GEW Thüringen
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Freistaat muss selbst als vorbildlicher Arbeitgeber vorangehen

Die GEW Thüringen fordert vom Freistaat Thüringen in Sachen Pandemieprävention für Beschäftigte nicht nur bei Appellen an die Wirtschaft zu belassen, sondern selbst als vorbildlicher Arbeitgeber voranzugehen.

08.01.2021 - GEW Thüringen

„Es ist schon ziemlich absurd, die privaten Arbeitgeber dazu aufzurufen, ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, Tätigkeiten die im Homeoffice zu erledigen, während im Landesdienst selber oft sehr restriktiv damit umgegangen wird“, so Thomas Hoffmann, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW Thüringen. Gerade im Bereich des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG) gibt es keine einheitliche Linie. Das ist besonders eklatant bei den 10 Hochschulen: während an manchen überwiegend im Homeoffice gearbeitet wird, sind an anderen Hochschulstandorten die Beschäftigten mehrheitlich im Präsenzmodus tätig – und das unabhängig vom jeweiligen Pandemiegeschehen. Die Außenwirkung eines restriktiven Umganges der öffentlichen Arbeitgeber mit Homeoffice ist verheerend, denn schließlich haben sie eine Vorbildfunktion auch für andere Wirtschaftsbereiche.

Ein Appell an die private Wirtschaft kann nur wirksam sein, wenn man auch seinen eigenen Laden in den Griff bekommt. Die GEW Thüringen fordert daher die Landesregierung auf, dafür zu sorgen, dass an allen Dienststellen des Landes der Präsenzbetrieb auf das notwendige Minimum zurückgefahren wird.

Als ein Armutszeugnis begreift die Bildungsgewerkschaft die verspätete Feststellung der Landesregierung, dass die Notwendigkeit besteht, die technischen Voraussetzungen für die Ausdehnung von Homeoffice in den Landesbehörden zu schaffen. Das ist schon im März beim ersten Lockdown deutlich geworden und der Sommer hätte dazu genutzt werden müssen, diese Voraussetzungen zu schaffen. Selbst an den Hochschulen haben immer noch nicht alle Beschäftigten datensichere Zugänge auf die auf den Servern der Dienststelle abgelegten Dokumente. Offenbar haben einige Hochschulleitungen ihre Hausaufgaben nicht gemacht und das Ministerium hat tatenlos zugesehen.

Im Interesse des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten und der Pandemiebekämpfung muss jetzt aus Sicht der GEW Thüringen in den Dienststellen des Landes alles getan werden, ihre Funktionsfähigkeit mit so wenig Präsenz wie möglich aufrecht zu erhalten. Dazu ist erforderlich, dass die Beschäftigten mehrheitlich im Homeoffice tätig sind und auch die dafür erforderliche Ausrüstung bzw. Netzwerkanbindung erhalten.

Dabei unterstreicht die GEW auch, dass Homeoffice nicht gleichzusetzen ist mit Kinderbetreuung und auch kein Ersatz dafür, denn Arbeit zu Hause ist in den seltensten Fällen vereinbar mit Betreuung von Kindern oder Begleitung des „Häuslichen Lernens“. „Wir wissen um das Dilemma der Mehrfachbelastung von Familien“, so Hoffmann. Gerade für Beschäftigte ohne Betreuungsaufgaben kann es sinnvoll sein, zu Hause zu arbeiten, um unnötige Begegnungen am Arbeitsplatz zu vermeiden.

 


Über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen:
Die Bildungsgewerkschaft GEW THÜRINGEN ist die größte Interessenvertretung in Thüringen im Bildungsbereich. Sie organisiert aktive und ehemalige Beschäftigte an den Thüringer Bildungseinrichtungen. Schwerpunkte der politischen Arbeit sind die Bildungsgerechtigkeit, die Lern- und Arbeitsbedingungen an Kitas, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie die Angestellten-, Beamten- und Tarifpolitik. Vorsitzende ist Kathrin Vitzthum.