GEW Thüringen - Website https://www.gew-thueringen.de GEW Thüringen - Website de-DE GEW Thüringen - Website Tue, 19 Feb 2019 02:10:15 +0100 Tue, 19 Feb 2019 02:10:15 +0100 TYPO3 EXT:news news-16021 Mon, 18 Feb 2019 15:12:31 +0100 Aktuelles zur sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverhältnissen https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/aktuelles-zur-sachgrundlosen-befristung-von-arbeitsverhaeltnissen/ Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat mit Urteil vom 23. Januar 2019 - 7 AZR 733/16 – die Rechtsprechung zur Befristung eines Arbeitsvertrags ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes nach § 14 Abs. 2 Satz 2 TzBfG geändert. Gute Arbeit Recht Artikel Thüringen news-16014 Sun, 17 Feb 2019 13:00:00 +0100 CLUB DER ROTEN BÄNDER - WIE ALLES BEGANN https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/club-der-roten-baender-wie-alles-begann/ Kinofilm zur gleichnamigen, mehrfach preisgekrönten TV-Serie (Grimme Preis, Deutscher Fernsehpreis, Jupiter-Award, International Emmy Kids Award) über sechs, teils schwer erkrankte Jugendliche, die sich im Krankenhaus begegnen und lernen, zusammen ihr Schicksal zu meistern. GEW Artikel Thüringen news-16003 Fri, 15 Feb 2019 11:00:00 +0100 Sei dabei in der Arbeitsgruppe Personalrat! https://www.gew-thueringen.de/newsrss/?juHash=c904081bc4f91d5c0e107ee7bd08a4794b9a4996&jumpurl=mitbestimmung%2Fpersonalraete%2Fag-personalrat In der AG Personalrat der GEW Thüringen steht die aktuelle Arbeit von örtlichen Personalräten in den Schulen im Vordergrund. Dies kann noch weiter ausgebaut werden und Du kannst genau hier die Erfahrungen und Fragen aus Deiner Schule einbringen. Bildungsbereiche Schulsozialarbeit Berufliche Bildung Schule Mitbestimmung Artikel Personalräte Thüringen news-15997 Thu, 14 Feb 2019 14:00:00 +0100 Auch in Thüringen werden wir sichtbar sein! https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/auch-in-thueringen-werden-wir-sichtbar-sein/ Andernorts fanden und finden bereits Warnstreiks im öffentlichen Dienst der Länder statt. Und trotz der Ferien wird in der Landesgeschäftsstelle der GEW Thüringen fleißig gewirbelt. Seid gespannt auf die nächsten Infos. Schulsozialarbeit Wissenschaft Berufliche Bildung Schule Tarif TV-L Beamte Artikel Thüringen news-15984 Wed, 13 Feb 2019 12:00:00 +0100 Fachkräfteoffensiven des Bundes (Kindergarten) https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/fachkraefteoffensiven-des-bundes-kindergarten/ Es tut sich was im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Kinder: der frühkindliche Bereich rückt in den Fokus der Aufmerksamkeit. Der weitere, flächendeckende Ausbau von Kindertageseinrichtungen schreitet voran. Bis 2020 investiert der Bund 1,1 Milliarden Euro in die Schaffung von weiteren 100.000 Kitaplätzen. Kita Bildungsfinanzierung Artikel Thüringen news-15985 Wed, 13 Feb 2019 12:00:00 +0100 Neue Leiterin der AG Kita gewählt: Bettina Löbl https://www.gew-thueringen.de/newsrss/?juHash=4181b5b3cdd76a9fe9431f21a301db2cee6038c9&jumpurl=kita%2Freferat-fruehkindliche-bildung-und-sozialpaedagogik%2Fag-kita%2F Hier schreibt Bettina Löbl über die Vorhaben der AG Kita für 2019 und eine Einladung zur ersten Sitzung. Kita Bildungsfinanzierung Artikel Thüringen news-15979 Wed, 13 Feb 2019 11:00:00 +0100 „Soziale Ungleichheit ist ein Lernprodukt.“ Diskriminierung in Thüringer Erstlesebüchern https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/soziale-ungleichheit-ist-ein-lernprodukt-diskriminierung-in-thueringer-erstlesebuechern/ 2019 hat begonnen und es geht gleich richtig los. Im Frühjahr 2018 untersuchte die Arbeitsgruppe LSBT*I* der GEW Schulbücher der Sekundarstufe auf die Darstellung sozialer Vielfalt (siehe tz Juni 2018). Infolge der aufgezeigten Mängel wurde an die Schulbuchverlage Klett, Cornelsen und Westermann eine Checkliste verschickt, die eine Orientierung gibt, wie Diversität bei der Konzeption von Schulbüchern besser berücksichtigt werden kann. Studium Schule Bildung & Geschlecht Artikel Thüringen news-15981 Wed, 13 Feb 2019 11:00:00 +0100 Antragspflicht nach Änderung der Lehrerbesoldung https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/antragspflicht-nach-aenderung-der-lehrerbesoldung/ Frage: Warum muss ein tarifbeschäftigter Arbeitnehmer als Lehrkraft für die Änderung der Lehrer*innenbesoldung einen Antrag stellen? Berufliche Bildung Schule Tarif TV-L Beamte Artikel Thüringen news-15982 Wed, 13 Feb 2019 11:00:00 +0100 Wie bekomme ich die „A 12 mit Amtszulage“ als angestellte Lehrkraft? https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wie-bekomme-ich-die-a-12-mit-amtszulage-als-angestellte-lehrkraft/ Frage: Ich bin Regelschullehrerin und freue mich über die Änderung meiner Bezüge rückwirkend zum 1.1.2018. Was muss ich beachten, um die Ansprüche A 12 mit Amtszulage vollständig für den gesamten Zeitraum zu erhalten. Ich bin seit 1.10.2018 Beamtin auf Probe. Berufliche Bildung Schule Tarif TV-L Beamte Artikel Thüringen news-15983 Wed, 13 Feb 2019 11:00:00 +0100 Änderungen auch für Sonderpädagogische Fachkräfte? https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/aenderungen-auch-fuer-sonderpaedagogische-fachkraefte/ Frage: Ich bin Sonderpädagogische Fachkraft und erhalte Vergütung nach der E 9. Mein Antrag auf Entgeltgruppenzulage nach der Änderung der Lehrerbesoldung wurde abgelehnt, wieso? Berufliche Bildung Schule Tarif TV-L Beamte Artikel Thüringen news-15972 Tue, 12 Feb 2019 14:56:45 +0100 Neue referatsübergreifende Arbeitsgruppe zur Bildungsfinanzierung https://www.gew-thueringen.de/newsrss/?juHash=e877da5df7e07b3c5b7eb82b980ccebeb43fb240&jumpurl=bildungsfinanzierung%2F Die AG will für bestimmte Vorhaben Finanzbedarfe abschätzen und nachhaltige Finanzierungsmöglichkeiten aufzeigen, Zuarbeiten für Fachgespräche, zu Wahlprüfsteinen sowie zum Länderfinanzbericht leisten. Mehr Grundlage geht nicht! Bildungsbereiche Schulsozialarbeit Studium Wissenschaft Kita Weiterbildung Berufliche Bildung Schule Bildungsfinanzierung Artikel Thüringen news-15969 Tue, 12 Feb 2019 11:48:32 +0100 Streikrecht, Notdienst und was sonst noch wichtig ist https://www.gew-thueringen.de/tarif/faq-streikrecht-notdienst-uam/ Über die Rolle der Schulleiter*innen, wer streiken darf, den Wegfall der Verpflichtung zur Arbeitsleistung, warum der Beamteneinsatz rechtswidrig ist und vieles mehr. Schulsozialarbeit Wissenschaft Berufliche Bildung Schule Recht Tarif Artikel Thüringen news-15961 Mon, 11 Feb 2019 12:00:00 +0100 Mehr Geld gibt’s nicht geschenkt. Worum geht es für uns Beschäftigte? https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/mehr-geld-gibts-nicht-geschenkt-worum-geht-es-fuer-uns-beschaeftigte/ 2019 hat begonnen und es geht gleich richtig los. Die Tarifrunde im Länderbereich startete am 21. Januar. In drei Verhandlungsrunden wollen wir das Maximum aus unseren Forderungen herausholen. Anfang März 2019 setzen wir auf ein ordentliches Verhandlungsergebnis. Schulsozialarbeit Wissenschaft Berufliche Bildung Schule Tarif TV-L Artikel Thüringen news-15963 Mon, 11 Feb 2019 12:00:00 +0100 Kalte Füße, heißer Kaffee und eine wärmende Gewerkschaft https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kalte-fuesse-heisser-kaffee-und-eine-waermende-gewerkschaft/ Die frühen Flocken geben uns eine Ahnung davon, was uns wieder im winterkalten ersten Viertel des Jahres erwarten wird: Der raue Schneewind der - bei den anstehenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder - blockierenden Arbeitgeber wird uns argumentativ ins Gesicht wehen. Wie können wir denn nur solche überhöhten Forderungen stellen? Schulsozialarbeit Wissenschaft Berufliche Bildung Schule Tarif TV-L Artikel Thüringen news-15958 Mon, 11 Feb 2019 11:00:00 +0100 Kundgebung der TV-L-Beschäftigten + Erfolg bei Kindheitspädagog*innen https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kundgebung-der-tv-l-beschaeftigten-erfolg-bei-kindheitspaedagoginnen/ BILDUNG IN THÜRINGEN vom 07.02.2019 mit diesen Themen: Eindrücke von der Kundgebung der Beschäftigten des öffentlichen Dienst des Landes Thüringen + Hintergründe des Erfolgs bei den Kindheitspädagog*innen + Ferienangebote der Erfurter Museen, . Moderator im Studio ist Richard Schaefer. Bildungsbereiche Schulsozialarbeit Kita Berufliche Bildung Schule Gute Arbeit Tarif TV-L Artikel Thüringen news-15959 Fri, 01 Feb 2019 20:00:00 +0100 Bilderstrecke von der Kundgebung am 7.2. vor der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bilderstrecke-von-der-kundgebung-am-72-vor-der-thueringer-staatskanzlei-in-erfurt/ Circa 250 Beschäftigte waren dem Aufruf der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes gefolgt und zeigten den politisch Verantwortlichen, um was es den Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder in dieser Tarifrunde geht. Schulsozialarbeit Wissenschaft Berufliche Bildung Schule Tarif TV-L Beamte Artikel Thüringen news-15885 Fri, 01 Feb 2019 11:00:00 +0100 „Es war ein schleichender Tod ...“ https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/es-war-ein-schleichender-tod/ Manchmal reicht der Blick über die Landesgrenze in ein Bundesland mit ähnlicher Struktur, um zu erkennen, was bei Veränderungsschritten sinnvoll, machbar oder eben auch nicht erstrebenswert ist. Denn auch beim Thema Schulgrößen, Schulschließungen und Schulkooperationen muss das Bildungsministerium das Fahrrad eben nicht immer neu erfinden. Wir sprachen mit Eva Gerth, Landesvorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt über die dortigen Erfahrungen.
  • Welche Entwicklungslinien gibt es beim Thema Schulgrößen in eurem Bundesland? Welche Unterschiede zwischen den Schularten gibt es dabei?
  • Sachsen-Anhalt betreibt seit Jahren eine relativ restriktive Schulentwicklungsplanung. So werden neben den Regelungen, die explizit im Schulgesetz stehen, auch Verordnungsermächtigungen für das Bildungsministerium erteilt, wie die Verordnung zur Schulentwicklungsplanung auszusehen hat und welche Mindestjahrgangstärke für die einzelnen Schulformen vorzusehen ist.

