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Zur aktuellen Situation

Vieles kommt nicht an, ein Neuer ist da und der Tarifabschluss hat es in sich

Ich habe in den letzten Monaten viele Gespräche geführt. Mit altgedienten Mitgliedern, die oft viele Funktionen in der GEW Thüringen übernommen haben. Mit Mitgliedern, die erstmals aktiv werden, auch wenn sie schon lange bei uns sind, aber auch mit vielen, die sich gerade erst für die Mitmachgewerkschaft entschieden haben. Immer wieder stelle ich in den Gesprächen fest, dass wir voneinander gar nicht so viel wissen, wie wir immer glauben.

Quelle: Canva Pro

Aus unserer Perspektive der Landesgeschäftsstelle verbreiten wir unsere Informationen, unser Wissen und unsere Entscheidungen auf vielfältige Weise und auf einer großen Anzahl von Kanälen: In den Sitzungen, über Newsletter und Pressemeldungen, auf der Homepage und in den sozialen Medien und nicht zuletzt hier in dieser Mitgliederzeitschrift und in personalisierten E-Mails. Und doch: Es kommt zu oft nicht an.

Woran das liegt?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich weiß nur, wir müssen das gemeinsam hinbekommen. Kommunikation ist keine Einbahnstraße, sie bedarf des Sendens und des Empfangens, sie bedarf aber auch des Willens, empfangen zu werden. Wenn das Senden einer Botschaft keinen Widerhall erfährt, dann wissen wir als Sender:innen nicht, was das Problem ist: Kam die Botschaft überhaupt an? War sie unverständlich und damit uninteressant? Ist sie beim falschen Adressaten gelandet oder auf einem Kanal, der von der Zielgruppe gar nicht geschätzt wird?

Und die neuen und vor allem die jungen Mitglieder?

Die kennen uns noch gar nicht gut, wollen einfach loslegen und landen häufig erstmal in traditionellen Sitzungsformaten. Sie treffen auf eine gewachsene Struktur, deren Regeln ihnen oft nicht erklärt werden. Ohne diese Regeln aber gibt es keine Aktionen. Das muss sich ändern. Beim KickOff zur Jugendarbeit Ost ist mir das einmal mehr bewusst geworden. Eine Gewerkschaft braucht ihre Strukturen, sie sind die Grundpfeiler der demokratischen Meinungsbildung. Aber diese Strukturen und Kommunikationswege müssen mit der jüngeren Generation mitwachsen, das heißt, sie müssen sich auch ändern. Schneller Informationsaustausch und Mobilisierung über einen Chatkanal funktionieren hier deutlich besser als Mailinglisten, die Reaktionszeiten werden deutlich kürzer. Eine Herausforderung? Sicher. Eine Chance? Unbedingt.

Das Gespräch als beste Variante?

Erstaunlicherweise wissen wir durch Befragungen von Mitgliedern und auch durch das Studieren von Organizingprojekten, dass unabhängig vom technischen Kanal die beste Kommunikation immer noch das Gespräch ist. Im Idealfall 1:1, aber auch Gesprächsrunden, Mitgliederversammlungen sind die Gelegenheiten, voneinander zu erfahren, Positionen zu finden und zu erklären, den Prozesscharakter der Gewerkschaftsarbeit erlebbar zu machen.

Ich denke, ich spreche für den gesamten Geschäftsführenden Vorstand, wenn ich sage: Ladet uns ein, wir werden immer Raum und Zeit finden, mit Euch ins Gespräch zu kommen.

Ein neuer Kollege in der Landesgeschäftsstelle

Die passende Ansprache junger Menschen für die Mitgliedschaft in unserer GEW Thüringen ist von besonderer Bedeutung. Umso mehr freue ich mich, dass es uns gelungen ist, die freigewordene Stelle als Referent:in für das junge Lehramt schnell und kompetent besetzen zu können. Mit Paul Menger, der sich in dieser Ausgabe vorstellen wird, haben wir einen Kollegen gewonnen, der die Sprache der neuen Kolleg:innen spricht, frisch aus dem Vorbereitungsdienst um die Herausforderungen weiß und die GEW Thüringen als Interessenvertretung anzubringen weiß. Wünschen wir ihm alle viel Erfolg und bieten wir ihm auch jede Unterstützung an!

Last but not least: der Tarifabschluss TVöD

Wir haben eine beeindruckende Tarifrunde im TVöD hinter uns. Beeindruckend wegen der Beteiligung an den Warnstreiks in Erfurt, Jena und Gotha. Beeindruckend aber auch wegen des Tarifergebnisses, welches nach einer Schlichtungsempfehlung erreicht werden konnte. Ein Ergebnis in herausfordernden Zeiten.

Zu Recht wird kritisiert, dass die tabellarische Entgelterhöhung erst im März 2024 erfolgt und die Inflationsausgleichsprämie in Verbindung mit der Arbeitszeit ausgezahlt wird. Aber die Entgelterhöhung in 2024 hat es dann in sich und stellt im Vergleich zu anderen Branchentarifverhandlungen das bislang höchste Tarifergebnis der vergangenen Monate dar.

Für die Tarifrunde der Länder (TV-L) ab Herbst 2023 hängt die Latte damit hoch, aber nicht nur in Bezug auf das Ergebnis, sondern auch in Bezug auf die Mobilisierung und Beteiligung.

Es will in diesem Jahr irgendwie nicht richtig Frühling werden und trotzdem steht der Sommer vor der Tür. Ich wünsche Euch sonnige Tage, die das Herz erwärmen und Euch Erholung bringen.

Kontakt
Kathrin Vitzthum
Landesvorsitzende
Adresse Heinrich-Mann-Str. 22
99096 Erfurt
Telefon:  0361 590 95 12 (Sekretariat)
Auf der Titelseite der tz vom Juni 2023 und hier im Hintergund zu sehen ist der neue Campus der Staatlichen Gemeinschaftsschule Weimar © gernot schulz architektur mit Ponnie Images