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Aus der RedaktionWarum die Erziehung zur Demokratie als Schwerpunkt?

Die zukünftigen Pädagog*innen werden in kurzer Zeit in der Bildungs- und Sozialisationsinstanz Schule tätig sein, aber wie sollen sie zur Demokratie erziehen, wenn sie über deren Kern, die Mitbestimmung, so wenig wissen?

01.04.2019 - Thomas Pfeuffer, Marcel Helwig und Michael Kummer - Redaktionsteam tz April 2019

Nicht nur wir als Bildungsgewerkschaft stehen vor einer besonderen Herausforderung: der Kenntnisstand über die vielfältigen Möglichkeiten von Mitbestimmung in diesem politischen System – und so auch, aber nicht nur, über die Interessenvertretungen der abhängig Beschäftigten – ist bei jungen Menschen und so eben auch bei vielen Lehramtsstudierenden und Lehramtsanwärter*innen erschreckend niedrig bis teils kaum vorhanden. Mühsam müssen wir erst einmal erklären, dass eine Interessenvertretung von Arbeitnehmer*innen und Beamten nicht nur sinnvoll und notwendig ist, sondern auch durch das Grundgesetz abgesichert. Und nein, für eine Mitgliedschaft darf der Arbeitgeber nicht kündigen, und ja, ein Arbeitsvertrag ist kein Knebelvertrag, sondern ein Vertrag auf Augenhöhe mit Rechten und Pflichten auf beiden Seiten, und ja, der Personalrat darf und muss in dieser und jener Frage mitentscheiden, das ist keine Wohltat der Chefin oder des Chefs - und viele Dinge mehr. 

Die zukünftigen Pädagog*innen werden in kurzer Zeit in der Bildungs- und Sozialisationsinstanz Schule tätig sein, aber wie sollen sie zur Demokratie erziehen, wenn sie über deren Kern, die Mitbestimmung, so wenig wissen? Ausgenommen sind dabei natürlich die für diese Aufgabe ausgebildeten Sozialkundelehrer*innen. Fragt man bei den jungen Menschen nach, wird von ihnen fast immer als Hauptgrund genannt, dass während ihrer Schulzeit diese und andere Demokratiefragen kaum eine Rolle gespielt haben und dass das Kernfach der politischen Bildung ein Randfach in jeder Hinsicht war – und damit auch die Erziehung zur Demokratie.

Der Schwerpunkt dieser Aprilausgabe der tz geht genau diesem Problem nach und beleuchtet die Stellung der Demokratieerziehung an den Thüringer Schulen aus verschiedenen Perspektiven: die Sicht der Politikdidaktik auf die marginalisierte Rolle von Sozialkunde, eines Lehrers auf diese Fach, von Schüler*innen auf ihre Mitbestimmungs(un)möglichkeiten, von einer Elternvertreterin auf die zu späte Demokratieerziehung und kaum vorhandene praktische Ausübung, von der Forschung auf das Optimierungspotenzial in der Ausbildung, von einem Schulleiter auf undemokratischen Unterricht und Klassenräte, von der Konzentration des TMBJS auf die Demokratieerziehung mit Projekten und von einem Beispielprojekt, was punktuell, aber eben nicht systematisch zur Demokratie erzieht.

Und nun viel Spaß und Erkenntnisse beim Lesen!

p.s.: Hast Du Anmerkungen, Lob oder Kritik zu diesem Schwerpunkt (oder zu anderen Inhalten)? Dann schreib an die Redaktion: tz(at)gew-thueringen(dot)de

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