GEW Thüringen
Sie sind hier:

Vorbildliche Bildungsräume

Mit dem Preis „Vorbildlicher Bildungsraum“ würdigen wir Einrichtungen, die den Ansprüchen von Kindern, Eltern und den Beschäftigten auf hohe pädagogische Qualität und angemessene Tarifbedingungen gerecht werden. Wir lenken den Blick auf die Situation der Erzieher/innen, die mit ihrem Engagement die Grundlagen frühkindlicher Bildung schaffen, und bauen gleichzeitig auf die Strahlkraft, welche die prämierten Vorbilder auf andere Einrichtungen und Träger ausüben können. Der Titel ist diesbezüglich eine gute Möglichkeit, die Beschäftigten zu motivieren. Mehr Informationen sind hier zu finden: www.gew-thueringen.de/vorbildliche_Bildungsräume.html

01.02.2015

Mit dem Preis „Vorbildlicher Bildungsraum“ würdigen wir Einrichtungen, die den Ansprüchen von Kindern, Eltern und den Beschäftigten auf hohe pädagogische Qualität und angemessene Tarifbedingungen gerecht werden. Wir lenken den Blick auf die Situation der Erzieher/innen, die mit ihrem Engagement die Grundlagen frühkindlicher Bildung schaffen, und bauen gleichzeitig auf die Strahlkraft, welche die prämierten Vorbilder auf andere Einrichtungen und Träger ausüben können. Der Titel ist diesbezüglich eine gute Möglichkeit, die Beschäftigten zu motivieren. Mehr Informationen sind hier zu finden: http://www.gew-thueringen.de/vorbildliche_Bildungsräume.html

Wie es zur Bewerbung kam, was gut läuft und was sich verbessern müsste – darüber haben wir mit den beiden Leiterinnen der zuletzt von der GEW Thüringen ausgezeichneten Kitas „Sackpfeife“ und „Taubach“, beide aus Weimar, gesprochen:

Leiterin Karin Witte von der Kita Taubach

Warum hat sich ihre Einrichtung beworben? Wer hat die Initiative dazu ergriffen? Welche Hoffnungen haben sie damit verbunden?

Die Initiative ist aus einer Teamdiskussion heraus entstanden, in Zusammenarbeit mit den Eltern. Dort haben wir uns gefragt: „Trauen wir uns das zu? Sind wir als Einrichtung schon soweit?“ Alle waren der Meinung, ja wir versuchen das.

Diente die Einrichtung „Waldstadt“ ihnen für eine Bewerbung als Vorbild oder kam der Impuls von ihrem Träger?

Der Träger hat die Kampagne „Vorbildliche Bildungsräume“ in einer Beratung all seinen Leiter/innen vorgestellt. Wir haben länger überlegt, aber von Anfang an den Gedanken gehabt, das wir es wohl versuchen werden.

Was ist das Besondere an ihrer Einrichtung, an ihrer pädagogischen Arbeit und an ihrem Konzept?

Die konzeptionelle Arbeit in den Kindergärten der Hufeland Trägergesellschaft ist ähnlich, weil die Räumlichkeiten ähnlich sind. Das Besondere an unserem Kindergarten ist unsere Verortung sind im ländlichen Raum und dass wir sehr naturverbunden. Unsere Kinder haben viele Möglichkeiten, weil sie – sobald sie den Kindergarten verlassen – in der Natur stehen. Wir gestalten viele Projekte zum Thema Natur, Umwelt und Tiere. Zudem finden wir es gut, dass wir ein kleiner Kindergarten sind. Bei etwa sechzig Kinder hat das einen fast familiären Charakter.

Welche Wünsche für Verbesserungen haben sie an die Rahmenbedingungen, zum Beispiel bei ihrem Träger und der Politik.

Mehr Personal an den Kitas! Noch vor der Entlohnung steht bei mir der Wunsch nach mehr Personal. Wir haben den geforderten Betreuungsschlüssel und denken, dass der Personalschlüssel für die über Dreijährigen verbesserungswürdig ist. Auch die unter Dreijährigen sollten einen anderen Betreuungsschlüssel haben. Der Ländermonitor einer Studie der Bertelsmann-Stiftung offenbarte auch
wieder, dass Thüringen im Vergleich mit anderen Bundesländer immer noch einen zu hohen Betreuungsschlüssel aufweist.

