramtsstudierende, Lehramtsanwärter*innen und Ausbilder*innen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. 

Die für mich besonders wichtigen Erkenntnisse für die Ausbildung einer Lehrkraft in einer demokratischen und inklusiven Schule sind:

  • Vor Studienbeginn braucht es ausreichende Beratung zu Fächerkombinationen und Studieninhalten. Studiengebühren sind unakzeptabel; das erschwert den Zugang zum pädagogischen Studium für junge Menschen beispielsweise aus einkommensschwachen Familien oder mit Migrationsgeschichte. Wir brauchen mehr Pädagog*innen aus verschiedenen Bevölkerungsschichten für unsere zunehmend vielfältige Schüler*innenschaft.
  • Lehramtsstudium und Vorbereitungsdienst müssen sich inhaltlich und organisatorisch ergänzen. Die große Anzahl an Fachinhalten in der Hochschulausbildung muss spezifischer aufbereitet werden fürs Lehrer*innenstudium. Vermehrte Anforderungen durch die Tätigkeit in einer inklusiven Schule erfordern eindeutig mehr fachdidaktische sowie erziehungswissenschaftliche Inhalte und mehrmonatige Schulpraktika.
  • Zudem braucht es neben den Fachlehrer*innen für Förderschwerpunkte grundlegende Kenntnisse in Förderpädagogik, sowie grundlegende Qqualifizierungen im Umgang mit Mehrsprachigkeit und der Auseinandersetzung mit allen Aspekten von Vielfalt im Klassenzimmer.
  • Die Zentren für Lehrerbildung an den Hochschulen müssen dabei auch Standards und Angebote für die 3 . Phase, die Fort - und Weiterbildung, der im Lehrer*innenberuf Tätigen anbieten.
  • Der Vorbereitungsdienst sollte nicht vorrangig der Bedarfsdeckung dienen. Den Lehramtsanwärter*innen muss eine mindestens 18 Monate dauernde Ausbildungsphase für alle Lehrämter zur Verfügung stehen. Die Begleitung durch erfahrene Kolleg*innen muss mit Stundenanrechnungen angemessen ausgeglichen werden. Die Qualifikation der Mentor*innen muss verbessert werden.
  • Ohne eine verpflichtende einkommensrelevante Qualifikation darf es keine Einstellung von Quer- und Seiteneinsteiger*innen geben. Das müssen auch Personalräte permanent fordern und entsprechend reagieren bei diesem vollem Mitbestimmungstatbestand.

Die GEW Thüringen hat sich schon in den Verhandlungen zum Personalentwicklungskonzept 2013 für eine Reformierung der Lehrer*innenbildung mit dem TMBWK unter Christoph Matschie eingesetzt.Es kam aber leider nicht zum Abschluss dieses schon mehrseitigen Verhandlungspapiers.

Nach diesem mit überwältigender Mehrheit gefassten GEW-Beschluss sind wir als GEW Thüringen nunmehr aufgefordert, Gespräche mit dem TMBJS unter der Leitung der Ministerin Frau Dr. Klaubert, dem TMWWDG mit Minister Tiefensee und den Staatssekretären Frau Ohler und Herr Hoppe zu führen. Die beiden Universitäten für Lehramtsstudierende sind dabei eben so wichtige Gesprächspartner*innen und ich hoffe sehr, dass unsere innovativen Ideen, auch unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Untersuchungen, neugierig machen und sie sich gemeinsam mit uns der Bildungsgewerkschaft auf dem Weg machen, die Lehrer*innenbildung weiter zu entwickeln. Wir sind bereit für diesen Weg!

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