GEW Thüringen
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Neue Handreichung Sexuelle Bildung vielfaltssensibel gestalten

Wissen, Reflexion, Methoden und Hinweise für Lehrkräfte in Sekundarstufe I und II. Fokus: geschlechtliche und sexuell-romantische Vielfalt. Autorin: Anne-Kathrin Ballhaus. Erschienen mit Unterstützung der GEW Thüringen.

17.08.2021

Vorwort von Marcus Heyn 
für den Landesausschuss Diversity der GEW Thüringen:

„Kinder und Jugendliche wollen ihre Familienkonstellationen und Lebensentwürfe, ihre religiösen, geschlechtlichen und sexuellen Identitäten in den Themen, die im Erfahrungsraum Schule behandelt werden, wiederfinden. Sie dürfen in ihrer Identitätsentwicklung nicht allein gelassen werden, sondern müssen in der Schule dafür Unterstützung, Wertschätzung und Raum finden, um eigene Wertvorstellungen und Positionen zu entwickeln und zu hinterfragen, Bedürfnisse und Gefühle zu artikulieren und empathisch gegenüber anderen Auffassungen und  Lebensweisen zu sein.

Insbesondere im Bereich der sexuellen Bildung bleibt die Schule hinter den Erwartungen der Lernenden und hinter der Selbstverpflichtung der Länder zurück. Schon 1968 einigte sich die Kultusminister*innenkonferenz (KMK) mit den Empfehlungen zur geschlechtlichen Erziehung in der Schule auf einen Minimalkonsens, der sich mit der Wiedervereinigung auch auf die neuen Bundesländer übertrug. Seitdem gibt es für Thüringen, anders als in anderen Bundesländern, keine gesonderten Richtlinien für Sexualerziehung. Diese wird zwar über das Thüringer Schulgesetz als schulische Gesamtaufgabe benannt, jedoch selten als solche gelebt und nur spärlich durch die Fachlehrpläne geregelt.

Die GEW Thüringen setzt sich dafür ein, eine vielfaltssensible sexuelle Bildung in Lehrplänen, Materialien und der Lehrkräfteausbildung als Querschnittsthema zu implementieren. Dafür entschied die GEW auf Bundesebene bereits 2013, durch die Vermittlung von Genderkompetenz als Schlüsselqualifikation in der Aus- und Weiterbildung die Stärkung der professionellen Handlungskompetenz der Lehrkräfte voranzutreiben sowie Geschlechterstereotypen und Diskriminierung von sexuellen und geschlechtlichen Identitäten in Unterrichtsmaterialien abzubauen. 

Umso mehr freuen wir uns, dass sich Anne-Kathrin Ballhaus im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (betreut durch Dr. E. Watts und Dr. F. Greiner) mit diesem Anliegen auseinandergesetzt hat. In der vorliegenden Handreichung hat sie Wissen,  Reflexion, Methoden und Hinweise zusammen-gestellt, die nicht nur für Lehrkräfte, sondern für alle in Schule Tätigen relevant sind.

Die Handreichung verfolgt nicht nur ein hehres Ziel, indem sie Forderungen und Umsetzungsideen für weiterführende Schulen formuliert. Sie vermittelt zugleich Wissen um die unterschiedlichen Dimensionen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt und verknüpft dieses mit der Frage nach dem eigenen Leben und Handeln: Was geht mich geschlechtliche und sexuelle Vielfalt an? Wir wünschen uns im Zuge der Broschüre eine deutliche Sichtbarkeit für die Anliegen der Lernenden in Bezug auf sexuelle Bildung sowie eine rege Diskussion um die Stärkung dieses Bereiches der Demokratie- und Menschenrechtsbildung in Thüringen. Wir erhoffen uns eine Aktivierung von Verantwortlichen, in diesem Themenfeld Verantwortung zu übernehmen, die Dimensionen der eigenen Handlungsfähigkeit zu erkennen und Wissen über geschlechtliche und sexuelle  Themen in unterschiedlichsten institutionellen und lebensweltlichen Kontexten zu verbreiten.“