GEW Thüringen
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Für die nächsten vier Jahre unsere Orientierung: Der Leitbeschluss

Gute Arbeit und Bildung für alle Bereiche des Bildungswesens in Thüringen!

Unter Einbeziehung der Beschlüsse und Aufträge des Gewerkschaftstages der GEW Bund für alle Bundesländer und der aktuellen bildungspolitischen Lage in Thüringen formulieren wir im Leitantrag die wesentlichen Forderungen der GEW Thüringen für die kommenden vier Jahre.

Dem Titel des Leitbeschlusses „Gute Arbeit und Bildung für alle Bereiche des Bildungswesens in Thüringen!“ folgend, stellt sich für uns nun die Fragen nach dem: Was versteht die GEW Thüringen unter guter Bildung? und dem: Wie will die GEW Thüringen die dazugehörigen Bildungsziele und -inhalte umsetzen? 

Die Vielfalt der Menschen und ihre unterschiedlichen Lern- und Lebensbedürfnisse müssen die Grundlage von Pädagogik und den daraus resultierenden Strukturen sein. Dass Bildung ein Menschenrecht ist, versteht sich von selbst und dient der vollständigen und freien Entfaltung der Persönlichkeit und ihrer jeweiligen individuellen Möglichkeiten. Dabei soll soziale Ungleichheiten abgebaut und existierenden Benachteiligungen entgegengewirkt werden. Ungleichheit gefährdet die Demokratie, gute Bildung stärkt sie! Die Integration von Menschen nichtdeutscher Herkunft durch Bildung ist dabei selbstverständlicher Teil eines umfassenden Bildungsverständnisses
der GEW Thüringen.

Was versteht die GEW Thüringen unter guter Bildung?

Frühkindliche Bildung und Sozialpädagogik:

Im frühkindlichen Bereich ist die Fachkraft-Kind-Relation zu verbessern.

  • Für die Unter-Dreijährigen fordern wir eine Relation von 1:3 (d. h. ein*e Erzieher*in für drei Kinder), für die Über-Dreijährigen bis zum Schuleintritt von 1:7,5  (d. h. ein*e Erzieher*in für siebeneinhalb Kinder)!
  • Zeiten der Vor- und Nachbereitung sind angemessen zu berücksichtigen!
  • Durch den Einsatz multiprofessioneller Teams ist der Heterogenität der Kinder und Jugendlichen sowie deren spezifischer Förderungslagen gerecht zu werden!
  • Der weitere Ausbau der Schulsozialarbeit ist zu fördern und als Daueraufgabe zu verankern!

Inklusion

Die Anforderungen bei der täglichen Umsetzung des Inklusionsgedankens sind hoch und die Ressourcen, die im täglichen Kita- oder Schulleben dafür bereitgestellt werden, sind knapp. Diese dürfen nicht zur Selbstausbeutung der Kolleg*innen führen. 

  • Es müssen schrittweise (Gelingens-)Bedingungen geschaffen werden, die es als Normalität ermöglichen, alle Kinder und Jugendliche mit ihren  Besonderheiten zu bilden! Dies würde die Skepsis und die Resignation vieler Kolleg*innen besser überwinden als alles andere. 
  • Es aus Sicht der GEW Thüringen sinnvoll, dass das Kultusministerium für Schulen einen Umsetzungsplan vorlegt! Darin sollte akzeptiert werden, dass die Umsetzung an verschiedenen Orten mit verschiedenen Geschwindigkeiten vor sich geht. So könnten in einem ersten Schritt diejenigen Schulen besser ausgestattet werden, die sich schon auf den Weg gemacht haben und machen werden. Schritt für Schritt können weitere Schulen folgen.
  • Thüringer Gemeinschaftsschulen, in denen sich Grund-, Regel-, Förderschulen und auch Gymnasien gemeinsam unter einem Dach auf den Weg machen, könnten hier eine Vorreiterrolle übernehmen!

Ganztagsschule

Ganztagsschulen verbessern die Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen.

  • Dazu müssen Schulen in Thüringen zu echten Ganztagsschulen werden, in denen Unterricht, Hort und außerunterrichtliche Aktivitäten eine Einheit bilden!
  • Es bedarf neuer Konzepte der Zusammenarbeit von multiprofessionellen Teams an den Einrichtungen. Zu dieser Zusammenarbeit gehören Absprachen und gemeinsame Vor- und Nachbereitungen, die in die Festlegung von Pflichtstundenzahlen oder Beschäftigungsumfänge Einlass finden müssen!
  • Die Möglichkeiten für staatliche Schulen, im Rahmen einer Probephase Formen des offenen oder gebundenen Ganztags auszuprobieren und bei erfolgreichem Abschluss diese Form der Schultagesgestaltung beibehalten zu können, sind zu verbessern!

