GEW Thüringen
Du bist hier:

Erfahrungsbericht über die Arbeit als Gymnasiallehrer in CoronazeitenWeit weg und trotzdem mittendrin!?

Die Lehrer*innen an unserem Leibniz-Gymnasium standen wie alle anderen Schulen im Freistaat praktisch über Nacht vor einer bisher unbekannten Situation: Keine Schüler*innen in der Schule, kein Unterricht in der Schule.

28.05.2020 - Thomas Pfeuffer - Stellv. Landesvorsitzender und Lehrer am Leibniz-Gymnasium in Leinefelde

Recht schnell wurde die Internetseite so modifiziert, damit für alle Klassen und Fächer Arbeitsaufträge hochgeladen werden konnten. Soweit, so unkompliziert. Was sich hingegen nicht als triviale Aufgabe herausstellte, war die Frage nach den Rückmeldungen der Schüler*innen. Nur ein kleiner Anteil der jungen Menschen meldete sich über die dienstliche Mailadresse oder andere Kanäle.

Seit Schulbeginn nach den Osterferien können die Pädagog*innen an unserer Schule auf Microsoft Teams, einem chatbasierten Arbeitsraum, zurückgreifen. Insbesondere die Schulleitung hat es in einem enormen Kraftakt geschafft, diese Plattform so vorzubereiten, damit Onlineunterricht möglich ist. Ein immer größer werdender Teil des Kollegiums nutzt nun diese Möglichkeit und mittlerweile unterrichte ich einen Großteil meiner Klassen in diesem virtuellen Format.

Bin ich aber jetzt wieder mittendrin? Ja und nein.

Ja, weil ich als Lehrer wieder den Kontakt zu dem meisten Lernenden habe und mit Ihnen direkt zum Lerninhalt in Austausch treten kann. Nein, weil die Mitwirkungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich sind. Nicht alle Kinder haben die Voraussetzungen. Oft fehlt es an einem Mikrofon oder einer Kamera oder auch an einer entsprechend schnellen Internetverbindung.

Das Unterrichten aus der Distanz stellt die gesamte Schulgemeinschaft vor veränderte Aufgaben.

Die Vorbereitung und die Nachbereitung des Onlineunterrichts ist deutlich zeitaufwendiger. Dazu gehört zum Beispiel die individualisierte Kommunikation mit den Schüler*innen bezüglich der Arbeitsaufträge, aber auch beim Ausräumen von Verständnisproblemen. Die Koordination von Onlineunterricht und Präsenzunterricht in einem Stundenplan ist eine riesige Aufgabe für die Schulleitung. Bisher administriert der Oberstufenleiter die Plattform für den Unterricht neben seinen sonstigen Aufgaben. Und die Schülerinnen und Schüler müssen viel mehr Selbstverantwortung übernehmen bei der Organisation ihres Lernens. 

Entlastung ist dringend notwendig

In naher Zukunft wird es wegen der Abstandsregelungen nötig sein, Präsenz- und Onlineunterricht parallel durchzuführen. Das wird den Arbeitsaufwand weiterhin sehr hoch halten. Daher braucht es Entlastung und Unterstützung (z. B. durch Online-Seminare) für die Lehrkräfte. Einzelne Personen an Schule müssen entlastet werden, indem man IT-Fachkräfte an die Schulen bringt.

Bin ich trotz Distanz mittendrin? Nein! 

Die Arbeit für mich als Lehrer hat sich deutlich verändert, aber für gelingendes Lernen braucht es vertrauensvolle Beziehungen. Meiner Meinung nach kann der reale Kontakt mit den Lernenden durch keine noch so gute virtuelle Lernumgebung ersetzt werden.

Zurück