    So muss zum Beispiel eine Grundschule mindestens einzügig sein, die durchschnittliche Jahrgangsstärke beträgt 15 Schüler*innen (in den Städten Halle, Magdeburg und Dessau 20) und in den Eingangsklassen müssen mindestens 15 Schüler*innen sein (in den Städten 20). Sekundarschulen laufen mindestens zweizügig mit durchschnittlich 40 Schüler*innen im Jahrgang. In den Eingangsklassen müssen 40 Schüler*innen beginnen, sonst werden diese einer anderen Schule zugewiesen.

    So gibt es Regelungen für jede Schulform und auch einige Ausnahmetatbestände. Seit der Schulgesetzänderung im Sommer 2018 darf es Grundschulverbünde außerhalb der festgelegten Mittel- und Oberzentren geben. Folgenden Bedingungen gelten: Der Bestand der Grundschule muss gefährdet sein, es müssen jedoch noch immer 40 Schüler*innen da sein. Dann kann sich die gefährdete Grundschule mit einem größeren „sicheren“ Standort zusammenschließen und deren Teilstandort werden. Grundschule und Teilstandort gelten dann als eine Schule.

    • Welche Diskussionen gab es dabei und haben sich die geäußerten Kritikpunkte der GEW, falls vorhanden, bewahrheitet?

    Die GEW Sachsen-Anhalt hat sich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit dem Thema Schulentwicklungsplanung beschäftigt. Wie in allen neuen Bundesländern gab es massenhaft Schulschließungen mit vielen Diskussionen und Protesten. Der Kampf um die Standorte war und ist immer mit vielen Emotionen verbunden, die neuen Schulen müssen sich finden, für Schüler*innen und Lehrkräfte ergeben sich viele zusätzliche Belastungen. Die GEW war an vielen dieser Kämpfe unmittelbar beteiligt, sei es durch Betroffenheit in unseren Kreisverbänden als auch durch Diskussionen bei Anhörungen oder im damaligen Bildungskonvent. 

    Gewarnt haben wir u.a. davor, dass die Anzahl der Schüler*innen in Eingangsklassen festgezurrt wurden. Damit fehlten Schulen, die an sich nicht gefährdet waren, ganze Jahrgänge. Es war ein schleichender Tod, nur aufgrund einer Verordnung des Bildungsministeriums, die den kommunalen Schulträgern kaum eine Handlungsmöglichkeit ließ. Im Prinzip war das Schulentwicklungsplanung an den kommunalen Planungsträgern vorbei. Bei Schulverbünden kritisieren wir, dass es auf jeden Fall größere Belastungen für die Lehrkräfte und Schulleitungen gibt. Lehrkräfte werden zwischen den beiden Standorten wechseln müssen, Schulleitungen bekommen eine größere Schule, zusätzliche Anrechnungen erhalten sie nicht. Im Gegenteil, der bisherige Sockel bei der Stundenzuweisung des Teilstandortes fällt weg. Außerdem kommt eine solche Regelung für Sachsen-Anhalt zu spät. Die Schulschließungen sind in den vergangenen Jahren erfolgt. Es wird jetzt möglicherweise etwa 10 Schulverbünde geben, zu wenige dafür, dass diese Schulgesetzänderung mit großem Tamtam gefeiert wurde.

    • In Thüringen soll es demnächst Mindestschulgrößen geben und zu kleine Schulen miteinander kooperieren, um weiter zu bestehen. Welche Fehler sollten wir hier in Thüringen keinesfalls machen und welche Dinge unbedingt?

    Festlegungen zu Schulgröße und Mindestschülerzahlen haben vor allem den Effekt, dass größere Schulen entstehen, die weniger Lehrkräfte benötigen, u.a. weil die Klassen größer sein können. Das ist natürlich im Interesse des Bildungsministeriums, bringt dort Planungssicherheit. Das ist zumindest in Zeiten des Lehrkräftemangels ein bedenkenswerter Aspekt.

    Trotzdem sollten alle Belastungssituationen, die für Lehrkräfte aber auch für Schüler*innen und Eltern durch Schulschließungen entstehen, in den Blick genommen werden. Das kann man aus meiner Sicht am besten vor Ort. Insofern braucht es ein gutes System von (wenigen) Vorgaben aus dem Bildungsministerium und Regelungen, die nur von Kommunen und Landkreisen in Zusammenarbeit mit den Beteiligten aus den Schulen selbst getroffen werden können. Die derzeitigen Bildungslandschaften sollten nicht zerstört werden.

    Ein wichtiger Aspekt ist auch die Schülerbeförderung, die bei der Diskussion um die Finanzierung auf jeden Fall einzubeziehen ist. Hier im Land gibt es Schüler*innen, die fahren täglich bis zu zwei Stunden und müssen dabei noch zweimal umsteigen. 

    In Sachsen-Anhalt haben wir die Erfahrungen gemacht, dass oft auf die Schließung einer staatlichen Schule die Eröffnung einer privaten Schule folgte. Wir liegen derzeit bei fast 10 Prozent freien Schulen. Nun gehören auch die zu den Bildungslandschaften, keine Frage. Aber auch sie müssen finanziert werden, zum großen Teil durch staatliche Zuschüsse. Oft ist hier der Lehrkräftemangel größer, die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen unserer Kolleginnen und Kollegen dort nicht unbedingt besser.

