GEW Thüringen
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Der wiedergewählte stellvertretende Landesvorsitzende stellt sich vor

Thomas Hoffmann

Thomas Hoffmann wurde auf der Landesvertreterversammlung als stellvertretender Landesvorsitzender mit 83 Prozent der Stimmen wieder gewählt. Hier stellt er sich und sein gewerkschaftliches Wirken vor, schreibt darüber, wie er die GEW sieht und was er tun würde, hätte er deutlich mehr Zeit.

Glückwunsch zur Wahl als stellvertretender Landesvorsitzender an Thomas Hoffmann (rechts) durch Jochen Weiß (links) vom Kreisverband Suhl auf der LVV 2018 - Foto: Alice End

Seit 1998 bin ich als Referent für Internationales an der damals neu gegründeten Fachhochschule Nordhausen tätig, wo ich außerdem Mitarbeitervertreter im Hochschulrat war und seit 2010 Vorsitzender des Personalrates bin. Seit 2009 bin ich Mitglied des Hauptpersonalrats beim für das Hochschulwesen zuständigen Ministerium - aktuell das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft - und seit 2018 dessen zweiter stellvertretender Vorsitzender.

Für Personalratsarbeit bin ich dennoch nicht voll freigestellt, weil ich mich weiterhin meinem sehr interessanten und vielfältigen Arbeitsgebiet widmen möchte. Allen Hochschulmitgliedern die Möglichkeit internationaler Erfahrungen zu bieten, ist nämlich eine spannende und zugleich auch dankbare Aufgabe. Und internationalen Studierenden ein Studium in der Südharzer Provinz zu ermöglichen, ist ein kleiner Beitrag zur kulturellen Öffnung der Region und zur Schaffung einer weltoffenen Hochschule.

Bevor ich nach Thüringen kam, habe ich 10 Jahre in Frankreich gearbeitet, zunächst als Fremdsprachenassistent, dann als Lehrkraft für Wirtschaftsdeutsch und schließlich als Leiter der internationalen Abteilung einer privaten Wirtschaftshochschule. In den 80er Jahren hatte ich während und nach meinem Lehramtsstudium in Niedersachsen (Mathematik, Geografie) in der Binnenschifffahrt als Matrose und später Schiffsführer auf Frachtschiffen im Berlinverkehr gearbeitet. Auf meine Schiffsführerpatente unter anderem für die Elbe in der Länge ihrer Schiffbarkeit und die Märkischen Gewässer bin ich noch heute stolz.

  • Mein GEW-Engagement

Nachdem ich während meines Studiums schon GEW-Mitglied war, habe ich mich im Zusammenhang mit meiner Arbeit an einer Thüringer Hochschule wieder gewerkschaftlich orientiert. Schnell habe ich festgestellt, dass wieder die GEW die richtige Gewerkschaft für mich war – gerade wegen ihrer überzeugenden bildungs- und wissenschaftspolitischen Positionen, die sich deutlich von anderen Gewerkschaften und Interessenvertretungen abheben, aber auch, weil die GEW eine basisorientierte Mitgliedergewerkschaft ist. 

Das ehrenamtliche Engagement folgte schnell: zunächst der Aufbau des Betriebsverbandes der Fachhochschule Nordhausen, von 2001 bis 2014 Referatsleiter Hochschule und Forschung und seit 2009 außerdem Mitglied des Leitungsteams des Bundesfachgruppenausschusses Hochschule und Forschung, den ich seit kurzem auch im Hauptvorstand vertrete. Seit 2014 bin ich stellvertretender Landesvorsitzender der GEW-Thüringen und als Hochschulvertreter Mitglied der Arbeitsgruppe Organisationsentwicklung des Koordinierungsvorstandes.

Besonders am Herzen liegt mir allerdings unser Landesausschuss Diversity, den ich seit 2010 kontinuierlich mit aufgebaut habe. Denn ich halte den Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung in allen gesellschaftlichen Bereichen für wichtig und begreife das Eintreten für Respekt vor Menschen in ihrer ganzen Vielfalt auch als Aufgabe einer Bildungsgewerkschaft. 

  • Wofür die GEW stehen sollte

Ich bin überzeugt, dass die GEW

  • sich weiterhin bildungspolitisch profilieren muss, um mit ihrer Kompetenz von der Politik und der Öffentlichkeit ernst genommen zu werden,
  • sich entschieden für Menschenrechte und Akzeptanz menschlicher Vielfalt einsetzen muss, um sich klar von (rechts-)populistischen Positionen abzugrenzen,
  • sämtliche Beschäftigten in allen Bildungsbereichen und Wissenschaftseinrichtungen ansprechen muss, um sich als die Bildungs- und Wissenschaftsgewerkschaft zu profilieren und überall einen hohen Organisationsgrad zu erreichen,
  • ihre Arbeitsweise und Organisationskultur regelmäßig kritisch hinterfragen und weiter entwickeln muss, um attraktiv für jüngere und neue Kolleginnen und Kollegen zu werden und den Generationenwechsel erfolgreich zu meistern.

Ich freue mich über das von den Delegierten der 9. Landesvertreterversammlung ausgesprochene Vertrauen. In der jetzt begonnenen Amtszeit möchte ich mich neben den Bereichen Hochschule und Forschung sowie Diversity auch vorrangig um die Bereiche Organisationsentwicklung, Mitgliederwerbung und Mitgliederbindung sowie
gewerkschaftliche Bildungsarbeit kümmern. Mein Geburtsjahr 1960 bedeutet allerdings auch, dass es Zeit ist, motivierte Menschen zu finden, die daran interessiert sind, meine Nachfolge innerhalb der GEW anzutreten, ganz im Sinne des Mottos der letzten GEW-Aktivenkonferenz:„Den Generationenwechsel diversitätsbewusst gestalten“.

  • Wenn ich mehr Zeit hätte …

Was würde ich nun tun, wenn weniger GEWerkschaftliches Engagement mir mehr Zeit ließe, den schönen Dingen des Lebens nachzugehen? Spontan fällt mir ein:

  • gesundheitsbewusster leben, um irgendwann auch meine Rente genießen zu können,
  • öfters Wanderungen oder mindestens lange Spaziergänge machen,
  • wieder regelmäßiger Fahrrad, ggf. Pedelec fahren,
  • Freundschaften besser pflegen,
  • meine Schwestern und deren Familien öfters besuchen,
  • mehr Zeit mit meinem Partner verbringen,
  • mir ein Theaterabonnement zulegen,
  • mir mehr Muße zum Lesen nehmen,
  • in der Wohnung Ordnung halten, vielleicht mal renovieren,
  • mich ehrenamtlich vor Ort in der Gemeinschaft engagieren.

Wenn es mir dann noch gelänge, ganz viel Zeit zu haben, dann würde ich auch noch ein paar besondere Schiffsreisen oder Dampfzugfahrten machen und außerdem
etwas mehr Zeit in der Provence verbringen.

Es ist schön, Träume zu haben, aber allzu lange soll man auch nicht mit deren Verwirklichung warten.

Thomas Hoffmann

Ansprechpartner_in
Thomas Hoffmann
Stellvertretender Landesvorsitzender
Heinrich-Mann-Str. 22
99096 Erfurt
0361 590 95 0
0173 389 4487