Allgemein- und berufsbildende Schule:

Alle Schularten haben aus heutiger Sicht ihre Berechtigung. Die GEW Thüringen erwartet daher vom Freistaat, dass er alle Schularten auch in Zukunft qualitativ weiterentwickelt.

  • Ohne andere Schularten infrage zu stellen, sieht die GEW Thüringen dabei die Thüringer Gemeinschaftsschule als eine zukunftsfähige Schulform an, deren weiteren Auf- und Ausbau wir aktiv begleiten wollen!
  • Wir erwarten mit dem Arbeitsprogramm „Zukunft Schule für Thüringen“ und der Novellierung des Thüringer Schulgesetzes zügig Taten, die zu spürbaren Verbesserungen der derzeitigen Situation im Schulbereich führen!
  • Wir fordern, dass es dazu einen landtagsübergreifenden Konsens gibt, der über das Jahr 2019 hinaus Bestand hat!
  • Wir gehen davon aus, dass die Umsetzung der Beschlüsse transparent und partizipativ für alle an Bildung Beteiligten erfolgt!

Hochschule und Forschung:

Durch den Anstieg der Studienanfängerquote auf derzeit etwa 56 Prozent eines Abiturjahrgangs haben sich die Studienbedingungen an den Hochschulen verändert. Die Studierendenschaft wurde zunehmend heterogener und auch die Zahl der internationalen Studierenden weist eine steigende Tendenz auf so dass, die Voraussetzungen
für einen erfolgreichen Studienbeginn nicht bei allen Studienanfänger*innen im gleichen Maße gegeben sind. In der Konsequenz brechen etwa 40 Prozent der Studierenden ihr Studium ab.

  • Neue, aber auch erprobte Modelle der Gestaltung der Studieneingangsphase müssen ausgebaut und versteigt werden!
  • Dafür erforderliche Mittel müssen den Hochschulen zusätzlich und dauerhaft zur Verfügung gestellt werden!
  • Den hohen Abbruchquoten kann ebenso durch zusätzliche Vor- und Unterstützungskurse – ggf. auch in Form digitaler Lehrangebote – entgegengewirkt werden! Auch dafür sind zusätzliche Mittel notwendig.
  • Um die Lehrangebote adressatengerecht zu überarbeiten und stets aktuell zu halten, ohne dabei Abstriche hinsichtlich des Niveaus zu machen, halten wir eine Entlastung der Kolleg*innen bei den Lehrdeputaten für geboten!
  • Lehrfreisemester für die Überarbeitung und Neukonzeption von Lehrinhalten wären sowohl der Studierendenerfolgsquote als auch der Beschäftigtenzufriedenheit zuträglich!
  • Die GEW Thüringen setzt sich für ausgewogene Regelungen zum Teilzeitstudium ein, um die Vereinbarkeit von Familie und Studium bzw. Beruf und Studium zu verbessern!
  • Der Zugang zu einem Studium muss allen offen stehen. Die GEW Thüringen spricht sich daher gegen jegliche Form von Studiengebühren aus!

Erwachsenenbildung:

Mit Bezug auf das Thüringer Bildungsfreistellungsgesetz wird die GEW Thüringen mit dafür Sorge tragen, dass mehr Menschen in Thüringen von ihrem Rechtsanspruch auf Bildungsfreistellung Gebrauch machen und eine Stärkung der gesellschaftspolitischen Seminarangebote einfordern!

Digitalisierung

Die Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringen wird, sind mehr als Hard- und Software. Es geht vielmehr darum, sich mit Medien auseinanderzusetzen, sie bewerten und sinnvoll anwenden zu können. Daher braucht es Bildung sowie Fort- und Weiterbildung zu Technik, Neuen Medien usw. ebenso wie Medienbildung und Medienpädagogik. Ebenso müssen Fragen der Gestaltung neuer Lehr- und Lernformen, die die Digitalisierung möglich macht, beantwortet werden. Datenschutz, Technikfolgenabschätzung oder pädagogische Herausforderungen – alles muss diskutiert und bedacht werden. Es steht die Frage: Wie kann
Digitalisierung zur Unterstützung der Bildung genutzt werden?

Wie will die GEW Thüringen die dazugehörigen Bildungsziele und -inhalte umsetzen?

