GEW Thüringen
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Verpflichtende Ferienkurse sind eine sehr schlechte Idee

In einem Schreiben an die Schulleitungen allgemein bildender Schulen hat das Bildungsministerium Ferienkurse in den Sommerferien 2021 zum Aufholen von Lernrückständen aufgrund der Lockdown-Bedingungen angekündigt. Die GEW Thüringen ist ob dieser Kommunikation mehr als aufgebracht.

15.03.2021 - GEW Thüringen

Dazu Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen: „Während beim Runden Tisch noch nach Lösungen gesucht wird, wie entstandene Lernrückstände aufgearbeitet werden können, schafft das Ministerium bereits Fakten. Und das auch noch in Bezug auf die Osterferien, die in zwei Wochen beginnen. Das ist, gelinde gesagt, eine Ohrfeige für alle engagierten Lehrer:innen!“

Statt Schüler:innen und Lehrer:innen die notwendige Erholungspause in dieser herausfordernden Zeit von häuslichem Lernen, Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht bei immerwährender Sorge um die Gesundheit zu gönnen, sollen nach dieser Ankündigung aufgrund derzeitiger Regelungen ausschließlich von Lehrer:innen und Lehramtsanwärter:innen Ferienangebote abgesichert werden. Offenbar hat das Ministerium die Arbeitszeit und die Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer immer noch nicht verstanden. Wenn Schulen Ferienkurse leisten wollen, dann brauchen sie die entsprechende, auch personelle, Unterstützung. Ferienkurse müssen ein freiwilliges Angebot bleiben.  

Die GEW Thüringen erwartet, dass die Realitäten hinsichtlich der Arbeitszeit der Lehrer:innen gesehen und entsprechend anerkannt werden. Die GEW hat exemplarisch in Niedersachsen wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Lehrer:innen durchschnittlich mehrere Stunden pro Woche mehr arbeiten als sie laut ihrer Arbeitsverträge müssten. Sie leisten damit bereits unbezahlte Mehrarbeit - und die Ferienzeiten außerhalb der Urlaubstage sind da schon eingerechnet. Ohne diese Tage, in denen de facto Überstunden abgebummelt werden, wäre die Bilanz noch desaströser. Damit ergibt sich eine klar ablehnende Haltung der GEW Thüringen, wenn die geplanten Ferienkurse durch die Lehrer:innen zusätzlich geleistet werden sollen.

Im Falle der Lehramtsanwärter:innen (LAA) ist die Situation noch eklatanter. Die künftigen Kolleg:innen benötigen die Ferienzeit dringend zur Erholung, weitere Belastungen der ohnehin schon überlasteten LAA sind äußerst kontraproduktiv. Hier erinnern wir deutlich an die Fürsorgepflicht der ausbildenden Institution, also des Bildungsministeriums mit seinen nachgeordneten Einrichtungen, die Gesundheit der auszubildenden LAA nicht zu riskieren. Zu den knapp 1.000 langzeitkranken Lehrer:innen sollen die Nachwuchslehrer:innen nicht auch noch dazu kommen.

Am Vorgehen des Bildungsministeriums üben wir scharfe Kritik: Die notwendige Mitbestimmung der Personalvertretungen und eine vorherige Diskussion und Abstimmung mit den an Schule beteiligten Partnern fand abgesehen vom Runden Tisch nicht statt. Da hatte das Ministerium noch nichts von diesen Plänen erwähnt, umso fraglicher ist, welchen Sinn die Beratungen am Runden Tisch überhaupt haben. Die GEW Thüringen beteiligt sich mit ihren Gremien gern an notwendigen Diskussionen, wie mit den Folgen der Pandemie pädagogisch und organisatorisch umgegangen werden kann. Ein solches Schreiben aber blendet die Problemlösefähigkeit so vieler an Schule Beteiligter aus. 

 


Über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen:
Die Bildungsgewerkschaft GEW THÜRINGEN ist die größte Interessenvertretung in Thüringen im Bildungsbereich. Sie organisiert aktive und ehemalige Beschäftigte an den Thüringer Bildungseinrichtungen. Schwerpunkte der politischen Arbeit sind die Bildungsgerechtigkeit, die Lern- und Arbeitsbedingungen an Kitas, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie die Angestellten-, Beamten- und Tarifpolitik. Vorsitzende ist Kathrin Vitzthum.