GEW Thüringen
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Zur aktuellen Lage in ThüringenWas ich noch sagen wollte

Erinnert Ihr Euch noch? An eine Zeit ohne Pandemie? Ohne R-Wert, Inzidenzzahlen, ohne Maske und ohne Abstand? Ohne rot markierte Landkarten und an ein Ampelsystem nur für den Straßenverkehr?

30.11.2020 - Kathrin Vitzthum - Landesvorsitzende

Dieses Jahr war von einem Virus bestimmt und viele unserer Auseinandersetzungen bezogen sich auf den Umgang mit der Pandemie in Kitas, Schulen, Horten, Hochschulen und in Einrichtungen der Erwachsenenbildung und in der Kinder- und Jugendhilfe. Es ging und geht nach wie vor um Arbeits- und Gesundheitsschutz, um Digitalisierung, um Bildungsgerechtigkeit. Corona ist eben auch zum Brennglas geworden und sticht täglich in die bereits schmerzende Wunde eines schlecht ausgestatteten Bildungssystems.

Die Lage ist ernst, liebe Kolleg*innen.

Die zweite Welle der Pandemie hat uns längst erreicht und erfordert von uns allen solidarisches Handeln durch Einschränkung. Umso ärgerlicher, nein bestürzender ist, dass Ministerpräsident*innen, Bildungs- und Gesundheitsministerien aller Bundesländer nicht da-für sorgen, dass Bildungseinrichtungen sichere Orte für Kinder, Jugendliche und Beschäftigte sind. Niemand will ernsthaft und generell Schulen und Kitas schließen. Um aber genau das zu vermeiden, braucht es wirklich mehr vorbeugenden Schutz für alle. Das reicht von einer Entzerrung des Schüler*innenverkehrs, über die Nutzung weiterer Räume (Museen, Galerien, Hotels, ...), um die Abstände einhalten zu können, über die Ermöglichung von Wechselunterricht, bevor es Infektionsgeschehen gibt. Das wäre echte Vorbeugung.

Corona ist aber nicht alles.

Wir haben in diesem Jahr trotz aller Einschränkungen eine Menge gemeinsam gestemmt: Zuletzt war es die Tarifrunde im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen (TVöD), die unsere Kreativität herausgefordert hat. Streiks unter Pandemiebedingungen erschienen vielen Kolleg*innen nicht als das Mittel der Wahl und dennoch haben sich einige daran beteiligt. Dafür herzlichen Dank. Besondere Aufmerksamkeit erregte unsere Playmobildemo auf dem Erfurter Fischmarkt, 300 Figuren standen für die 300 kommunal beschäftigen Erzieher*innen der Stadt und brachten auf ungewöhnliche Weise die Tarifforderungen in den öffentlichen Raum. Der Kampf um die A13/E13 für Grundschullehrkräfte, die Erhöhung des Beschäftigungsumfanges für Horterzieher*innen und Pläne für eine bessere Eingruppierung der Sonderpädagogischen Fachkräfte waren neben verschiedenen Anhörungen zur Thüringer Schulordnung, Attraktivität des Lehrer*innenberufs und Digitalisierung wichtige Themen, die wir bearbeitet haben. Auch in die Überleitung der Horterzieher*innen in die neue S-Tabelle des TV-L haben wir viel Energie gesteckt und hoffen sehr, dass die Nachzahlung noch in diesem Jahr erfolgt.

Politisch war dieses Jahr eine besondere Herausforderung.

Der 5. Februar 2020, der Tag, an dem sich der FDP-Abgeordnete Kemmerich mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ, war eine Zäsur. Das Vertrauen in politische Verantwortungsträger hat damit einen Riss bekommen, dessen Heilung noch immer andauert. Die aus dieser Erfahrung entstandene Stabilitätsvereinbarung von Rot-Rot-Grün und CDU hat zumindest zwischenzeitlich zu einer pragmatischeren Politik geführt. Was das für die im nächsten Jahr anstehende Landtagswahl bedeutet, vermag niemand so recht einzuschätzen.

Liebe Kolleg*innen,

ich weiß nicht, wie die Vorweihnachtszeit unter der Pandemie aus-sehen wird. Sie wird anders werden, stiller auf jeden Fall. Aber viel-leicht können wir gemeinsam dafür sorgen, dass sie nicht dunkler, sondern viel heller wird. Aufeinander achten, Zuhören, mit Abstand einander nahe sein, das wünsche ich Euch von ganzen Herzen. Ihr habt bis an Eure Grenzen unter sehr schwierigen Bedingungen Euren Job gemacht und habt Euch eine Auszeit wirklich verdient. Für Euer Engagement, für Eure Bereitschaft, Neues zu lernen, Ungewöhnliches auszuprobieren und aus der Krise doch auch eine Chance zu machen, dafür möchte ich Euch von Herzen danke sagen.

Ich wünsche Euch ein frohes Fest, entspannende Tage zwischen den Jahren und im wahrsten Sinne einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Möge es ein leichteres werden.