Die Voraussetzungen für gute Bildung und gute Arbeit in der Bildung zu schaffen, das ist grundsätzlich Aufgabe des Thüringer Landtages, des Freistaates Thüringen als öffentlicher Arbeitgeber und der vielen weiteren Arbeitgeber im Bildungsbereich. Die GEW Thüringen erwartet von ihnen allen, sich für Bildung nicht nur mit Worten, sondern mit Taten einzusetzen. Zum Dialog für die Verbesserung der Bildung in Thüringen sind wir jederzeit bereit. In den verschiedenen Referaten, Arbeits- und Projektgruppen der GEW Thüringen arbeiten ehrenamtlich Kolleginnen und Kollegen engagiert und kompetent an Ideen zur Umsetzung der vielfältigen Ziele. Ein Dank an der Stelle gebührt allen GEWerkschaftern, die sich so für ihre eigenen Interessen einsetzen. Auch in Zukunft bedarf es vieler Mitstreiter mit ihren Ideen, Anregungen
und Meinungen. Wir rufen alle GEW-Mitglieder auf, sich in die Ehrenamtsarbeit einzubringen und so mit neuen, auch widerstreitenden Ideen uns alle unserem Ziel immer ein Stück näher zu bringen: „Gute Arbeit und Bildung für alle Bereiche des Bildungswesens in Thüringen!“

Welche Forderungen gibt es im Bereich Tarif- und Beamtenrecht?

Auszug aus dem Leitbeschluss: „ „Die Beschäftigungsbedingungen im Schulbereich müssen in Thüringen deutlich verbessert werden. Die GEW Thüringen ist der Ansicht, dass die Schaffung von Verbeamtungsmöglichkeiten im Schulbereich die Probleme, die bei der bedarfsgerechten und dauerhaften Besetzung sowohl von unbefristeten als auch von befristeten Stellen entstehen, nicht allein lösen. Hierzu ist es u. a. notwendig, den Zusammenhang zwischen Verbeamtung und Änderungen im Besoldungsrecht und die Lösung der Ein-Fach-Lehrer-Problematik herzustellen. Um im Wettbewerb um die besten Köpfe anderen Bundesländern nicht nachzustehen, hat die GEW Thüringen die Angleichung für Regelschullehrer*innen in die A13/E13 durchgesetzt. Die GEW Thüringen fordert jetzt die Landesregierung auf, die Hebung der Grundschullehrer*innen in die A13/E13 auf den Weg zu bringen. 

Im Besoldungsrecht sind weitere Änderungen notwendig. Daher fordert die GEW Thüringen:

  • Beförderungs-/Höhergruppierungsmöglichkeiten nicht nur bei Funktionsstellen (derzeit nur Schulleiter*innen und stellvertretende Schulleiter*innen), sondern auch für Lehrer*innen,
  • die Schaffung eines Besoldungsamtes für Thüringer Gemeinschaftsschulen, 
  • die Einrichtung eines Besoldungsamtes für Fachleiter*innen an Studienseminaren,
  • die Besoldung/Vergütung in der Regel sofort mindestens eine Besoldungs-/Vergütungsgruppe über der für die Schulart übliche Besoldung/Vergütung bei Übertragung einer Funktionsstelle (Die Bewährungsfeststellung in der Funktionsstelle ist bereits in der Tätigkeit vor der Bestellung erfolgt.),
  • die Erweiterung des Funktionsstellenbegriffes nicht nur an den Schularten Gymnasium und berufliche Schulen (in der Regel A 14) u. a. auf:
    • Oberstufenleiter*innen an Gymnasien, Gesamtschulen, Thüringer Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe und beruflichen Schulen mit gymnasialer Oberstufe, 
    • Abteilungsleiter*innen an beruflichen Schulen,
    • Mittelstufenkoordinator*innen an Gymnasien, Gesamtschulen, Thüringer Gemeinschaftsschulen und Regelschulen, 
    • Primarstufenkoordinator*innen an Thüringer Gemeinschaftsschulen und Grundschulen,
    • Leiter*innen von Fachschaftsbereichsgruppen (Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften usw.),
    • Verantwortliche für Ausbildung und 
    • Beratungslehrer*innen, 
      eine bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige Ausbildung für Sonderpädagogische Fachkräfte (SPF) sowie eine Besoldung im Besoldungsamt A 10 bzw. eine Eingruppierung im die E 10 im Eingangsamt. 

Die GEW Thüringen bekräftigt ihre Forderung nach der Erhöhung der Beschäftigungsumfänge für Horterzieher*innen in einem ersten Schritt auf 80 Prozent mit dem Ziel der Vollbeschäftigung.“ 

Kristina Argus und Andreas Heimann
Referatsleitungsteam allgemein- und berufsbildende Schulen

Ansprechpartner_in
Kristina Argus
Referatsleitungsteam Allgemein- und berufsbildende Schulen
Heinrich-Mann-Str. 22
99096 Erfurt
0361 590 95 0
Ansprechpartner_in
Andreas Heimann
Referatsleitungsteam Allgemein- und berufsbildende Schulen
Heinrich-Mann-Str. 22
99096 Erfurt
0361 590 95 0