GEW Thüringen
Du bist hier:
Unsere Kinder brauchen ihren Hort an ihrer Grundschule

Seit 2008 gibt es das gleichnamige Pilotprojekt. Ursprünglich sollte 2012 die Entscheidung getroffen werden, wie es mit den Horten an den Grundschulen weitergeht. Doch das Projekt wurde zunächst bis 2016 verlängert.
Etwa zwei Drittel der Horte sind mittlerweile im Pilotprojekt, die anderen weiterhin in Trägerschaft des Landes.

Im Grundschulhort sehen wir folgende Probleme:


  • unterschiedliche personelle Voraussetzungen an den Horten (z. B. Beschäftigungsumfang)
  • mehrere Weisungsberechtigte für die Erzieherinnen und Erzieher
  • unterschiedliche personelle Situation an den Horten (z. B. Beschäftigungsumfang)
  • verschiedene Arbeitgeber und Personalvertretungen für Grundschullehrer/innen und Horterzieher/innen
  • fehlende Rahmenbedingungen für Inklusion
  • sächliche Ausstattung genügt nicht den Anforderungen


Wir kämpfen für


  • die Einheit von Grundschule und Hort,
  • Kontinuität,
  • einen Arbeitgeber für Lehrer/innen und Erzieher/innen,
  • echte Ganztagsschulen und
  • ganztägige Inklusion für alle.


ohne


  • die Erhöhung des Beschäftigungsumfanges von derzeit 50 Prozent,
  • gut ausgebildete Erzieher/innen,
  • Vertretungsreserve für Ausfälle durch Krankheit,
  • Rahmenbedingungen für Ferienbetreuung, ganztägige Inklusion und Rhythmisierung des Schulvormittages


geht das nicht!
Aus dem „Bildungspolitischen Leitantrag“ der GEW Thüringen

Auszug aus dem Beschluss „Bildungspolitischer Leitantrag“ - 2.4. Ganztagsschule (GTS) von Anfang an
verabschiedet auf der Landesvertreterversammlung der GEW Thüringen 2014 in Ilmenau

2.4. Ganztagsschule (GTS) von Anfang an

2.4.1 Eltern wünschen den Ausbau der Ganztagsschulen

• Die Ganztagsschule erfüllt eine arbeitsmarkt- und familienpolitische Funktion, indem sie eine verlässliche Betreuung für alle Kinder bietet und damit Freiräume für die Erwerbstätigkeit von Eltern schafft.
• Schüler*innen erledigen in einer GTS alle schulbezogenen Pflichten (z. B. Hausaufgaben) in der Schule.
• Ganztagsschulen sind ein wichtiger Baustein zur Förderung von Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit. Viele Freizeit- und Förderangebote finden in der Ganztagsschule statt. Sie entlastet Eltern finanziell (z. B. durch kostenfreie Angebote von Honorarkräften) und organisatorisch.

2.4.2 Ganztagsschule erfordert das Mehrpädagogen*innensystem

• Die inklusive Beschulung aller Kinder setzt die Zusammenarbeit möglichst vieler Bildungspartner unter Wahrung ihrer Verschiedenheit voraus.
• Gegenseitige Wertschätzung und Nutzung der unterschiedlichen Kompetenzen führt zu einem besseren Ganztagsangebot über den Unterricht hinaus.
• Für das gesamte pädagogische Personal ergeben sich neue Möglichkeiten des Zugangs zu den Schüler*innen. Die damit einhergehende veränderte Lehr- und Lernkultur bietet Chancen für einen modernen Unterricht, unterstützt aber auch die Schüler*innen in der Selbstorganisation ihres Lernens.

2.4.3 Ganztagsschule heißt Rhythmisierung

• Eine veränderte zeitliche Planung, bei der sich Unterricht und außerunterrichtliche Aktivitäten abwechseln, hilft, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler einzugehen.
• Ein größerer zeitlicher Spielraum lässt mehr Freiheiten zu, neue und andere Lernformen zu nutzen.
• Die Hausaufgaben werden in der Schulzeit erledigt bzw. durch vertiefende Lernzeiten in der Schule ergänzt.

