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Wie Inklusion gelingen kann: Die IGS in Erfurt

Seit 9 Jahren arbeitet die Integrierte Gesamtschule in Erfurt inklusiv. Gemeinsam machten sich zunächst einige Kolleg*innen der IGS auf dem Weg. Sie waren unzufrieden und wollten zunächst den Unterricht so umgestalten, dass sie die Lernenden besser fördern konnten.

04.04.2016 - Julia Hanf (entnommen aus: tz April 2016)

Anderthalb Jahre reisten sie durch Deutschland und besichtigten Reformpädagogische Schulen und entwickelten ein neues Schulkonzept. Durch Initiativtage und Vorträge wurde das Kollegium überzeugt. Man begann schrittweise mit der Umsetzung in Klasse 5. Der erste Schritt war die Öffnung des Unterrichtes, so gibt es nun den „OffenenUnterricht“ in Klasse 5 und 6 und „Epochenunterricht“ in Klasse 7 und 8. Durch die neuen Unterrichtsvoraussetzungen wagte man sich auch an die Inklusion heran. Unterstützung erhielt die Schule von verschiedenen Ministerien, der Hochschule, vor allem aber von erfahrenen, engagierten Pädagog*innen aus verschiedenen Bereichen. 

  • Schulkonzept der IGS

Schwerpunkte des Schulkonzeptes sind hierbei die Individualisierung des Unterrichts (Schüler*innen lernen im eigenen Tempo und Leistungsvermögen), eine stärkere Rhythmisierung des Tages und die konzeptionelle Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ein Förderlehrer arbeitet in jedem Team und ist zur Unterstützung der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf da sowie zur Beratung der Fachlehrer. Weiterhin arbeiten sonderpädagogische Fachkräfte (SPF) in der Einrichtung. Ohne diese Unterstützungen wäre die Inklusion sehr viel schwieriger zu gewährleisten.

Beispiele für die Rhythmisierung des Schultages sind eine verlängerte Frühstückspause, eine Mittagsfreizeit mit offenen Angeboten (z. B. Fußball, Töpfern und den Spielschuppen) sowie eine verlässliche Betreuung am Nachmittag und Arbeitsgemeinschaften. In der Regel ist der Jahrgang 5 dreizügig und es werden maximal 24 Schüler*innen pro Klasse aufgenommen. Dies ermöglicht eine Bildung von Tischgruppen zu je 4 Schüler*innen.

Die Jahrgänge werden von Lehrerteams betreut. Diese bestehen aus Klassenlehrern (Tutoren). Von der 5. bis zur 10. Klasse sind möglichst 2 Tutoren für eine Klasse zuständig. Hierbei herrscht das Klassenraumprinzip. Das bedeutet, dass die Klassenräume eines Jahrganges für fast alle Teams an einem Treppenaufgang liegen und mit den zugehörigen Fluren und einem Raum für das Lehrer*innenteam den Jahrgangsbereich bilden. Die pädagogische Arbeit des jeweiligen Jahrganges wird vom Lehrer*innenteam koordiniert. Dies gilt auch für Projekte, Fahrten und Feste. Ein Grundprinzip des schulischen Lernens ist die Elternmitwirkung. So fördern Schule und Eltern gemeinsam eine bewusste Freizeitgestaltung der Schüler*innen. 

  • Schwierigkeiten

Probleme bereiten wie an anderen Schulen die personellen und räumlichen Voraussetzungen. Häufig haben Förderlehrer*innen eine geringe Stundenanzahl und so lässt sich das Konzept schwer umsetzen. Häufig sind die sonderpädagogischen Fachkräfte auch an zwei Schulen oder unterschiedlichen Einsatzorten beschäftigt. Auch mit kleinen Klassenräumen und Fluren hatte die Schule zu kämpfen, als Rückzugsort wurde z. B. ein Jahrgangsraum eingerichtet. Doch die Schule hat gelernt mit schwierigen Situationen umzugehen und ist an diesen Situationen gewachsen!

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