GEW Thüringen
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GEW-Fachtag "Demokratiebildung in der Kindertagesbetreuung" [AUSGEBUCHT!]

für Erzieher*innen, Tagespflegepersonen, Leitungen, Fachberatungen

Kinder werden zu einem demokratischen Lebensstil befähigt, wenn sie erleben, dass sie gefragt und eingebunden sind, dass ihre Meinung zählt und ihr Mitentscheiden wirklich gewollt ist. Die Perspektive des Individuums steht dabei im Mittelpunkt der Bildungsförderung. 

Im Zuge der Erziehungspartnerschaft stimmen Pädagog*innen und Familien ihre Ziele und Handlungen in Bezug auf demokratische Werte, Mitbestimmung und Verantwortungsübernahme ab. „Das Umfeld von Kindern kann aber auch durch Ablehnung von Partizipation oder durch anti-demokratische Haltungen geprägt sein. In diesem Fall benötigen sie besondere und sensible Unterstützung und Gelegenheiten, demokratische Werte leben zu können.“ (Thüringer Bildungsplan) 

Der GEW-Fachtag nimmt all diese partizipativen Ebenen in den Blick und stärkt somit den pädagogisch Handelnden den Rücken.

Ablauf des Fachtags
09:00 UhrBegrüßung
09:15–10:45 Uhr   Fachvortrag „Demokratiebildung in der Kita – Grundlagen und Praxis“
10:45–11:00 Uhr    Pause 
11:00–12:00 Uhr    Einblicke in die Workshop-Phase
12:00–13:00 Uhr    Mittagspause
13:00–15:00 Uhr     Workshop-Phase (Detailbeschreibungen siehe unten)
  • Workshop 1 „Subjektives Erleben der Kinder – Übungen zur Perspektivenübernahme als Beitrag zur Realisierung der Kinderrechte“
  • Workshop 2 „Essen, Schlafen, Ruhen – wenn Kinder mitbestimmen möchten“
  • Workshop 3 „Adultismus – vom Machtgefälle in pädagogischen Kontexten“
  • Workshop 4 „Das wird man doch wohl sagen dürfen - Rechtspopulismus im Kontext frühkindlicher Bildung“
15:00–15:15 Uhr    Pause
15:15–16:00 Uhr    Fazit und Verabschiedung
Fachvortrag „Demokratiebildung in der Kita – Grundlagen und Praxis“
Grundlegende Bildung beginnt für nahezu alle Kinder im Kindergarten. Damit geht eine bedeutende Chance für die Demokratie einher: Von Anfang an können Kinder beglückende Erfahrungen mit Kinder- und Menschenrechten machen. Der Vortrag bietet eine Einführung in theoretische, empirische und historische Grundlagen der frühpädagogischen Demokratiebildung. Bausteine aus der Praxis  werden vorgestellt.

Über die Referentin Frau Prof. Dr. Annedore Prengel: Sie hat derzeit eine Seniorprofessur an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. Sie ist Gründerin des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung, der in jährlichen Expertenkonferenzen an der Entwicklung des Manifests „Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen“ arbeitet.
Workshop 1 „Subjektives Erleben der Kinder – Übungen zur Perspektivenübernahme als Beitrag zur Realisierung der Kinderrechte“
Je besser Pädagoginnen und Pädagogen nachempfinden können, was Kinder subjektiv empfinden, umso angemessener können sie Handlungsstrategien entwickeln, die der Realisierung der Kinderrechte dienen. Das gilt vor allem für emotional schwierige Lern- und Beziehungssituationen und ist hilfreich für die Arbeit mit heterogenen Gruppen. Im Workshop sollen Übungen zur intuitiven Perspektivenübernahme anhand kreativer Aktivitäten der Teilnehmenden praktiziert werden. Dabei wird Empathie als eine gemeinsame Basis multiprofessionellen Handelns erfahrbar.

Die Teilnahme an diesem Workshop erfordert die Bereitschaft, sich in individuelle Gefühlswelten von Kindern hineinzuversetzen.

Workshopleiterin: Prof. Dr. Annedore Prengel
Workshop 2 „Essen, Schlafen, Ruhen – wenn Kinder mitbestimmen möchten“
Kindertageseinrichtungen sind der erste institutionalisierte Bildungsort, an dem Kinder die Chance auf erste positive Erfahrungen mit demokratischen Formen der Willensbildung und Mitbestimmung erhalten können.
Diesem pädagogischen Anspruch stellen sich in der Praxis viele Widerstände und Herausforderungen entgegen, wenn die individuellen Erziehungsvorstellungen der Eltern von den pädagogischen Konzepten, Zielen und Ansprüchen der Fachkräfte, der Kindertageseinrichtung und / oder des Kita-Trägers abweichen.

In der Praxis gehören die kindgerechte Gestaltung der Ruhe-, Schlaf- und Essensgestaltung zu den größten „Reizthemen“, die den Grund für Konflikte und Auseinandersetzungen zwischen Eltern und der Tageseinrichtung bilden können. Dabei geraten die Perspektive der Kinder und deren eigenes Recht auf Mit- und Selbstbestimmung bei der Gestaltung des Tageslaufs häufig aus dem Blick. Ziel des Workshops ist die Sensibilisierung für die Interessen und Rechte der Kinder. Dabei wird der Frage nachgegangen, mit welchen pädagogischen Ansätzen den Kindern ein selbstbestimmter Tageslauf ermöglicht werden kann. Der Workshop wendet sich an pädagogische Fach- und Leitungskräfte, die ihre eigenen Praxiserfahrungen einbringen, austauschen und reflektieren möchten. Die Bereitschaft zur aktiven Beteiligung an dem Workshop wird vorausgesetzt.