    Eine Erfahrung mit der Schulentwicklungsplanung bei uns ist auf jeden Fall sehr erfreulich. Inzwischen werden, meist in den Städten, ehemals geschlossenen Schulen wieder eröffnet oder Schulen sogar neugebaut. Die Ursachen liegen in der Zuwanderung und in steigenden Geburtenzahlen. Vor allem das spricht gegen Schnellschüsse bei der Schulentwicklungsplanung.

    • Vielen Dank.
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    news-15886 Fri, 01 Feb 2019 11:00:00 +0100 Jeden Tag bis 16.00 Uhr in der Schule? https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/jeden-tag-bis-1600-uhr-in-der-schule/ Weiterer Ausbau der Ganztagsschule (GTS) auch an weiterführenden Schulen geplant! Was steht im Gesetzentwurf und wie positioniert sich die GEW dazu?
  • Fragen und Vorbehalte
  • Ich bin mit verschiedenen Kolleg*innen, die bisher nicht an einer GTS arbeiten, aber auch mit Eltern zum Vorhaben des Ministeriums ins Gespräch gekommen. Die ersten Gedanken und Fragen zum Ausbau der GTS laut neuem Schulgesetz waren bei einigen:

    Heißt das jetzt, ich muss als Lehrer*in dann bis zum späten Nachmittag noch Unterricht, Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenbetreuung … anbieten? Wann soll ich dann noch meine Vorbereitungen machen? Wann kann ich mich dann um meine eigenen Kinder kümmern, gerade als Lehrer*in dachte ich, Beruf und Familie gut vereinbaren zu können. Und: Was ist mit den Schüler*innen, die am Nachmittag gar nicht in der Schule bleiben wollen, weil sie zu Hause essen wollen, privat zum Sportverein, in Musikschulen oder zur Nachhilfe gehen? Oder die in Ruhe zu Hause (mit Eltern) Hausaufgaben machen und lernen wollen?

    Schulleiter*innen überlegen: Woher soll ich das Personal, die Stunden nehmen? Die 10 Stunden für GTS reichen doch hinten und vorn nicht. Die derzeit möglichen Honorarverträge für Nicht-Lehrer sind neben dem bürokratischen Aufwand und vielen rechtlichen Stolpersteinen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Kolleg*innen, die zusätzlich zu ihrem vollem Unterricht nachmittags eine AG über die Schuljugendarbeit für z.B. 10,-Euro/Stunde anbieten, gibt es immer weniger, Kraft und Zeit reichen nicht. Auch fanden sich teilweise nicht genug oder dauerhaft interessierte Schüler*innen.

    Andere Kolleg*innen und insbesondere Eltern dachten in eine andere Richtung: Ja, in Klasse 5 und 6 wäre es schön, wenn die Schulen grundsätzlich eine Nachmittagsbetreuung anbieten würden, so eine Art Hort. Aber es dürfte dann nicht immer verpflichtend sein, damit die Kinder auch einem privaten Hobby nachgehen können. Eltern würden dann doch sicher an den Kosten für die Nachmittagsbetreuung
    beteiligt? Da würde man erst mal sehen, was dies kostet.

    • Ganztagsschule erhöht die Bildungschancen

    Aber auch für ältere Kinder könnte es ein Gewinn sein, wenn es vermehrt Bildung und Betreuung auch am Nachmittag geben würde. Die GEW fordert genau das, weil Ganztagsschulen die Bildungschancen besonders der Kinder und Jugendlichen verbessern, die aus einem bildungsfernen Elternhaus kommen. Deren Eltern sich keine private Nachhilfe, Mitgliedschaften in Vereinen leisten können oder wollen. Aber auch Schüler*innen, deren Eltern beruflich sehr eingespannt sind, die vielleicht auch keine Betreuung durch Großeltern absichern können, würden davon profitieren. Die Eltern können ihrer Arbeit beruhigter nachgehen, müssen sich und ihren Kindern keinen abendlichen Stress wegen der Hausaufgabenerledigung und dem Lernen machen und haben so tatsächlich mehr Zeit für ihre Kinder.

    • Definition von Ganztagsschulen und Freiwilligkeit

    Die Gedanken der Eltern und Kollegen sind sehr differenziert und aus dem jeweiligen Blickwinkel haben meines Erachtens alle Argumente ihre Berechtigung. Und es gibt sicher noch mehr für und gegen den „ganzen Tag“ in der Schule. Es wird aber auch deutlich, dass oft unklar ist, was sich hinter dem Begriff „Ganztagsschule“ verbirgt und was der Unterschied zwischen offener, teilgebundener und gebundener GTS ist. Deshalb ist es gut, dass im neuen Schulgesetzein Paragraph zur GTS aufgenommen werden soll, in dem die Angebote konkret beschrieben werden (Begriffsklärung) sowie die rechtlichen Voraussetzungen, unter denen vor Ort ein jeweiliges Angebot vom Schulträger eingerichtet werden kann.

    Kann, aber nicht muss: Ziel beim Ausbau von Ganztagsschulen ist nicht die verpflichtende Einrichtung einer GTS an allen Schulen! Eine GTS wird bei personellen und sächlichen Voraussetzungen der Schule, den Bedürfnissen der Schüler*innen und dem Wunsch der Eltern ermöglicht. Für Eltern, die keine GTS mit verpflichtender Teilnahme an den Angeboten für ihr Kind wünschen, sollen regional alternative Schulangebote vorgehalten werden, die möglicherweise höheren Beförderungskosten gehen zu Lasten der Träger der Schülerbeförderung. Damit sind einige der oben genannten Befürchtungen unnötig.

    Wie werden Ganztagsschulen und deren verschiedenen Formen im neuen Schulgesetz definiert? Im neuen § 10 „Ganztagsschule, Außer-unterrichtliche Angebote“ finden wir dazu im Abs. (1):

    „Ganztagsschulen verbinden auf der Grundlage eines Ganztagsschulkonzeptes Bildung, Betreuung und Förderung zu einer pädagogischen und organisatorischen Einheit, sie können offen, teilgebunden oder gebunden geführt werden.“

    Näher erläutert wird im Abs. (6) , dass eine offene GTS freiwillige Teilnahme an den Angeboten bedeutet, eine teilgebundene Form eine Teilnahmeverpflichtung für ein Schuljahr und die gebundene Form eine generelle Verpflichtung der Teilnahme an den Ganztagsangeboten. Auch diese Aussagen machen einige Bedenken gegenstandslos. Für verschiedene Bedürfnisse und unterschiedliche Vorstellungen vom Umfang der Betreuung gibt es Möglichkeiten.

    • Was bleibt, was ist außer der Begriffsklärung neu in das Schulgesetz aufgenommen worden?

    Für die Schüler*innen der Primarstufe (Grundschule oder Gemeinschaftsschule) besteht in Thüringen laut Gesetzentwurf § 10 Abs. (2) weiterhin von Montag bis Freitag der Anspruch auf Bildung, Betreuung
    und Förderung von 10 Stunden unter Anrechnung der Unterrichtszeit. Der Besuch dieser Schulhorte ist freiwillig und entspricht damit einer „offenen Ganztagsschule“, die Grundschulen in Thüringen bisher auch waren, aber durch den Begriff „Hort“ nicht als solche wahrgenommen wurden. Mit der Novellierung des Gesetzes soll der Begriff „Ganztagsschule“ geschärft werden.

    Für Schüler*innen, die das Ganztagsangebot einer Schule in gebundener Form, also mit verpflichtender Teilnahme an den Ganztagsangeboten, wahrnehmen, gilt dieser Anspruch mit dem Besuch der Schule als erfüllt. Die Eltern werden in diesem Fall finanziell entlastet, in der Höhe, wie sie bisher für den freiwilligen Hortbesuch belastet waren. 

    Weiterführende Schulen können laut Abs. (4) ebenfalls als offene Ganztagsschulen geführt werden. Bisher wurde die Möglichkeit des Ganztagsangebotes auf die Klassenstufen 5 und 6 beschränkt. Neu ist im Abs. (4) aufgeführt, dass der Schulförderverein Angebote im schulischen Leben unterstützen kann.

