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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Lobbykunde als Unterrichtsfach

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden zunehmend als Kunden- und Käufergruppen entdeckt und mehr oder weniger offen umworben. Auch Schulen rücken so in den Fokus, weil sie einerseits von Unternehmen mit vordergründig als Unterrichtsmaterial deklarierter Werbung konfrontiert werden. Andererseits sind sie gefordert, die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern zu stärken und einen kritischen Umgang mit Werbung und allgegenwärtigen Konsumwelten zu fördern.

03.02.2014

Durch die Integration von Verbraucherbildung in den Unterricht könnten Kinder und Jugendliche wichtige Orientierungshilfen für ihren Lebensalltag bekommen. Die Frage ist nur wie könnte oder sollte eine praktische Umsetzung erfolgen. In einigen Bundesländer entstehen Initiativen, die fordern, entsprechende Fächer wie zum Beispiel „Lobbykunde“ im Unterricht zu etablieren.

In Nordrhein-Westfalen hat der Schulausschuss des Landtags NRW hat eine öffentliche Anhörung zum Thema "'Verbraucherbildung in der Schule nachhaltig gestalten' veranstaltet. Unter der Fragestellung 'Profilbildung des Realschulbildungsgangs stärken - Fach 'Wirtschaft' als verbindliches Schulfach einführen' hatten sich zwar alle Sachverständigen des Schulausschuss für eine Stärkung von Verbraucherbildung und ökonomischer Bildung ausgesprochen. Trotzdem unterstützte nur eine Minderheit von ihnen die Forderung nach einem separaten Fach Wirtschaft. Auch eine rein wirtschaftswissenschaftliche Ausrichtung der ökonomischen Bildung wurde von einer Mehrheit der Expertinnen und Experten im Rahmen einer Fachtagung abgelehnt.

Über die Fragen und Kriterien, was gute gesellschaftliche und ökonomische Bildung ausmache diskutierten Dr. Ilka Hoffmann (GEW), Prof. Dirk Lange (Uni Hannover) und Prof. Bernd Remmele (Wissenschaftliche Hochschule Lahr) in der NDR-Sendung „Redezeit“.

Wo der Bildungsauftrag aufhört und die Einflussnahme anfängt, mit dieser Frage müssen sich Schulen bereits ganz konkret auseinandersetzen, wenn sich Unternehmen dort präsentieren wollen. Wo Berufsinformation zu Praktikums- und Ausbildungsplätzen aufhört und die Lobby-Arbeit der Firmenvertreter anfängt müssen in den meisten Bundesländern die Schulen selbst entscheiden. Öffentliche Schulen werden aus Steuergeldern finanziert und sind somit zur Neutralität verpflichtet. Sie sollen als „eigenverantwortliche Schule“ jedoch auch „flexible, weltoffene Bildungsorte“ sein. Mit diesen Aspekten von Lobbyismus setzt sich Caterina Lobenstein in ihrem Beitrag „Erste Stunde:Lobbykunde“ in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ auseinander.

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