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Zwischen Berufsethos und Überlastung – wie krank macht die Arbeit in Kitas?

12.05.2017 - Nadine Hübener

Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte: Am 11. Mai fand in den Räumlichkeiten der GEW Thüringen eine in Kooperation mit Arbeit & Leben organisierte Konferenz der Thüringer Betriebsräte unter dem Motto „Gesunde Arbeit in Kitas“ statt. Die Staatssekretärin des TMBJS Gabi Ohler war an diesem Tag nicht nur unser Gast, sondern auch gleichzeitig Referentin für den Konferenzteil, welche politischen Vorstellungen und Bestrebungen es in Thüringen bezügliche guter, gesunder Arbeitsbedingungen gibt und zukünftig geben wird.

Zwei Perspektiven galt es auf dieser Konferenz einzunehmen. In einem ersten Schritt zeigte das Auftaktreferat „Arbeitsbelastungen in Kitas“ strukturelle, organisationale und individuelle Belastungsfaktoren von Erzieher*innen auf: Personalschlüssel, Gruppengrößen, Führungsmanagement, Teamstrukturen, Trägerverantwortung, Wertschätzung, Mobiliar und Räume. Anhand von vier verschiedenen Studien wurde den Teilnehmer*innen verdeutlicht, dass viele Arbeitsbedingungen in Kitas körperliche aber vor allen Dingen auch psychosomatische Beschwerden hervorrufen können; und das immerhin bei 10 bis manchmal 30 Prozent der Beschäftigten. Es handelt sich demnach nicht um ein Randphänomen, welchem allein durch individuelle Maßnahmen zu begegnen ist. 

Die möglichen Reaktionsweisen auf krankmachende Arbeitsbedingungen waren dann auch die zweite einzunehmende Perspektive der Konferenz. Dabei wurden neben den vorhandenen Ressourcen – Berufsethos, Relevanz und Wirkungsmacht, hohes Maß an Selbstständigkeit und Verlässlichkeit im Kollegium – vor allen Dingen Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) diskutiert. Die Referentin Sabine Merten von der IKK Classic stellte den Betriebsratsmitgliedern zentrale Aspekte des BGM vor: Analysetechniken, Arbeitsformen und Mittel der (Zwischen-)Evaluation. Ihr Fokus lag darauf, deutlich zu machen, dass das BGM eine zentrale Führungsaufgabe ist und eines langen Atems bedarf.

Die Aufgabe der Betriebsräte in diesem Prozess zu beleuchten war Thema des abschließenden Konferenzteils. Es kam zu einem Austausch der Teilnehmer*innen, die in ihren Betrieben bislang recht unterschiedliche Prozessschritte beim BGM erreicht hatten. Da galt es sich Tipps geben zu lassen, Argumente zu sammeln und auf den jeweiligen Träger zugeschnittene Wege zu diskutieren. Von Seiten der Referenten gab es Hinweise auf Paragraphen des Betriebsverfassungsgesetzes, die den Betriebsräten Mitgestaltungsmöglichkeiten eröffnen sollen, sowie die Auflistung verschiedener Kooperationspartner*innen und Unterstützer*innen.   

Mit dem Appell, sich nicht durch Einzelmaßnahmen wie Rückenschulungen oder Gesundheitstage abspeisen zu lassen, sondern als Betriebsrat den Blick auf die strukturellen Bedingungen von Arbeit zu richten, wurden die Teilnehmer*innen aus der Konferenz entlassen.

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