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Dieser Schritt war lange überfällig: Erste Schritte des Bildungsministeriums zum Abbau prekärer Beschäftigungsbedingungen an den Thüringer Horten

06.05.2017 - GEW Thüringen

Am heutigen Samstag, den 06.05.2017, hat das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) in einer Veröffentlichung „Thüringer Schulhorte weiterentwickeln“ eine Reihe von angedachten Maßnahmen verkündet. Die GEW Thüringen begrüßt dies als wichtigen, aber auch nur ersten Schritt hin zur Eindämmung prekärer Arbeitsverhältnisse an den Thüringer Schulhorten.

Alle Erzieher*innen, deren Stellenumfang weniger als 60 Prozent umfasst, erhalten das Angebot, ihre Beschäftigungsumfänge auf 60 Prozent zu erhöhen. Dazu Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen: „Das Ministerium hat einen ersten wichtigen Schritt getan. Es erkennt endlich die prekären Beschäftigungsbedingungen in den Thüringer Horten an und ermöglicht eine Erhöhung der Beschäftigungsumfänge. Das ist gut, aber noch nicht ausreichend. Vor allem im Hinblick auf die mangelnden qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber sind 60-Prozent-Stellen nicht attraktiv. Hier muss weiter nachgelegt werden. Unsere Forderungen haben Gehör gefunden. Das Ministerium wird den Beschäftigten in den Horten, die bislang mit 50-Prozent-Stellen zufrieden sein mussten, eine Erhöhung auf 60 Prozent anbieten. Das kann zwar nur ein erster Schritt sein, ist aber für die Geldbörsen ein sichtbares Plus. Für uns ist gute Arbeit, wenn man von ihr auch gut leben kann. Deshalb werden wir auch weiterhin für Vollzeitstellen im Grundschulhort kämpfen.“

Dass die Umsetzung dieses und der anderen Maßnahmen jedoch erst 2018 beginnen sollen, ist für die Bekämpfung der akuten Personalprobleme an den Thüringer Horten mehr als hinderlich. Nur zum 31.7. eines jeden Jahres beenden Erzieherinnen und Erzieher ihre Ausbildung und stehen somit frühestens zum 1.8.2018 dem Schulen zur Verfügung. Eine Umsetzung der Maßnahmen des TMBJS noch mit Beginn des neuen Schuljahres und somit ab dem 1.8.2017 würde den Bedürfnissen der Schulen und damit den Kindern und Eltern deutlich mehr entgegenkommen.

Das zentrale Argument des TMBJS für die bisherige Praxis von 50-Prozent-Stellen im Hortbereich war, dass bei einer Neubesetzung mit 80-Prozent-Stellen aufgrund weniger Neueinstellungen kein geregeltes Schulhortangebot mehr möglich sei. Diese personelle Knappheit ist jedoch lediglich die Folge einer rein unter fiskalischen Kriterien erfolgten Einstellungspolitik und damit hausgemacht.

Die Lösung, und darauf verweist die GEW Thüringen seit vielen Jahren, ist in einem konsequenten Ausbau von gebundenen, also tatsächlichen Ganztagsschulen, die ihr Personal mit sogenannten „schulscharfen“ Einstellungen gemäß ihres jeweiligen Konzepts selber einstellen dürfen, zu finden . Mehr Erzieherinnen und Erzieher, die den ganzen Tag und selbstverständlich in Kooperation mit der Lehrerin / dem Lehrer den Schulalltag meistern, sind  notwendig. Dazu Kathrin Vitzthum: “Das Problem ist am Ende, dass durch eine fehlende Konzeption für die Thüringer Ganztagsschule dem Finanzministerium ein Nein zu mehr Stellen leicht gemacht wird. Solange der Hort als Anschlussbetreuung missverstanden werden kann, ist eine Aufstockung schwer durchsetzbar. Erzieherinnen und Erzieher werden im rhythmisierten Unterricht aber dringend benötigt. Dazu müssen jetzt endlich die Voraussetzungen geschaffen werden.“

Die GEW Thüringen hält bei der Weiterentwicklung des Ganztagsschulangebots an ihrer Forderung nach Vollzeitbeschäftigung für die Erzieherinnen und Erzieher fest. Die vom TMBJS nun formulierte Aussage, dass in zeitnahen Schritten die Beschäftigungsumfänge weiter erhöht werden sollen, berücksichtigt die zentralen Aspekte des "Konzepts Ganztagsschule" der GEW Thüringen.

 

Über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen:

Die Bildungsgewerkschaft GEW THÜRINGEN ist die größte und bedeutendste bildungspolitische Kraft in Thüringen. Sie organisiert aktive und ehemalige Beschäftigte an den Thüringer Bildungseinrichtungen. Schwerpunkte der politischen Arbeit sind die Bildungsgerechtigkeit, die Lern- und Arbeitsbedingungen an Kitas, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie die Angestellten-, Beamten- und Tarifpolitik. Vorsitzende ist Kathrin Vitzthum. 

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