GEW Thüringen

Versuchsanordnung Hort (aus tz 10/2010)

Eine Hinterlassenschaft der CDU-Bildungspolitik ist das „Pilotprojekt Kommunalisierung der Horte“. Die GEW hat von Anfang an dieses Projekt abgelehnt, da dies zur Ungleichbehandlung von Arbeitsverhältnissen und -verträgen sowie Konkurrenz unter den Arbeitgebern führen würde.
Dass der Markt für ausgebildete Erzieher nun leer gefegt scheint, ist vielen Schulämtern nicht erst jetzt klar geworden. Hier funktioniert die Marktwirtschaft zum Nachteil vieler staatlicher Horte. Während das TMBWK versucht, qualifiziertes Personal mit 50 %-Stellen zu locken, stellen Kommunen richtigerweise zu 100 % ein. Dafür werden sie allerdings vom Land mit Personalkostenzuschüssen aufgepäppelt – bis 2012 jedenfalls. Die Konsequenzen sind offensichtlich.

Sprechblase „Investitionen in die Zukunft“

In einem Landkreis, dessen Horte noch in staatlicher Hand sind, finden sich 22 Grundschulen mit angeschlossenem Hort. Dort sind 52 Erzieherinnen zu 80 % beschäftigt. 47 mal finden sich 50%-Teilzeitkräfte u. a. aus Einstellungen der letzten Jahre, nicht immer ausgebildete Erzieherinnen. Zwei Erzieherinnen arbeiten in einem 65 %-Arbeitsverhältnis. In diesem Kreis fehlten zum Stichtag (1. Juli 2010) in 16 Horten Erzieherinnenkapazitäten, um den tatsächlichen Bedarf abdecken zu können. Die Gruppenstärken lagen nur in zwei Horten unter 20, in drei sogar über den zulässigen 25 Kindern. Da sind keinerlei Reserven mehr. Durch Erkrankung stiegen auch in vier weiteren Horten die Gruppenstärken über 25. Anträge der Teilzeitbeschäftigten auf Erhöhung ihres Beschäftigungsumfanges lehnte das Ministerium ab. Das ist der graue Alltag im „Bildungsland Nummer 1“.

Haben und Nichthaben

Die Stadt Jena (im Pilotprojekt) dagegen besetzte in diesem Sommer 14 Erzieherstellen u. a. mit ausgebildeten Erziehern, GS-Lehrern, Sozialpädagogen und Lehramtsstudenten (Gymnasium). Jenseits des Ortsschildes, im Holzlandkreis, muss sich das Land üringen als Arbeitgeber mit einer Person mit Trainerschein und einer Facharbeiterin für Holzverarbeitung begnügen. Die müssen mit einem 50 %-Gehalt über die Runden kommen. Immerhin haben beide Erfahrung im Umgang mit Kindern.

 

Arbeitsverhältnis im Dunstkreis von Hartz IV

Alleinerziehenden Erzieherinnen im Landesdienst müssen ihr spärliches Gehalt durch Zuschüsse der ARGE aufstocken. Es ist beschämend, als Bittsteller auftreten zu müssen, um als Landesbedienstete von der Arbeit als Erzieherin leben zu können. In Gera verlangt die ARGE von diesen Frauen in einer „Eingliederungsvereinbarung“, dass sie ein besser bezahltes Arbeitsverhältnis anzunehmen haben, wenn dieses verfügbar wird. Man droht mit Entzug der Zuschüsse. Das sozialdemokratisch geführte Bildungsministerium nimmt solche Verhältnisse billigend in Kauf!

„Assistenzkräfte“ sind bereits Realität

Die CDU-Sprachröhren der Jungen Union oder der bildungspolitische Sprecher der christlich-demokratischen Union Volker Emde fordern in ihrem Einsparwahn „Abstriche“ bei der Kindererziehung u. a. durch den Einsatz von Assistenzkräften. Was die CDU jetzt fordert, hat sie mit der Kommunalisierung schon längst provoziert. Im Raum Saalfeld/Rudolstadt feiert man die Einstellung von sieben „Hausmeistern mit pädagogischem Aufgaben“ als Errungenschaft (s. OTZ v. 25.08.2010). Arbeitgeber sind die Kommunen. Stellen Sie sich bitte Ihren Schulhausmeister beim Umsetzen des „Thüringer Bildungsplanes von 0 bis 10 Jahren“ vor. Soviel zum Bildungsauftrag der Ganztagsschulen. Die Horte laufen Gefahr, Aufbewahrungsanstalten zu werden. 

Fazit 

Kann das gegenseitige Abjagen ausgebildeter Erzieher bzw. geeigneten Personals vermieden werden? Kann das Land Arbeitsverhältnisse anbieten, von denen Erzieherinnen und deren Kinder leben können? Es muss! üringen, die Landesregierung, das Bildungsministerium schmücken sich mit den Grundschulen und Horten als Ganztagesschulsystem. 
Das sind Sonntagsreden, wie die Beispiele zeigen. Die GEW bleibt bei ihrer Forderung, dass Grundschule und Hort eine Einheit bilden müssen und dafür eine optimale Personalausstattung brauchen. Die Mitglieder des Hauptpersonalrates – Bereich Schulen haben das TMBWK mit ähnlichen Beispielen auf die Missstände bereits aufmerksam gemacht. Handeln muss das Ministerium allein.