GEW Thüringen
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Die Landesvorsitzende beim MDR Thüringen JournalWie bewertet die GEW Thüringen Helmut Holters KMK-Präsidentschaft?

Gute Noten für Ehrlichkeit beim Lehrer*innenmangel und Ideen zu schulstufenbezogener Lehrer*innenausbildung, ausbaufähig bei der Stärkung der Demokratiebildung in den Schulen.

29.01.2019

Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen:

„Ein Jahr KMK-Präsidentschaft reicht nicht aus, um umfassende Reformen einzuleiten. Aus Sicht der GEW Thüringen hat Helmut Holter aber seine Chance genutzt, wichtige Themenschwerpunkte zu setzen. Die Politik kann nun nicht mehr behaupten, sie wüsste nicht um den zukünftigen Lehrerbedarf. Und sie ist aufgefordert, über neue Wege in der Lehrer*innenausbildung nachzudenken. In diese Impulse setzt die GEW Thüringen sehr große Hoffnung.“

Im Einzelnen:

  • Positiv zu bewerten ist der offensive Umgang mit den veralteten und damit falschen Prognosen hinsichtlich der Entwicklung der Schüler*innenzahlen und damit des Lehrer*innenbedarfs. Hier hat Helmut Holter gegenüber vielen seiner Amtsvorgänger einen erfrischend ehrlichen Umgang in der Einräumung von Fehlern seitens der Politik gepflegt.
  • Vor dem Hintergrund des Lehrer*innenmangels hat Helmut Holter ein Umdenken in der Lehrer*innenausbildung angeregt. Statt einer schulartbezogenen Ausbildung solle es eine schulstufenbezogene Ausbildung geben, denn das würde den flexibleren Personaleinsatz an den Sekundarschulen ermöglichen. Die GEW Thüringen begrüßt diesen Vorstoß, denn schulstufenbezogen ausgebildete Lehrer*innen sind für den flächendeckenden Ausbau von Gemeinschaftsschulen sinnvoll und notwendig - mehr Bildungsgerechtigkeit kann dadurch erreicht werden.
  • Helmut Holter hat als Präsident der KMK das Thema Demokratiebildung an Schulen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das ist zum einen zu begrüßen („demokratische Schul- und Unterrichtsentwicklung als Querschnittsaufgabe“), zum anderen jedoch ist kritisch zu hinterfragen, warum der selbst gewählte Anspruch („Schülerinnen und Schüler sollen so früh wie möglich an die Grundprinzipien unserer demokratischen Staats- und Gesellschaftsordnung herangeführt und mit ihnen vertraut gemacht werden.“) in Thüringen nicht umgesetzt wird. Hier fristet das Schulfach Sozialkunde, in dem primär Demokratie erlernt und eingeübt werden sollte und wofür es viel Zeit benötigt, weiterhin ein Nischendasein (In den Regelschulen erst ab Klasse 8, in den Gymnasien erst ab Klasse 9 unterrichtet, und das jeweils mit nur einer Wochenstunde). Als Bildungsminister hätte er hier mit gutem Beispiel vorangehen können und müssen – denn gesellschaftspolitische Fragen und Demokratieinteresse haben Schulkinder ab Klasse 1.
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