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Offener Brief der Lehramtsanwärter:innen

Regionalisierung: Ja, aber mit einem sinnvollen Übergang für die Anwärter:innen

Die GEW Thüringen unterstützt die Forderungen der Lehramtsanwärter:innen und fordert das TMBJS auf, gemeinsam mit ihnen eine tragfähige Übergangslösung zu finden.

Im Zuge der Neustrukturierung der Studienseminare haben sich nun die Vertreter*innen der Lehramtsanwärter:innen in einem offenen Brief an das Ministerium und die GEW Thüringen und andere Lehrer:innenverbände gewandt. Zentrale Forderung der LAA ist, den Vorbereitungsdienst unter den Bedingungen beenden zu können, unter denen sie ihn auch begonnen haben.

Als GEW Thüringen sprechen wir uns ausdrücklich für die Regionalisierung der zweiten Phase der Lehrer:innenausbildung aus, um durch frühe Bindungen langfristig alle Schulamtsbereiche zu stärken. Wir begrüßen des Weiteren, dass das TMBJS an seinem Vorhaben, die Neustrukturierung zum 1. August 2023 umzusetzen, festhält.

Allerdings sehen wir einen klaren Handlungsbedarf mit Blick auf eine Übergangslösung für bereits im Vorbereitungsdienst befindliche Anwärter:innen. Hierbei sind vor allem die Jahrgänge in den Blick zu nehmen, die kurz vor ihren benoteten Lehrproben und Prüfungslehrproben stehen. Ihnen ist ein Wechsel in der Betreuungssituation, z. B. Fachleiter:innen, nicht zuzumuten. Wir unterstützen die Forderungen der Lehramtsanwärter:in in Bezug auf eine klare Beteiligung am Prozess der Neustrukturierung und Berücksichtigung ihrer spezifischen Bedarfe. Die Thüringer Ausbildungsverordnung gibt für eine solche Beteiligung auch rechtlich die Möglichkeit (ThürAZStPLVO §10).

Die Befürchtungen der Anwärter:innen müssen vom TMBJS ernsthaft aufgenommen werden. In ihnen spiegelt sich einerseits Frust über fehlende Transparenz und Kommunikation wider, andererseits auch mangelnde Transparenz und Einheitlichkeit der Anforderungen der zweiten Staatsprüfung und ihrer Bewertung.

Die GEW Thüringen unterstützt die Forderungen der Lehramtsanwärter:innen und fordert das TMBJS auf, gemeinsam mit ihnen eine tragfähige Übergangslösung.

 

Der offene Brief zur Umstrukturierung der Leher:innenbildung der LAA-Vertreter*innen im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Minister Holter, sehr geehrte Damen und Herren des Bildungsausschusses und geehrte Vertreter:innen der Lehrerverbände und Medien,

die geplante Neustrukturierung der zweiten Phase der Lehrerbildung in Thüringen ab 1. August 2023 stellt uns, die sich aktuell in der Ausbildung befindenden Lehramtsanwärter:innen, vor viele offene Fragen. Mit diesen haben wir uns in dem Schreiben vom 27. April 2023 bereits an die Landesregierung gewendet. Diese hat in einem Antwortschreiben keine Auskunft gegeben, sondern an die Leitung des Studienseminars verwiesen, die uns ohne vorliegende  Informationen keine Antworten geben konnte. Deshalb wenden wir uns nun an Sie alle mit unseren konkreten Forderungen und Erwartungen.

Wir fordern im Sinne des Grundsatzes der Rechtssicherheit, dass alle Lehramtsanwärter:innen, die ihren Vorbereitungsdienst vor dem 1. August 2023 begonnen haben, diesen zu den Bedingungen beenden können, unter welchen sie den Vorbereitungsdienst begonnen haben. Im Konkreten bedeutet das:

1. Wir fordern personelle Kontinuität bezüglich unserer Fachleiter:innen. Diese sind zu einem sehr großen Teil für unsere Bewertung verantwortlich (Vornote und Zweites Staatsexamen). Sie bereiten uns inhaltlich seit Beginn der Ausbildung auch auf diese Prüfungen vor und setzen dabei individuelle inhaltliche Schwerpunkte. Ein Fachleiterwechsel ab 1. August 2023 bedeutete insbesondere für die Jahrgänge im letzten Ausbildungshalbjahr, dass die entscheidenden Bewertungen von Fachleiter:innen vorgenommen werden müssten, die nur ca. 8 Wochen Zeit haben, die Anwärter:innen und deren Lehrerpersönlichkeiten kennenzulernen. Das Beispiel bezieht sich auf besonders betroffene Lehramtsanwärter:innen, die im Februar - August 2022 ihre Ausbildung begonnen haben und deren Prüfungszeitraum ab dem 01.10.2023 beginnt.

2. Wir fordern inhaltliche Kontinuität unserer Ausbildung. Der zu Beginn der Ausbildung festgelegte Seminarplan enthält keine Spielräume für Redundanzen, die durch eine Veränderung der Ausbildungsstrukturen und neue Fachleiter:innen entstehen könnten. Vor allem fordern wir gerade im Hinblick auf die Abschlussprüfungen, dass keine Inhalte entfallen.

3. Wir fordern lokale Kontinuität hinsichtlich unseres Ausbildungsortes. Alle Lehramtsanwärter:innen, die sich derzeit in der Ausbildung am staatlichen Studienseminar Erfurt befinden, haben den Vorbereitungsdienst unter der Bedingung angetreten, dass die Ausbildung in den Pflichtmodulen an diesem Standort erfolgt und dementsprechend auch ihren Wohnort gewählt. Sollten unsere aktuellen Fachleiter:innen, die selbst nicht im Schulamtsbereich Mittelthüringen tätig sind, an eine andere Regionalstelle wechseln, hätte das für uns zum Teil unzumutbare Pendelwege zu den Seminaren zur Folge.

Außerdem sind uns folgende Punkte besonders wichtig und wir erwarten:

1. Mindestens eine transparente Weitergabe der uns Lehramtsanwärter:innen betreffende Information bezüglich nachträglicher Veränderung der Bedingungen unserer Ausbildung.

2. Dass die sich aktuell in der Ausbildung befindenden Lehramtsanwärter:innen an den anstehenden Entscheidungen bezüglich der geplanten Umstrukturierung im offenen Dialog beteiligt werden

3. Dass unsere Forderungen umgesetzt werden, da diese die Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss unserer Ausbildung bilden.

4. Eine zeitnahe verbindliche Aussage über den Fortgang unserer Ausbildung.

 

Mit freundlichen Grüßen,

i.A. Jonathan Högg

Die Lehramtsanwärter:innen am staatlichen Studienseminar für Lehrerausbildung Erfurt für das Lehramt an Gymnasien

Kontakt
Paul Menger
Bildungsreferent für das junge Lehramt
AdresseHeinrich-Mann-Str. 22
99096 Erfurt
Telefon: 0361 590 95 56
Mobil: 0178 271 88 99