    Möchte eine Schule verpflichtende Angebote einführen, sind folgende Aussagen im Gesetzentwurf § 10 Abs. (5) zu den rechtlichen Voraussetzungen zu beachten:

    „Schulen können auf Antrag des Schulträgers nach Zustimmung der Schulkonferenz bei Bedarf als Ganztagsschulen in teilgebundener oder gebundener Form geführt werden, soweit die organisatorischen, personellen und sächlichen Voraussetzungen vorliegen. Über den Antrag entscheidet das für das Schulwesen zuständige Ministerium. Dem Antrag ist ein geeignetes Ganztagsschulkonzept der Schule beizufügen, das auch den Bedarf der Einrichtung als Ganztagsschule begründet.“

    Hier wird deutlich, dass Wert auf Qualität der Ganztagsbetreuung gelegt wird. Ohne ausreichend qualifiziertes Personal, Räume, Material … ist gute Bildung, Förderung und Betreuung nicht möglich. Die Eltern wollen ihre Kinder in guten Händen wissen, erwarten berechtigt für eine eventuell notwendige Beteiligung an den Kosten für außerunterrichtliche Angebote auch ein angemessenes Niveau.

    • Fazit: Zustimmung der GEW zur Ganztagsschule, aber …

    Es wird auch künftig keine Verpflichtung geben, aber dort, wo die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind und die Kolleg*innen, Eltern und der Schulträger dies wünschen, kann eine GTS in einer mehr oder weniger verpflichtenden Form geschaffen werden. Die Eltern können dann die individuellen Vorstellungen mit dem Schulkonzept abgleichen und die geeignete Schule auswählen. Aus Sicht der GEW kann dem Gesetzentwurf in den Teilen zur Ganztagsschule zugestimmt werden. 

    Nur reicht allein die gute Absicht nicht! Wenn bei teilgebundener und gebundener Form das Ministerium über einen Antrag zu entscheiden hat, wird es für manches Vorhaben schwierig. Das Ministerium entscheidet unter Ressourcenvorbehalt, eine zahlenmäßige Festlegung soll es nicht geben. Fest steht, für den zusätzlichen Personalbedarf steigen die Kosten für das Land. Wenn das Finanzministerium ein Budget dafür vorhalten würde, stellt sich die Frage: Woher soll das qualifizierte Personal kommen? An den Grundschulen werden schon jetzt immer mehr Erzieher*innen ohne entsprechende Ausbildung eingestellt, jeder „Kopf“ zählt. Nach wie vor sind der geringe Beschäftigungsumfang, der geteilte Dienst und ein Gehalt unter denen der kommunalen Kindergärten kein Zeichen von Gewinnungsinteresse. Anrechnungsstunden für Absprachen, Vor- und Nachbereitung sowie für Unterstützung nicht ausgebildeter Erzieher*innen sind notwendig. Unterricht und Hort dürfen nicht nebeneinander geplant werden, wenn beides tatsächlich eine organisatorische Einheit bilden soll.

    Kinder, die Förderung benötigen, müssen auch am Nachmittag gebildet und betreut werden, welche Kolleg*innen mit welchen Ausbildungen sollen dies leisten? Inklusion kann man nicht halb machen! Genauso problematisch wie an Grundschulen sieht die Personalsituation an weiterführenden Schulen, insbesondere an den Regelschulen, aus. Um entsprechende Angebote nachmittags anbieten zu können, sind mehr Geld, mehr Stunden und mehr Personal notwendig. Wir brauchen in Thüringen dringend weitere Maßnahmen, um junge Menschen für den Beruf des Lehrers zu gewinnen und in ausreichender Anzahl auszubilden! Die Kollegien brauchen junge Menschen, die die umfangreiche Schulentwicklung zu Ganztagsschulen mittragen wollen und können und in Angriff nehmen.

    Solange die personellen und sächlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind und oft der Unterricht noch nicht einmal abgedeckt werden kann, wird der Ausbau von Ganztagsschulen mit den gesellschaftlichen Erfordernissen nicht mitgehen. Auswirkungen einer solchen Finanz- und Bildungspolitik werden die ganze Gesellschaft in der Zukunft belasten. Und das wird noch teurer.

    Deshalb richtet sich die Hauptforderung der GEW an das Finanzministerium: 

    Bildung. Weiter denken! Mehr Geld für die Thüringer Bildung!

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    news-15894 Fri, 01 Feb 2019 11:00:00 +0100 Ist das Sprengelmodell eine echte Alternative? https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ist-das-sprengelmodell-eine-echte-alternative/ Schon seit CDU-Zeiten im Bildungsministerium wurde und wird immer wieder in südliche deutschsprachige Regionen geschaut, was dort an Ideen für die Umgestaltung der Thüringer Bildungslandschaft zu finden ist, sei es für das Thema Inklusion oder Kooperationsmodelle für kleine Schulen. Das wollte ich mir selbst anschauen und bin mit einer kleinen GEW-Gruppe von Schulaufsichtler*innen nach Bozen und Brixen in Südtirol im Oktober 2018 unterwegs gewesen. Hier mein Bericht: Wir besuchten mehrere Schulen und sprachen mit Schulleiter*innen und auch der Referatsleiterin Veronika Pfeifer im Deutschen Schulamt in Bozen, um uns die Vielfältigkeit der Südtiroler Schularten erklären zu lassen. Erstaunlich sind u.a. solche Fakten, dass es 44 Internate gibt, wo Kinder und Jugendlichen zeitweise leben und lernen, egal ob die Eltern wohlhabend sind oder nicht. Die Eltern, oft im Gastronomiebereich arbeitend, können beispielsweise im Kloster Neustift ihre Jungen im pubertierenden Alter zwischen 12-15 Jahren für die Arbeitswoche mit gutem Gewissen unterbringen. Der Staat übernimmt diese Kosten von 420 Euro bei Beantragung, was für die Hälfte der Schüler zutrifft.

    • Elternwille steht an erster Stelle

    Auch interessant fand ich, dass sich jedes Kind seine Schule aussuchen darf, egal wo. Aber nach zwei Fehlversuchen in einer Klassenstufe muss ein neuer Schulzweig belegt werden bzw. eine andere Schulart gesucht werden. Spätestens mit 23 Jahren sollte jeder Schüler mit einem Abschluss die Schule verlassen. Der Elternwille steht an erster Stelle - so auch generell bei Kindern im Grundschulbereich. Das Land Südtirol versucht, in jedem Dorf einen Kindergarten und eine Schule unter staatlicher Aufsicht des Bildungsschulamtes vorzuhalten. Diese werden, wenn nötig, über das Sprengelmodell von einer Direktorin geleitet, die nur verwaltungsmäßig tätig ist. Mindestanzahl für eine Grundschule bis einschließlich Klasse 5 sind acht Schüler, wo zwei Lehrer*innen unterrichten. Bei kurzzeitigen Fehlzeiten bis sechs Wochen werden die „Reserven“ aus der eigenen Umgebung gesucht, erst dann kommt es zu Umsetzungen von Lehrer*innen aus anderen Grundschulen des Sprengels.

    Der Verdienst unser Kolleg*innen ist nicht besonders gut, gerade einmal um die 2000 Euro im Monat netto. Auch gibt es nicht wenige Seiten- und Quereinsteiger *innen, denen aber gerade für Kinder und Jugendliche mit Handicap Zusatzausbildungen angeboten werden, die dann auch gehalts- und stundenrelevant sind.

    • Warum hat Südtirol neben den kleinen Grundschulen keine eigenständigen Förderschulen?

    Die einfach klingende Antwort lautet: Die Familien in den Tälern sind die wirtschaftliche Grundlage für den Erfolg des Landes. Wenn man die Familien in den landwirtschaftlich orientierten Betrieben halten will und die weit auseinander liegenden Dörfer und Täler nicht aussterben sollen, müssen die Bedingungen geschaffen werden. Deswegen werden insbesondere den Kindern mit körperlichen und geistigen Behinderungen gut ausgebildete Pflegepersonen zur Seite gestellt, die zur Entlastung der Familien täglich bis in den Nachmittag in den allgemeinbildenden Schulen tätig sind.

    Ich fand diese selbstverständlich stattfindende Inklusionsumsetzung grandios, habe aber auch erfahren, dass die Kinder mit emotionalen Störungen zunehmen und dieses Problem neu angegangen werden muss. Aber es geht in dieser italienischen Provinz generell mehr um die Kinder und ihre Familien als in unserem eigenen Land.

