GEW Thüringen
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Die Zukunft des Horts (aus tz 07-08/2011)

Seit drei Jahren läuft das „Erprobungsmodell zur Weiterentwicklung der Thüringer Grundschule“ (Hortkommunalisierung) und es endet im Sommer 2012. Fast drei Viertel der Kommunen haben sich in der Zwischenzeit an dem Projekt beteiligt. Die Finanzierung erfolgt durch das Land. Jetzt muss über die weitere Entwicklung und Finanzierung der Grundschulhorte eine Entscheidung getroffen werden.
Zurzeit werden Evaluationen durchgeführt, es gibt Fragebogen für Eltern über ihre Zufriedenheit mit der Hortarbeit. Die Kolleg/innen sind bisher von ihren Arbeitgebern nicht befragt worden und machen sich Sorgen um ihre Zukunft.
Mit den meist befristeten Einstellungen durch die kommunalen Träger (bis zum Ende des Projektes) hat sich die personelle Situation vielerorts entspannt. Doch: Die Erzieher/innen im Landesdienst bangen um ihre Stellung im Land und die Kommunalbeschäftigten hoffen auf eine Verlängerung ihrer Arbeitsverträge.

Das Referat Frühkindliche Bildung und Sozialpädagogik des Vorstandsbereiches Bildungspolitik der GEW Thüringen hat deshalb in ihrer Mitgliedschaft eine Fragebogenaktion durchgeführt, um zu erfahren, wie sich der Hort in ihrer 
Einrichtung entwickelt hat, welche Erfahrungen vorliegen und wie die Bedingungen vor Ort sind. Die Hälfte der GEW-Kolleg/innen hat sich beteiligt und wir wollen an dieser Stelle einige Punkte des Fragebogens in einer ersten Auswertung veröffentlichen:


1. Angaben zur Person
Die Teilnehmer des Fragebogens sind zu 79,2 %* Landesbeschäftigte und 16 % sind Kommunalbedienstete. Der durchschnittliche Beschäftigungsumfang der Befragten beträgt hierbei 70 %. Staatlich anerkannte Erzieher/innen 
sind 71,3 % der Befragten.

2. Pädagogische Arbeit
Im Thüringer Hort werden verschiedene Modelle umgesetzt, um die Kinder zu betreuen. Dabei verfolgen 41,9 % der Horte ein offenes Konzept, 24,7 % arbeiten auf einer Gruppenbasis und 31,7 % kombinieren diese Modelle miteinander. Im Schnitt bieten die Horte in Thüringen sechs verschiedene Bildungsbereiche für die Kinder an, dabei sind die stärksten Bereiche der künstlerische Bereich mit 94,5 %, der motorische Bereich mit 91 %, der musikalische Bereich mit 81,5 % und der naturwissenschaftliche Bereich mit 74,1 %. Die Horterzieher/innen bieten selbst im Schnitt ungefähr vier verschiedene Bereiche an.
Die Hortkinder werden durch Befragung (89,9 %) und Wochenplan (38,8 %) in die Planung und Gestaltung der Tagesabläufe einbezogen. Tendenziell planen die Befragten die Ganztagesgestaltung gemeinsam mit den Lehrer/innen. 

3. Rahmenbedingungen
• 59,2 % der Befragten sind im Modellprojekt Hortkommunalisierung
• Die Befragten sind mit dem Aspekt Arbeitszeit für Absprachen eher zufrieden, aber nicht sehr zufrieden: Das Gleiche gilt für die Teilnahme an Dienstberatungen.
• 72,9 % der Befragten sind als Zweitkraft eingesetzt.


Die Befragung zeigt uns, dass die Grundschulen mit ihren Schulhorten eine pädagogische Einheit bilden. Dieser engen Verzahnung mit der Schule ist es zu verdanken, dass der Grundschulhort breite gesellschaftliche Akzeptanz findet. Er wird von den Eltern geschätzt und von den Kindern gerne besucht wird. Gerade wegen der beispielhaften Verbindung mit dem Schulhort bewertet die Kultusministerkonferenz die Thüringer Grundschule als „offene Ganztagsschule“. Und: Andere Bundesländer beneiden Thüringen um den Grundschulhort. Die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie das Modellprojekt nicht weiter empfehlen würden, da sie unter großer finanzieller 
Unsicherheit arbeiten und nicht wissen, wie es weitergeht. 

Die pädagogische Einheit von Grundschule und Schulhort setzt eine einheitliche Personalverantwortlichkeit für alle an der Grundschule tätigen Pädagogen voraus.
Spätestens im Sommer 2011 muss es vom Ministerium und der Landesregierung Entscheidungen geben, wie es mit der Hortgestaltung weitergehen soll. Wenn es keine finanzielle Absicherung gibt – denn die Kommunen und Landkreise können diese Aufgabe nicht allein bewältigen – ist die Einheit von Grundschule und Hort wieder einmal in Gefahr!

Die GEW Thüringen sagt „JA!“ zum Thüringer Grundschulhort!