Über den Workshopleiter Volker Abdel Fattah: Abdel Fattah (M.A., Systemischer Coach (SG)) studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Philosophie an der TU Dresden und erlangte 1997 den Magisterabschluss. In den folgenden Jahren schlossen sich ein Kursstudium der Erziehungswissenschaften sowie die Weiterbildung zum Systemischen Coach an.
Workshop 3 „Adultismus – vom Machtgefälle in pädagogischen Kontexten“
Viele von uns sind in einem sehr autoritär und machtvoll geprägten Erziehungskontext aufgewachsen, die teils tiefgreifende Wunden und unliebsame Erinnerungen in uns hinterlassen haben. Sei es beispielsweise in einer eher von väterlicher Allmacht geprägten Familie oder in Bildungseinrichtungen der ehemaligen DDR, in denen Bestrafungen, wie „in der Ecke stehen und die Wand anschauen“ oder Gewaltausübungen, wie der Zwang aufzuessen, alltäglich waren. 

Diese Gewaltanwendungen und Erlebnisse der Ohnmacht wirken sich bis heute unterbewusst auf unsere pädagogischen Interaktions- und Kommunikationsmechanismen aus. Das Deutsche Institut für Menschenrechte fand 2017 heraus, dass immer noch 20 Prozent aller pädagogischen Interaktionen leicht bis schwer verletzend sind.

Gerade in einer durch Altersunterschiede geprägten pädagogischen Beziehung spielt der Umgang mit Macht eine besondere Rolle. Die Machtungleichheit (Adultismus) darin ist allgegenwärtig und eine Struktureigenheit solcher Systeme. Hier ist es wichtig Bewusstsein darüber zu entwickeln, wie sich Macht in und auf unsere Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen auswirken kann.

Ich lade Sie ein, mich auf eine Reise zu begleiten, um dem Thema Macht, Zwang und Gewalt auf den Grund zu gehen und die persönlichen Reflexionskompetenzen weiter zu stärken. Ihr Nutzen dabei ist, dass sich Konflikte reduzieren, sie mehr Energie im Alltag haben und den Kindern einen von Gleichwürdigkeit geprägten Schutzraum bieten können, um den eigenen Umgang mit Macht auf eine gesunde und nachhaltige Weise zu erlernen.

Über den Workshopleiter Göran Schmidt: Schmidt ist staatlich anerkannter Kindheitspädagoge, Lerncoach und Kommunikationstrainer.
Workshop 4 „Das wird man doch wohl sagen dürfen - Rechtspopulismus im Kontext frühkindlicher Bildung“
Wir erleben einen Rechtsruck in der Gesellschaft. Der zwischenmenschliche Umgangston vielerorts ist rauh geworden. Personen nicht-deutscher Herkunft werden abgewertet, Menschen mit muslimischem Glauben wird die gesellschaftliche Teilhabe abgesprochen und ein Teil der Bevölkerung hat den Wunsch, es „denen da oben“ mal richtig zu zeigen. 

Rechtspopulistische Einstellungen und Verhaltensweisen sind für jede*n im Alltag erleb- und erfahrbar. Für Pädagog*innen in der frühkindlichen Bildung ergeben sich insbesondere im Umgang mit Eltern und Angehörigen viele Fragen. Wie kann eine wertschätzende Elternarbeit bei gleichzeitiger Abgrenzung zu menschenfeindlichen Positionen aussehen? Welche Rahmenbedingungen können in der Einrichtung geschaffen werden, um den Entfaltungsspielraum jener Äußerungen und Botschaften einzugrenzen? Welche Stärkung benötigen die Pädagog*innen hierfür und welche Rolle spielt der Träger in dem gesamten Komplex?

Mit Bezug zu den Erfahrungen der Workshopteilnehmer*innen sollen diese Fragen diskutiert und bearbeitet werden.

Über die Workshopleiterin Pea Doubek: Doubek ist Angestellte bei MoBiT e.V. (Mobile Beratung in Thüringen). 

ThILLM-Zertifizierung

Der GEW-Fachtag ist vom ThILLM als Fortbildungsveranstaltung anerkannt. Eine entsprechende Bestätigung erhalten Sie auf dem Fachtag.

 

Anmeldeschluss war der 20.01.2020.

 

Anreise

Aufgrund der Altstadtlage gibt es nur eine geringe Anzahl von Parkplätzen. Aus diesem Grunde ergibt sich aus einer Reservierung für den Fachtag kein Anspruch auf einen Parkplatz. Wenn Sie mit dem Auto anreisen, dann nutzen Sie am besten das Parkhaus Anger 1 oder das Parkhaus am Domplatz. Von dort sind Sie zu Fuß jeweils in ca. 12 bis 15 Minuten da.

Am besten ist es, wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. In Erfurt selbst nutzen Sie dann die Stadtbahnlinien 1 oder 5 und fahren bis zur Haltestelle „Augustinerkloster“. Von dort sind es nur ca. 150 m, indem Sie in die Augustinerstraße hinein laufen und dann auf der linken Seite das Augustinerkloster sehen.

Termin
18.02.2020, 09:00 - 16:00 Uhr
Veranstaltungsort
Tagungs- & Begegnungsstätte Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt
Augustinerstraße 10
99084 Erfurt
Anmeldeschluss
20.01.2020
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 Routenplaner
Ansprechpartner_in
Nadine Hübener
Referentin für Bildung
Heinrich-Mann-Str. 22
99096 Erfurt
0361 590 95 54
01573 336 02 98

Telefonische Sprechstunde zum Thema Überleitung der Horterzieher*innen jeden Mittwoch 10-12 Uhr
(keine Sprechstunde am 05. und 12. Februar 2020)