    • Der Blick nach Thüringen

    Kooperationsmodelle vorzuhalten ist eine mögliche Variante, um bewusst kleine Grund- und Regelschulen in Thüringen zu erhalten. Dabei spielen neben dem Elternwillen auch die Kommunen eine entscheidende Rolle. Beide sollten wissen, dass Jahrgangsmischungen normal sein könnten und dass es nicht nur Vorteile bringt, die Schule im Ort vorzuhalten. Wenn Lehrer*innen und Erzieher*innen zwischen den Standorten wechseln sollen, sind vernünftige Regelungen zu treffen. Die Anrechnung von Fahrzeiten und des Mehraufwands sollten normal sein.

    Prinzipiell gilt: Bei allen möglichen Varianten der Schulstrukturen in Thüringen sind Vor- und Nachteile offen zu diskutieren und Freiwilligkeit geht vor Anordnung.

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    news-15895 Fri, 01 Feb 2019 11:00:00 +0100 Ressourcensteuerung und Sozialindex: Ungleiches ungleich behandeln https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ressourcensteuerung-und-sozialindex-ungleiches-ungleich-behandeln/ Eine Nachbetrachtung zur GEW-Tagung „Ressourcensteuerung im Kontext von Inklusion und Sozialer Ungleichheit“ am 21.11.2018 in Frankfurt/M. und was das mit dem Thüringer Schulgesetz zu tun hat. Die von vielen erlebten schlechten Lern- und Arbeitsbedingungen sind keine direkte Folge der Inklusionsanstrengungen. Sie sind vielmehr durch eine chronische Unterfinanzierung verursacht, die es verhindert, Ressourcen so zu steuern, dass sie beim Kind und bei der professionellen Begleitung ankommen. Vor diesem Hintergrund scheinen mir die Überlegungen einer anderen Ressourcensteuerung interessant zu sein.

    • Was ist das Problem?

    Die Bedingungen an Schule haben sich insgesamt verschlechtert. Das liegt einerseits an einer kurzsichtigen Personalpolitik, die Nachwuchsmangel und Unterrichtsausfall produziert und die Belastungen für das vorhandene Personal stetig weiter an die ertragbare Grenze verschiebt. Zum anderen haben die Herausforderungen zugenommen: die Zahl von Armut betroffener Kinder und Jugendlicher steigt, ebenso die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund, ohne das Schulen über Konzepte verfügen, mit diesen Phänomenen umzugehen. Die Erfahrungen einer sich verändernden Kindheit durch stärkeren Medienkonsum, weniger Bewegung und immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen führen Pädagog*innen auch an die Grenzen individueller Lösungsansätze im Schulalltag.

    Seitdem sich Schulen zu inklusiven Schulen entwickeln, hat sich die Zahl der begutachteten und diagnostizierten Kinder nicht etwa verringert. Im Gegenteil: Während sie an den noch existierenden Förderschulen nahezu gleich bleibt, steigt sie an den allgemeinbildenden Schulen. Wenn man davon ausgeht, dass sich zwar Lebensumstände ändern, aber damit nicht automatisch die Zahl der sonderpädagogischen Förderbedarfe steigen dürfte, kann es nur eine Schlussfolgerung geben: Schulen diagnostizieren mehr Bedarfe, um überhaupt an wahrnehmbare zusätzliche Ressourcen zu gelangen. Aus meiner Sicht ein fatales Signal.

    • Was könnte in diesem Dilemma helfen?

    Das Stichwort heißt Sozialindex (siehe Infokasten). Prof. Dr. Horst Weishaupt begründet dies so:

    „Bildungschancen sind nicht nur an individuelle Lebenslagen gebunden, sondern auch an regionale Gelegenheitsstrukturen. Angesichts der starken räumlichen Segregation der sozialen Gruppen kommt es zu einer kumulativen räumlich-sozialen Benachteiligung im Bildungsprozess, beginnend bereits im Vorschulalter. Diese setzt sich beim Übergang von der Pflichtschulzeit in die Berufsausbildung oder dem weiteren Schulbesuch in der Sekundarstufe II fort. Dazu trägt häufig noch eine oft schlechtere Personalausstattung der sozial belasteten Kindertagesstätten und Schulen bei.“

    Weishaupt sagt auch, dass sozial belastete Kindergärten und Schulen mindestens ein Drittel mehr an Personal brauchen als sozial nicht belastete Einrichtungen. Die sozialindizierte Personalzuweisung wäre ein wichtiger Baustein für eine grundsätzlich veränderte Bildungspolitik, die aktiv chancenausgleichend wirkt, inklusiv ist und damit neben sonderpädagischen Förderbedarf auch die Förderung sozial benachteiligter Kinder ermöglicht.

    Die Realität, und daran wird auch das novellierte Schulgesetz zunächst nichts ändern, sieht aber anders aus. Die Höhe der Ressourcenzuweisung ist eher ein Aushandlungsergebnis zwischen Bildungs- und Finanzministerium als das Ergebnis wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Ressourcen werden zu häufig mit der Gießkanne auf alle Schulen verteilt, ohne Rücksicht auf die besonderen Bedarfe der Schule und der Lernenden. So ist in der Novelle zu begrüßen, dass bei Klassenbildung an allgemeinbildenden Schulen Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, mit Migrationshintergrund und Förderbedarf zum Erwerb der deutschen Sprache doppelt gezählt werden können. Wenn die Kappungsgrenze dieser Anrechnung jedoch bei zwei Kindern pro Klasse liegt, werden diese Regelungen all jenen Schulen nicht gerecht, die aufgrund ihrer regionalen Lage überproportional ebensolche Kinder aufnehmen (müssen). Und dass die Doppelzählung in der Schuleingangsphase für den Förderschwerpunkt Lernen nicht greift, ist Wasser auf die Mühlen jener, die im Gemeinsamen Unterricht und Inklusiver Schule immer noch die Schaffung der Einheitsschule sehen wollen. Da in der Schuleingangsphase keine Gutachten geschrieben werden, läuft diese sinnvolle Regelung gerade an Grundschulen leer, die in der Lage sein sollen, beste Startbedingungen für das Lernen aller Kinder bereitzustellen.

    • „Ungleiches ungleich behandeln“

    So heißt der Titel der im Auftrag der GEW Nordrhein-Westfalen entstandenen Studie von Prof. Dr. Gabriele Bellenberg. Ein nicht unumstrittener Titel, der aber eines deutlich macht: Wer Verteilungsgerechtigkeit will, wer die Lernmöglichkeiten und Entwicklungschancen aller im Blick haben will, wer gute Arbeitsbedingungen für alle Pädagog*innen schaffen will, muss sich auch dazu bekennen, dass unterschiedliche Herausforderungen unterschiedliche Maßnahmen benötigen. Diese Diskussion wurde aus meiner Sicht im Zusammenhang mit der Novellierung des Thüringer Schulgesetzes noch nicht ausreichend geführt. Aber es würde sich lohnen.

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    Schulsozialarbeit Berufliche Bildung Schule GEW Bildungssystem Artikel Thüringen
    news-15836 Fri, 01 Feb 2019 10:00:00 +0100 tz - thüringer zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW - vom Februar 2019 https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/tz-thueringer-zeitschrift-der-bildungsgewerkschaft-gew-vom-februar-2019/ Mit dem Schwerpunkt: Das Thüringer Schulgesetz wird geändert. Was Ihr dazu wissen solltet! Bildungsbereiche Schulsozialarbeit Studium Wissenschaft Kita Weiterbildung Berufliche Bildung Schule Artikel Thüringen news-15838 Fri, 01 Feb 2019 10:00:00 +0100 Warum und wie das Thüringer Schulgesetz geändert werden soll https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/warum-und-wie-das-thueringer-schulgesetz-geaendert-werden-soll/ Das Thüringer Schulgesetz (ThürSchulG) ist die rechtliche Arbeitsgrundlage für alle im Freistaat arbeitenden Lehrer*innen, es regelt die Organisation der Thüringer Schullandschaft und steckt damit den Rahmen der täglichen Arbeit an Schulen in Thüringen ab. Gegenwärtig wird es geändert - also novelliert. Doch warum ist das überhaupt notwendig und welche Veränderungen soll es geben? Zur Binnenstrukturierung ist das Gesetz in elf Abschnitte unterteilt, die die inhaltliche Orientierung innerhalb des Gesetzes erleichtern. So legt es fest, welche Schularten existieren. Dies betrifft den allgemeinbildenden Schulzweig, wie auch die berufsbildenden Schulen. Des Weiteren sind im ThürSchulG die Aufgaben, Rechte und Pflichten der an der Bildung beteiligten Parteien festgeschrieben. Dazu gehört zum Beispiel die Schulpflicht der Schüler*innen wie auch deren Mitbestimmungsrechte. 