2.4.4 Grundschulen als rhythmisierte Ganztagsschule erhalten und weiterentwickeln

Im Lebensalter bis zehn Jahre werden die wesentlichen Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung gelegt. Entsprechend prägend sind die Einflüsse, die in diesem Zeitraum auf die Kinder einwirken. Diesen Erkenntnissen hat die Landesregierung in der letzten Legislaturperiode Rechnung getragen, indem sie den Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre in Kraft setzte. 

Die GEW Thüringen fordert:
1. Der Grundschulhort muss weiterhin zwingend als Teil der Bildungseinrichtung Grundschule definiert werden, mit der er eine organisatorische und pädagogische Einheit bildet.
2. Diese organisatorische Einheit bedingt zwingend, dass die in Grundschulhorten beschäftigten Erzieher/innen den gleichen Arbeitgeber haben wie die dort tätigen Lehrkräfte. Für die GEW Thüringen kann das nur das Land Thüringen sein.
3. Die Grundschulen müssen finanziell und personell so ausgestattet sein, dass sie ihre Aufgaben erfüllen können.
4. Der Thüringer Bildungsplan muss in überzeugender Weise in allen Thüringer Grundschulen implementiert werden. Die Schulen müssen verpflichtet werden, ein pädagogisches Gesamtkonzept zu erarbeiten.
5. An den Grundschulhorten muss ein Fachkräftegebot analog zu § 14 Absatz 1 ThürKitaG gelten. Zudem ist ein Fortbildungsgebot für Lehrer*innen, Erzieher*innen gleichermaßen gesetzlich festzulegen.
6. Das Betreuungsverhältnis (Erzieher*innen zur Kinderzahl) muss mit einem verbindlichen Betreuungsschlüssel von höchstens 1:20 festgelegt werden. Zusätzlich sind Horterzieher*innen zur Ausgestaltung ihres Bildungsauftrages 10 % der Arbeitszeit als Verfügungszeit für Vor- und Nachbereitung, Fortbildung und Elterngespräche einzuräumen. Ausfallzeiten durch Urlaub und Krankheit sind bei der Personalbemessung angemessen zu berücksichtigen.
7. Der Beschäftigungsumfang der Erzieher beträgt 100 %. Nur so ist die konsequente Umsetzung von Inklusion und Rhythmisierung im Unterricht und bei außerunterrichtlichen Angeboten möglich.
8. Auf dem Weg zu einer rhythmisierten Ganztagsschule fordert die GEW Thüringen einen gebührenfreien Hort.

2.4.5 Inklusion den ganzen Tag über

• Durch freiere Arbeitsformen und Methoden am Nachmittag, können die Schüler*innen nach ihrem Tempo und gemäß ihren Interessen und Neigungen lernen. So ist eine individuelle Förderung aller Schüler*innen möglich.
• Inklusion braucht ein ausreichendes Fortbildungsangebot für die Erzieherinnen und Erzieher im Bereich der sonderpädagogischen Förderung.



2.4.6 Ganztagsschule braucht gute Bedingungen für Kinder und Beschäftigte

• Die Ganztagsschule muss bei der Erstellung ihres inhaltlichen Konzeptes davon ausgehen können, dass folgende Raumbedarfe gesichert sind: Klassenräume, Werkräume, Fachräume, Mensa, Spieleraum, Ruheraum, Pädagogenarbeitsplatz.
• Es muss im Schulhaus und Schulgelände genügend Platz und Möglichkeiten geben, um mit anderen Kindern zu spielen, Sport zu treiben oder zu experimentieren.
• Dazu gehören auch ausreichend Materialien, wie Bücher, Hefte, Computer, mit denen Kinder und pädagogisches Personal weiter sich bilden können.
• Pädagogische Arbeit, Gestaltung des Nachmittags oder Beratung erfordert gut ausgebildetes Fachpersonal.