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Eine Streitschrift

Tariflohn für alle, doch auch Tarifergebnisse für alle?

Mein gewerkschaftliches Engagement besteht nun schon seit dem Jahre 2015. In diesen ereignisreichen Jahren habe ich die Kraft und Macht der arbeitenden Bevölkerung erlebt und konnte kaum glauben, dass so etwas in unseren Zeiten noch möglich ist. Doch was mir im zunehmend zu schaffen macht, ist der Rückgang des allgemeinen Engagements und damit einhergehend rückläufige Mitgliederzahlen in unserer großen Gewerkschaft, der GEW. Für dieses Problem habe ich einen Lösungsvorschlag.

Arbeitskämpfe leben von der Kraft der Masse. Doch diese Kraft schwindet. Aber wie die Masse aus ihrer Couch mobilisieren, wenn einem zugleich solche Sätze wie „Geht mal streiken, die Ergebnisse nehme ich gern mit“ oder: „Ich kann nicht streiken, ich brauch das Geld.“ um die Ohren gehauen werden? Das nimmt mir
so stark die Motivation, das ich nicht umhin komme, nach all der Zeit etwas elitärer zu denken.

  • WIR reden mit der Politik und wollen Verbesserungen für unsere Kolleg:innen.
  • WIR wollen Standards erhalten und ausbauen.
  • WIR wollen Streik verhindern.
  • WIR verschaffen uns Gehör bei Arbeitnehmern.
  • WIR erkämpfen in immer kürzeren Abständen die Tarifergebnisse.
  • Und dann bekommen wir solche „Anerkennung“ unserer Kolleg:innen?

Um es klar zu stellen: Wir erkämpfen für Euch und uns, doch uns schwinden die Kräfte.

Es ist seit einiger Zeit ein großes Problem und oft ist es frustrierend, neue Mitglieder zu gewinnen. Der Arbeitskampf muss wieder in den Fokus rücken und wir Gewerkschafter:innen müssen wieder sichtbar werden. Eine Medienwirksamkeit kann aber nicht nur durch unser eigenes ambitioniertes Auftreten gelingen. Wir müssen ein Zeichen setzten für die Zukunft. Somit plädiere ich für ein drastisches Mittel um der Gewerkschaft wieder neuen Aufwind zu verleihen.

Bessere Tarifergebnisse für Gewerkschaftsmitglieder!

Es ist bereits in vielen Bereichen üblich, dass ein gewerkschaftliches Engagement im Tarifvertrag honoriert wird. Es gibt viele Möglichkeiten einer Umsetzung. Doch warum scheuen wir uns als GEW davor?

Haben wir Angst vor dem Grundgesetz? Befürchten wir eine Klage vor dem Bundesarbeitsgericht wegen unlauteren Wettbewerb?

Mangelndes Interesse und eine Lethargie in der Belegschaft der Erzieher:innen bestimmen momentan meine Gewerkschaftsarbeit – und das nicht nur wegen der Corona-Pandemie. Also kann ein radikales Vorgehen unsererseits an bestehenden Verkrustungen rütteln und hoffentlich einige Mitglieder generieren.

Der DGB weist übrigens explizit auf diese legale Möglichkeit hin: „Leistungen nur für Gewerkschaftsmitglieder“ erörtert: „Nicht-Gewerkschaftsmitglieder müssen es grundsätzlich hinnehmen, dass ihnen keine tariflichen Ansprüche zustehen. Der davon ausgehende Anreiz zum Gewerkschaftsbeitritt verletzt nicht die negative Koalitionsfreiheit. Denn die Befugnis, verbindliche Regelungen in Tarifverträgen abzuschließen, ist durch Art. 9 Abs.3 GG nur auf die Mitglieder der die Tarifverträge abschließenden Tarifparteien beschränkt. Außerdem schließt die verfassungsrechtlich geschützte Betätigungsfreiheit der Gewerkschaften auch das Recht ein, für Mitglieder zu werben. Dazu gehört es dann auch, dass bestimmte Leistungen nur ihnen (Gewerkschaftsmitgliedern) zugutekommen.“

Quelle: www.dgbrechtsschutz.de/recht/arbeitsrecht/lohn/leistungen-nur-fuer-gewerkschaftsmitglieder

Lasst uns im Tarifvertrag auch Bedingungen einbringen, die nur unseren Kolleg:innen der Gewerkschaften zu Gute kommen!

Kontakt
Jörg Vetter
Referatsleitungsteam Frühkindliche Bildung und Sozialpädagogik
Adresse Heinrich-Mann-Str. 22
99096 Erfurt
Telefon:  0361 590 95 0