    Im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag von 2014 wurde zwischen den drei Regierungsfraktionen (Linke, SPD, Bündnis 90/Grüne) festgeschrieben, das Thüringer Schulgesetz zu überarbeiten und entsprechend zu ändern. Kernfragen hierbei sind 

    • die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (Stichwort Inklusion),
    • der Umgang mit den demographischen Veränderungen im Freistaat und der damit verbundenen Versorgung des ländlichen Raums mit Bildungsangeboten,
    • die Fortschreibung des längeren gemeinsamen Lernens (Thüringer Gemeinschaftsschule) und 
    • der Umgang mit den zur Verfügung stehenden pädagogischen Fachkräften.

    Die Novelle des Schulgesetzes dient weiterhin dazu, die in den letzten Jahren entwickelten Praxen rechtlich zu fassen und auf Dauer festzuschreiben. Dazu gehört zum Beispiel der Gemeinsame Unterricht
    (GU). Auch die Tatsache, dass Thüringen aktuell und wohl auch zukünftig mit Migration umgehen muss (und will), wird im Änderungsentwurf berücksichtigt.

    Die wichtigsten Änderungen im Überblick

    1. Änderungen gibt es beim Komplex Thüringer Gemeinschaftsschule (TGS). So müssen Thüringer Gemeinschaftsschulen immer Konzeptschulen sein. Festgeschrieben wird ebenfalls, dass eine Gemeinschaftsschule auch ab Jahrgang 5 beginnen kann, wenn eine entsprechende kooperierende Grundschule im Konzept genannt ist. Selbige Regelung gilt auch für den Bereich der  Oberstufe. Hierzu muss eine entsprechende Gesamtschule oder ein Gymnasium im Konzept verankert werden. Im Entwurf wird vorgesehen, dass auch Förderschulen in Thüringer Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden können. 
      Neu ist auch eine Frist von sechs Monaten, in denen der Schulträger über einen Antrag um Wandelung in eine TGS entscheiden muss (§ 13). Diese Regelung ist nötig, da bisher Schulträger einen solchen Antrag auch liegen lassen konnten. Stimmen die Entscheidung des Schulträgers und der Wunsch der antragstellenden Schule nicht überein, soll das Schulamt auf eine Einigung hinwirken. In letzter Instanz ist das zuständige Ministerium ausschlaggebend.
    2. Ein anderer Aspekt der Änderungen bezieht sich auf Versetzungen. Neu ist, dass eine Versetzung von Schüler*innen an Gymnasien in die Klasse 10 gleichbedeutend mit dem Hauptschulabschluss ist. Mit der Versetzung in die Klasse 11 ist der Erwerb der Mittleren Reife verbunden und nicht, wie bisher, ein mit dieser vergleichbarer Abschluss.
    3. Im hinzugefügten § 7a werden Förderschulen geregelt. Im § 10 wird eine wichtige Weichenstellung vollzogen. Ursprünglich war der Paragraph mit „Horte und Internate“ überschrieben. Hier wird nun der Begriff Ganztagsschule etabliert. Dahinter steht der Wille, die Horte als Teil der Schule zu verstehen und zu einer Ganztagsschule weiterzuentwickeln. Die GEW Thüringen verfolgt dabei das Ziel, auch jenseits der Primarstufe Ganztagsangebote zu implementieren.
    4. Die Schulstufen werden im Gesetz festgeschrieben. Dies sind neben der Primarstufe (Jahrgänge 1-4), die Sekundarstufen I und II. Diese Regelung ist perspektivisch in die Zukunft gedacht und kann damit Impulse für eine Reform der Lehrer*innenbildung liefern. 
    5. Die neuen Paragraphen 15a und 15b schreiben erstmals die Kriterien für das Auswahlverfahren zur Aufnahme an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen und eine zugehörige Rangfolge fest. Herauszuheben ist dabei das Kriterium Schulkonzept.
    6. Die Koalition hat sich das Ziel gesetzt, die Anzahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss zu reduzieren. In diesem Zusammenhang sind die Veränderungen in § 19 Abs. 2 zu lesen. Um einen Hauptschulabschluss zu erreichen, ist es möglich, auch nach Ablauf der Schulpflicht ein weiteres Jahr in der Schule zu lernen. Das geht auch dann, wenn ein junger Mensch bereits nach Ableistung der Schulpflicht, aber ohne den Hauptschulabschluss erreicht zu haben, seine Schullaufbahn unterbrochen hat. Die Vollzeitschulpflicht endet spätestens mit der Vollendung des 18. Lebensjahres.
    7. Hilfreich ist die Definition des Schulverhältnisses, dessen Begründung und auch die Möglichkeiten der Auflösung. So kann nun beispielsweise das Schulverhältnis in der Oberstufe beendet werden, wenn entsprechende unentschuldigte Fehltage vorliegen.
    8. Die Pflichten der Schulleitung gegenüber den Schüler*innenvertretungen werden im § 28 ergänzt. So muss die Schulleitung die Vertretungen über alle Rechte, sowie frühestmöglich über alle die Schüler*innenschaft betreffenden Angelegenheiten zu informieren. 
    9. Förderschullehrer*innen, die im Gemeinsamen Unterricht (GU ist nun im § 8a geregelt) an einer allgemeinbildenden Schule arbeiten, sind gleichberechtigte Mitglieder der Lehrerkonferenz. Gleiches gilt für sonderpädagogische Fachkräfte (SPF) an Förderschulen.
    10. In § 34 Abs. 4 werden sonderpädagogische Fachkräfte als Lehrkräfte festgeschrieben. Das ist für uns ein wesentlicher Durchbruch! Des Weiteren können Förderschullehrer*innen eigenständig Unterricht an allgemeinbildenden Schulen geben.
    11. Neu sind die Paragraphen 41 a bis e. In diesem werden unter anderem Mindestschulgrößen, Klassengrößen, die Berücksichtigung von Schüler*innen mit sonderpädagogischen Förderbedarf und Förderbedarf beim Erwerb der deutschen Sprache, Obergrenzen für Schulwege der Schüler*innen festgeschrieben sowie Möglichkeiten der Schulkooperationen dargestellt.

    Daneben gibt es weitere Reformansätze und Bestimmungen im Entwurf der Novelle.

    Zum Zeitablauf
    Ende Januar 2019 hat die GEW Thüringen ihre Stellungnahme zum Entwurf des veränderten Thüringer Schulgesetzes abgegeben. Diese findest Du demnächst hier. 

    Am 7. Februar werden wir im Thüringer Landtag dazu mündlich angehört. Nun gilt es abzuwarten, welche unserer Verbesserungs- und Veränderungsvorschläge
    Einzug in den neuerlichen Entwurf finden. Nach den Vorstellungen der rot-rot-grünen Koalition soll voraussichtlich im Mai, spätestens im Juni 2019 das Gesetz durch den Thüringer Landtag verabschiedet werden.

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    news-15839 Fri, 01 Feb 2019 10:00:00 +0100 Ein Gespenst geht um in Thüringen: Das Gespenst der Schulschließungen https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ein-gespenst-geht-um-in-thueringen-das-gespenst-der-schulschliessungen/ Liebe GEWerkschaftsmitglieder, als aufmerksamer Beobachter der regionalen und Landesmedien und als Grundschullehrer habe ich natürlich die sachliche (und oft auch weniger sachliche) Diskussion um die geplanten Größenvorgaben für Schulen und Klassen in der Novelle des Schulgesetzes verfolgt. Bevor ich hier nun der allgemeinen aufgeregten Diskussion auch meine Meinung hinzufüge, sollten wir uns die Vorschläge der Landesregierung erst mal kurz anschauen. § 41a Klassen- und Schulgrößen (entnommen dem Gesetzentwurf der Landesregierung Thüringer Gesetz zur Weiterentwicklung des Schulwesens)

    § 41a 
    Absatz
    Schulart Mindestschülerzahl
    gesamt Eingangsklassenstufe
    je Klasse
    weitere Klassenstufen
    je Klasse
    Gymnasiale Oberstufe
    (Einführungsphase)
    1 Grundschule 80 22 18 -
    2 Regelschule 240 24 20 -
    3 Gemeinschaftsschulen
    (Kl. 5-10)
    260 Kl. 1-4: 22
    Kl. 5-10: 24
    Kl. 1-4: 18
    Kl. 5-10: 20
    40
    4 integrative und kooperative Gesamtschule (Kl. 5-10) 400 24 20 60
    5 Gymnasien
    (außer Spezialgymnasien)
    540 26 22 60