Sehen sie Verbesserungspotenzial auf Seiten des Trägers?

Ganz ehrlich: Wünsche an meinen Träger habe ich eigentlich keine.

Welche Wünsche haben sie an die GEW?

Die GEW soll sich weiterhin stark machen für die Lobby der Erzieherinnen. Weiterhin wäre anzustreben, das die Kitas in Thüringen alle auf das gleiche fachlich-qualitative Level kommen. Ansonsten ist es natürlich immer unser Wunsch, für eine bessere Entlohnung zu kämpfen.

Leiterin Clivia Malleskat von der Kita Sackpfeife

Warum hat sich ihre Einrichtung beworben? Wer hat die Initiative dazu ergriffen? Welche Hoffnungen haben sie damit verbunden?

Wir haben uns beworben, weil ich das ganze als eine sehr wunderbare Sache ansehe, dass  Einrichtungen zertifiziert werden. Und es gibt doch Unterschiede in der pädagogischen Arbeit zwischen Kindereinrichtungen. Wer gute pädagogische Arbeit leistet, gute Qualität hat, der sollte das auch nach Außen tragen dürfen.

Kam der Impuls für die Bewerbung von Ihnen, aus dem Kollegium oder von ihrem Träger?

Der Impuls kam vom Träger. Als Wunsch, nicht als Druck.

Was ist das Besondere an ihrer Einrichtung, an ihrer pädagogischen Arbeit und an ihrem Konzept?

Das Besondere an einer meiner Einrichtungen sind die Räume. Es sind sechs Meter hohe Räume, wo Spielpodeste und Landschaften eingebaut sind. Was uns weiterhin ausmacht ist, dass wir nach dem Konzept der offenen Arbeit tätig sind. Selbstbildung spielt bei uns eine große Rolle. Die Kinder können viel selbst entscheiden.

Welche Wünsche für Verbesserungen haben sie an die Rahmenbedingungen, zum Beispiel bei ihrem
Träger und der Politik?

Das ist schwer zu sagen. Ich würde mir wünschen, dass es mehr anerkannt wird, was wir täglich leisten.

Also meinen sie Anerkennung in finanzieller Hinsicht oder öffentliche Anerkennung?

Beides. Ich kenne sehr viele Einrichtungen und ich weiß, wie viele Einrichtungen arbeiten. Ich bekomme sehr oft von Eltern, die den Wunsch haben zu uns zu wechseln, ein Feedback. Diese berichten, dass es in anderen Einrichtungen nicht gut läuft oder Sachen passieren, die es heute eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Die dort tätigen Erzieher bekommen genau das gleiche Geld wie wir und das finde ich nicht fair. Es gibt Einrichtungen, die sehr viel Engagement zeigen, und solche, die nie viel getan haben.

Ihr Wunsch zielt demnach auf eine abgestufte Bezahlung nach qualitativer Einschätzung?

Richtig. Und ich würde mir die Zertifizierung, der wir uns mit der Bewerbung als „vorbildlicher Bildungsraum“ gestellt haben, für alle wünschen. Das sollte dann auch in die Öffentlichkeit gebracht werden. Ähnlich wie bei Hotels. Dort werden je nach Qualität Sterne vergeben. Wir sind für Eltern alle gleich. Das ist aber nicht so.

Wäre dies eine Verbesserungsbereich, der mit ihrem Träger zusammenhängt?

Ja. Anderseits denke ich, dass auch ihm die Hände gebunden sind. Ich bin da in einem Zwiespalt.

Sie sprachen davon, dass wir – als GEW – uns für eine abgestufte Bezahlung nach qualitativen Maßstäben einsetzen sollten. Haben sie noch andere Wünsche an ihre Gewerkschaft?

Für mich wird das jetzt wieder zum Thema: was die Gewerkschaft für uns tun kann. Vorher war alles so selbstverständlich: man hat jeden Monat das Geld bekommen. Aber durch den Zertifizierungsprozess und durch den anstehenden GEW-Imagefilm, bei dem unsere Einrichtung gefilmt werden wird, wird mir wieder bewusst, dass wir alle in die Gewerkschaft eintreten sollten, um mitwirken und mitgestalten zu können.

Die Fragen stellte Michael Kummer.

 

Zurück