    Nüchtern betrachtet erfüllen tatsächlich eine Reihe von Schulen in Thüringen derzeit diese Vorgaben nicht. Der Landkreistag spricht da zuletzt von 40 Prozent der Schulen. Nach einer Übergangszeit drohe diesen Schulen die Schließung. Aus diesem Grund fordert u.a. die neue Vizepräsidentin des Landkreistages, die SPD-Landrätin aus dem Kyffhäuserkreis Antje Hochwind, dass die festgelegten Größen für Schulen und Klassen unbedingt geändert werden müssten. Die im Gesetz vorgeschriebenen Mindestzahlen seien viel zu hoch angesetzt. Die Landkreistagspräsidentin Martina Schweinsburg, CDU-Landrätin aus dem Landkreis Greiz, ergänzte, dass die Landesregierung das Schulnetz an den Lehrermangel anpassen wolle. Tatsächlich müsse das Land aber für genügend Personal in den Schulen sorgen. (vgl. MDR-Meldung vom 19.12.2018)

    Nun gehört zur Wahrheit, das Thüringen massive Probleme hat, die Unterrichtsversorgung flächendeckend sicherzustellen. Auf die hausgemachten Ursachen und Versäumnisse vorhergehender Landesregierungen will ich jetzt nicht näher eingehen. Auch in den nächsten Jahren werden Pädagogen in Größenordnungen in den verdienten Ruhestand gehen, die aber durch dann auf dem Markt befindliche voll ausgebildete Pädagogen bei weitem nicht ersetzt werden können.

    Was kann man tun?

    • Variante 1: Wir lassen alles, wie es ist! Es werden keine Mindestgrößen festgeschrieben, alle (auch Kleinstschulen) bleiben erhalten und wir schreiten sehenden Auges in den personellen Super-GAU. Die Folgen für die Pädagog*innen, besonders an kleineren Schulen, wären weiter massiv steigende Belastungen durch noch mehr Abordnungen, Erteilung fachfremden Unterrichts, Mehrarbeit durch Vertretungsunterricht, Zusammenlegungen von Klassen usw. 
      Es sei denn, Frau Schweinsburg weiß, wo wir dann jährlich das benötigte Personal herbekommen.
    • Variante 2: Wir stellen mehr Pädagog*innen unbefristet ein. Nur unbefristete Beschäftigungen sind attraktiv und könnten in Teilen erfolgreich sein. Die GEW spricht dabei von 1800 Stellen im Rahmen eines Nachtragshaushaltes für 2019. Aber mal ehrlich: Wo sollen denn diese Pädagog*innen herkommen? Seiteneinsteiger*innen können eine gewisse Entlastung bringen, schaffen aber oft auch neue oder zusätzliche Probleme im Schulalltag, die dann wieder auf Kosten der Stammkräfte gehen.
    • Variante 3: Wir schaffen ein Schulnetz, das „ein differenziertes Unterrichtsangebot an allen Schulen gleichermaßen ermöglicht sowie einen zweckmäßigen und wirtschaftlichen Einsatz von personellen und sächlichen Mitteln erreicht“ (aus der Begründung der Landesregierung zur Novelle des Schulgesetzes). Aus diesen Gründen will die Landesregierung nun Mindestvorgaben einführen. Ja, in der Konsequenz müsste dann auch die eine oder andere Schule geschlossen werden. Angesichts des fortdauernden Unterangebotes von Neupädagog*innen auch in den nächsten Jahren halte ich das für unausweichlich.

    Nur so konsequent (oder sollte ich sagen: mutig) ist die Landesregierung dann auch wieder nicht. Sie flüchtet sich in die Idee, verschiedene Kooperationsmodelle zwischen Schulen zu ermöglichen.

    Aber liebe Landesregierung, mit den meisten Modellen wird man meiner Meinung nach nicht viel „zweckmäßiger und wirtschaftlicher“ das Personal einsetzen können als bisher, weil das doch jetzt schon passiert. Würden Schulen nicht im Rahmen von gegenseitigen Abordnungen von Personal sich untereinander helfen, gingen schon heute in vielen Fächern und Schulen die Lichter aus. Auch Personaleinsparungen wird man damit nicht erreichen. Es sei denn, es werden durch  Schulzusammenlegungen ein paar Schulleiter*innen frei. Auf diese warten aber schon viele derzeit unbesetzte Schulleiterstellen.

    Natürlich haben kleine Schulen besonders im ländlichen Raum Vorzüge für Schüler*innen, Beschäftigte und Gemeinden. Zur Realität gehört aber auch, dass auf die dort tätigen kleinen Pädagogenteams immer weiter steigende Belastungen durch die alltäglichen Schulaufgaben und -anforderungen zukommen. Und je kleiner die Teams, umso größer die Not bei weiterem Ausfall von Kolleg*innen allein schon durch Krankheit.

    Liebe Frau Schweinsburg, liebe Frau Hochwind, „in jedem Dorf eine Kuh und noch einen Melker dazu“, das funktioniert unter den personellen Bedingungen in den nächsten Jahren nicht (mehr). Das weiß jeder, der sich mit der Materie ehrlich und frei von Parteipolitik beschäftigt.

    Das haben andere Bundesländer bereits erkannt und sind ähnliche Wege in Ihren Schulgesetzen gegangen wie das Beispiel Sachsen-Anhalt zeigt. Also „sollten wir uns ehrlich machen“, wie unser Bildungsminister gern und oft sagt. Erkennen wir die Realitäten und Möglichkeiten für die nächsten Jahre an und gestalten ein Schulnetz, das Schulen mit stabilen Pädagogenteams in einer funktionsfähigen Größe schafft, die dadurch entlastet werden und so in der Perspektive kontinuierlich arbeiten können. So, wie es jetzt ist, gehen die Belastungen weiter einseitig auf Kosten der Beschäftigtengesundheit. Und das kann und darf die GEW nicht dulden!

    Für alle, die meinen Leserbrief mit Bestürzung, Wut oder Enttäuschung lesen, soll er ein Aufruf sein, sich jetzt in die Diskussion um das neue Schulgesetz mit Sachverstand und Realitätssinn einzubringen.

    Euer Kollege Andreas Heimann
    Grundschullehrer in Arnstadt

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    news-15821 Tue, 29 Jan 2019 09:58:36 +0100 Wie bewertet die GEW Thüringen Helmut Holters KMK-Präsidentschaft? https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wie-bewertet-die-gew-thueringen-helmut-holters-kmk-praesidentschaft/ Gute Noten für Ehrlichkeit beim Lehrer*innenmangel und Ideen zu schulstufenbezogener Lehrer*innenausbildung, ausbaufähig bei der Stärkung der Demokratiebildung in den Schulen. Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen:

    „Ein Jahr KMK-Präsidentschaft reicht nicht aus, um umfassende Reformen einzuleiten. Aus Sicht der GEW Thüringen hat Helmut Holter aber seine Chance genutzt, wichtige Themenschwerpunkte zu setzen. Die Politik kann nun nicht mehr behaupten, sie wüsste nicht um den zukünftigen Lehrerbedarf. Und sie ist aufgefordert, über neue Wege in der Lehrer*innenausbildung nachzudenken. In diese Impulse setzt die GEW Thüringen sehr große Hoffnung.“

    Im Einzelnen:

    • Positiv zu bewerten ist der offensive Umgang mit den veralteten und damit falschen Prognosen hinsichtlich der Entwicklung der Schüler*innenzahlen und damit des Lehrer*innenbedarfs. Hier hat Helmut Holter gegenüber vielen seiner Amtsvorgänger einen erfrischend ehrlichen Umgang in der Einräumung von Fehlern seitens der Politik gepflegt.
    • Vor dem Hintergrund des Lehrer*innenmangels hat Helmut Holter ein Umdenken in der Lehrer*innenausbildung angeregt. Statt einer schulartbezogenen Ausbildung solle es eine schulstufenbezogene Ausbildung geben, denn das würde den flexibleren Personaleinsatz an den Sekundarschulen ermöglichen. Die GEW Thüringen begrüßt diesen Vorstoß, denn schulstufenbezogen ausgebildete Lehrer*innen sind für den flächendeckenden Ausbau von Gemeinschaftsschulen sinnvoll und notwendig - mehr Bildungsgerechtigkeit kann dadurch erreicht werden.
    • Helmut Holter hat als Präsident der KMK das Thema Demokratiebildung an Schulen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das ist zum einen zu begrüßen („demokratische Schul- und Unterrichtsentwicklung als Querschnittsaufgabe“), zum anderen jedoch ist kritisch zu hinterfragen, warum der selbst gewählte Anspruch („Schülerinnen und Schüler sollen so früh wie möglich an die Grundprinzipien unserer demokratischen Staats- und Gesellschaftsordnung herangeführt und mit ihnen vertraut gemacht werden.“) in Thüringen nicht umgesetzt wird. Hier fristet das Schulfach Sozialkunde, in dem primär Demokratie erlernt und eingeübt werden sollte und wofür es viel Zeit benötigt, weiterhin ein Nischendasein (In den Regelschulen erst ab Klasse 8, in den Gymnasien erst ab Klasse 9 unterrichtet, und das jeweils mit nur einer Wochenstunde). Als Bildungsminister hätte er hier mit gutem Beispiel vorangehen können und müssen – denn gesellschaftspolitische Fragen und Demokratieinteresse haben Schulkinder ab Klasse 1.
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    Schulsozialarbeit Berufliche Bildung Schule Bildungssystem Artikel Thüringen
    news-15813 Mon, 28 Jan 2019 11:00:00 +0100 Wärst du doch dabei gewesen! https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/waerst-du-doch-dabei-gewesen/ Das Referat allgemein- und berufsbildende Schulen - oder sagen wir doch einfach: RefallgubbS - traf sich am Donnerstag, dem 24.1.2019, in der Landesgeschäftsstelle zur ersten gemeinsamen Beratung über seine zukünftigen Struktur und Arbeitsweise. Schule GEW Artikel Schulhorte Gymnasium Gemeinschaftsschule Regelschule Grundschule Thüringen news-15794 Thu, 24 Jan 2019 11:00:00 +0100 Öffentliche Anhörung wird durchgeführt! https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/oeffentliche-anhoerung-wird-durchgefuehrt-1/ Schnelle und kurzfristige Maßnahmen gegen den Lehrermangel, die vom Land Thüringen finanziert werden müssen - das hilft nicht nur den Schüler*innen, sondern auch den Pädagog*innen. Deshalb unterstützte die GEW Thüringen diese Petition und rief ihre Mitglieder dazu auf, diese zu unterzeichnen. Studium Berufliche Bildung Schule Bildung weiter denken Bildungsfinanzierung Bildungssystem LehrerInnenbildung Artikel Thüringen news-15792 Wed, 23 Jan 2019 16:00:00 +0100 Der Ausbildungsreport 2018 des DGB und Interview mit Erzieherin-Azubi Elma Kliem https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/der-ausbildungsreport-2018-des-dgb-und-interview-mit-erzieherin-azubi-elma-kliem/ BILDUNG IN THÜRINGEN vom 17.01.2019 mit diesen Themen: Hintergründe und wesentliche Erkenntnisse aus dem Ausbildungsreport 2018 des DGB und dazu ein Gespräch mit Elma Kliem, die aktuell eine staatliche Ausbildung als Erzieherin durchläuft. Moderatoren im Studio sind Michael Kummer und Björn Schröter. Bildungsbereiche Berufliche Bildung Bildungsqualität Gute Arbeit Mitbestimmung Artikel Thüringen news-15790 Wed, 23 Jan 2019 14:56:36 +0100 AJuM-Fortbildung in Weimar zum Thema Illustration von Sach-Bilderbüchern https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ajum-fortbildung-in-weimar-zum-thema-illustration-von-sach-bilderbuechern/ Am Wochenende 18./19.01. trafen sich Rezensent*innen der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) aus Thüringen und Sachsen zur jährlichen Fortbildung. Da lagen großformatige, aufwendigst bebilderte Kunstwerke neben rein sachgerecht informierenden Büchern. Es gab Comics und Grafic Novels und Sach-Bilderbücher, die zum Beispiel über QR-Code oder Stift zu den Leser*innen sprechen. Es wurde über Qualität der Medien und Einsatzmöglichkeiten diskutiert.

    Sehr bereichernd war der Vortrag des Weimarer Illustrators Alexander von Knorre. Er arbeitet vor allem für  Grundschulkinder. Mit seinen karikaturhaften Figuren erzählt er Erstlese-Geschichten mit und lässt Sachbücher anschaulicher werden. Es gab viele Fragen:

    • Woher kommen all die lustigen Ideen?
    • Entsteht die Illustration analog am Zeichentisch oder digital am Computer?
    • Welchen Einfluss nehmen die Verlage?
    • Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Texter des Buches?
    • usw.

    Natürlich nutzten wir das Zusammensein wie immer für einen intensiven Erfahrungsaustausch zum Rezensieren, zu pädagogischen Themen und zu neuer Literatur für Kinder und Jugendliche.

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    Kita Berufliche Bildung Schule GEW Artikel Thüringen
    news-15788 Wed, 23 Jan 2019 09:42:27 +0100 Klausurtagung des Referates Hochschule und Forschung der GEW Thüringen https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/klausurtagung-des-referates-hochschule-und-forschung-der-gew-thueringen/ Am Horizont zeichnen sich erneut Erfolge der GEW ab. Nach wie vor gilt es, die Gewerkschaft zu stärken, um auch zukünftig Verbesserungen an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen durchsetzen zu können. Am 18. Und 19. Januar trafen sich engagierte Kolleginnen und Kollegen aus dem Hochschulbereich im schön gelegenen Bad Tabarz im Tagungshotel „am Burgholz“, um sich im Rahmen einer Klausurtagung über aktuelle Entwicklungen auszutauschen, neue Ideen zu entwickeln und einfach um Spaß daran zu haben, etwas Gutes zu tun.

    Los ging es mit Informationen von Dr. Uwe Holzbecher zum Stand der Tarifrunde TV-L 2019:

    • Was sind die Kern- und Nebenforderungen?
    • Wie schätzen wir die Streikbereitschaft ein?
    • Wie gehen wir mit Fehlinformationen des Ministeriums zum Streikrecht um?
    • Welche Veranstaltungen planen wir?
    • Wie informieren wir Kolleg*innen an Hochschulen ohne aktive Gewerkschafter*innen?
    • Warum ist die Reduzierung der Arbeitszeit keine Forderung?

    Diese und weitere spannenden Fragen konnten weitgehend geklärt werden.

    Mit der Kampagne zur Mitgliederwerbung und Bindung „der GEW ein Gesicht geben“ haben wir einen guten und wichtigen Weg eingeschlagen, um die GEW zu stärken. In einem Vortrag und einem Workshop brachte uns Marlis Bremisch nahe, wie zielgruppen-/milieuspezifische Medien professionell gestaltet werden, um so die Aufmerksamkeit der unterschiedlichsten Adressat*innen zu gewinnen.

    Die vielfältigen Möglichkeiten zur digitalen Unterstützung der Lehre standen im Fokus eines Vortrages von Susann Hippler. Als Expertin für die Entwicklung fächerübergreifender Lehr- und Lernangebote und Open Educational Resources (OER) an der Bauhaus Universität Weimar zeigte sie anhand hochinteressanter Beispiele, was derzeit möglich und vor allem auch nützlich ist. In der anschliessenden Diskussion wurde deutlich, dass die derzeitige Lehrverpflichtungsverordnung (LVVO) die Entwicklung digitaler Angebote ausbremst. Im Zuge der Novellierung der LVVO bringt die GEW Vorschläge ein, wie dies zukünftig verbessert werden kann.

    Weitere aktuelle Themen aus der Referatsarbeit standen dann am Nachmittag auf der Tagesordnung. Im Zuge der Novellierung des Thüringer Personalvertretungsgesetzes werden derzeit verschiedene Optionen zur Bildung einer Personalvertretung für Assistenten (studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte) heiß diskutiert. Wie ist der aktuelle Stand? Wie ist die GEW Position? Was ist gut und zweckmäßig?

    Ein großes Dankeschön geht an Marlis Bremisch für die vorbildliche Organisation der Tagung und an alle Beteiligten, die durch Ihre Beiträge zum Gelingen beigetragen haben.

    Termine:

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    Studium Wissenschaft GEW Bildungsqualität Gute Arbeit Mitbestimmung TV-L Artikel Thüringen
    news-15907 Sun, 20 Jan 2019 09:00:00 +0100 DIE BERUFUNG - IHR KAMPF FÜR GERECHTIGKEIT https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/die-berufung-ihr-kampf-fuer-gerechtigkeit-1/ Diese Frau hat Geschichte geschrieben. Und sie tut es bis heute! GEW Artikel Thüringen