GEW Thüringen
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Verbeamtung - und alles gut?

Bildungsministerin Dr. Birgit Klaubert hat in der Ausgabe des MDR-Fernsehmagazins „Fakt ist..!“ vom 05.12.2016 angekündigt, dass bis Jahresende das Kabinett über die Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern entscheidet. Begründet wird dies damit, den drohenden Lehrermangel bekämpfen zu wollen. Als Landesvorsitzende der größten bildungspolitischen Kraft Thüringens meine ich, dass diese Entscheidung einerseits das Eingeständnis ist, dass es um die Arbeitsbedingungen Thüringer Lehrerinnen und Lehrern nicht besonders gut gestellt ist. Und andererseits greift diese Lösung zu kurz.

08.12.2016 - Kathrin Vitzthum

Bereits am 30. November 2016 hat sich der Landesvorstand der GEW Thüringen mit dieser Frage beschäftigt und ist zu folgendem Ergebnis gekommen:

„Die Beschäftigungsbedingungen im Schulbereich müssen deutlich verbessert werden. Die GEW Thüringen ist der Ansicht, dass die Schaffung von Verbeamtungsmöglichkeiten im Schulbereich die Probleme, die bei der bedarfsgerechten und dauerhaften Besetzung sowohl von unbefristeten als auch befristeten Stellen entstehen, allein nicht lösen. Hierzu ist u. a. notwendig, den Zusammenhangzwischen Verbeamtung und Änderungen im Besoldungsrecht (zuvorderst die Besoldung/ Eingruppierung der Regelschullehrer in A 13/E 13) herzustellen.

Außerdem fordert die GEW Thüringen ein, wenn es zu Verbeamtungen im Schulbereich kommt, dies nicht nur für ausgewählte Beschäftigtengruppen in Betracht zu ziehen. In diesem Zusammenhanggilt es auch, die Beschäftigungsbedingungen bei den Tarifbeschäftigten weiterzuentwickelnund attraktiver zu machen. Grundsätzlich soll unbefristet in Vollzeit eingestellt werden.“

Neben der Statusfrage bestimmen auch andere Faktoren, ob ein Standort für angehende Pädagog*innen attraktiv ist. Dazu zählen insbesondere die personelle und sächliche Ausstattung, um Unterricht gestalten, Inklusion umsetzen und die Herausforderungen des Schulalltags bewältigenzu können. Entscheidend sind demnach auch Aussichten auf unbefristete Vollzeitstellen und vergleichbare Eingruppierungen.

Die GEW Thüringen erwartet von der Landesregierung, dass sie ein Maßnahmepaket schnürt, um Thüringer Schulen für den Lehrer*innennachwuchs attraktiv zu machen. Unsere Mitglieder haben viele Ideen und wir sind gern bereit, dazu mit dem Bildungsministerium und der Landesregierung zu verhandeln. 

  • Löst die Verbeamtung das Problem fehlender oder abwandernder Lehrerinnen und Lehrer? 

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Kommentare
Name: Günther
Verbeamtung - alles gut?
Ich gehöre in Thüringen als Fachlehrer für Biologie und Chemie zur "aussterbenden Gattung Lehrer" im Regelschulbereich... Das Problem ist unter uns Fachlehrern seit vielen Jahren bekannt, hat aber an verantwortlicher Stelle bisher anscheinend niemanden interessiert oder war nicht bekannt (?)! Dieses Problem löst auch keine Verbeamtung von Lehrern, wenn überhaupt keine Lehrer für Regelschulen ausgebildet wurden in den Problemfächern. Es fehlen Fachlehrer in den Naturwissenschaften, Mathematik, Musik, Fremdsprachen... Sollen nur junge Lehrer mit einer Verbeamtung angelockt werden? Werden auch ältere Kollegen von einer besseren Vergütung profitieren? Habe ich als Angestellter und ehemaliger Teilnehmer am Floating noch eine Chance auf eine höhere Rente bei ein paar Jahren besserer Vergütung? Bisher war meine Arbeit noch nicht einmal eine Höherstufung wert und ich bleibe bezüglich meines Gehaltes ewig 45 Jahre jung!
08.12.2016 - 17:14
Name: Elke
Löst die Verbeamtung das Problem fehlender Lehrer
Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass eine Verbeamtung das Problem des Lehrermangels nicht löst. Es gibt genügend junge LAA, die liebend gern auch als Angestellte/r in Thüringen bleiben würden, aber nicht übernommen werden. Wo finde ich die ehemaligen Studenten und LAA unserer Schule? Drei von ihnen in Wiesbaden, einen in Hannover, in Halle/Saale, in Fulda, in Braunschweig und in Magdeburg. In Thüringen? Keinen! Gerade eben ist in unserer Schule wieder ein engagierter LAA fertiggeworden und hat von den thüringer Schulen, bei denen er angefragt hat, Absagen zur Übernahme erhalten. Es geht also nicht um das Angebot der Verbeamtung sondern um das Angebot eines Arbeitsplatzes. Ergänzend dazu bedarf es einer (Aufstiegs-)Perspektive im thüringer Schulsystem.
08.12.2016 - 18:42
Name: uwe Chour
Es würde die Problematik verringern
Die Verbeamtung ist doch um unsere Landesgrenzen hinweg aktuell Normalität. Deswegen sind doch viele gute ausgebildete Lehrer weg. Auch wenn es einem nicht schmeckt, die Verbeamtung für Lehrer würde für mehr "Hierbleibende" sorgen. Es wäre logischerweise nicht die Problemlösung, aber ein guter Ansatz! Ich kenne junge Leute, die darauf warten im Grundschulbereich; auch die vor kurzem eingestellt wurden. Sie schielen schon woandershin; also Verbeamtung, bevor noch mehr Mangel entsteht!
08.12.2016 - 19:44
Name: Mirko König
Klar, Verbeamtung ist ein Teil der Lösung
Sicher wird die Möglichkeit der Verbeamtung die Attraktivität Thüringens für einzustellende Beschäftigte erhöhen. Voraussetzung ist natürlich eine ausreichende Stellenzuweisung und der Wille des Landes, jungen Leuten Vollzeitstellen ohne Befristung anzubieten. Pädagogik ist ein langfristiger Prozeß und erfordert einen langen Atem und damit auch langfristige Beschäftigung. Welchen Sinn hat eine befristete Beschäftigung, wenn die Musiklehrerin einen Chor aufbauen möchte oder ein Fachlehrer (egal welchen Fachs) die Erfahrung des Unterrichtens in seinem Fach aufbauen will? Eine Klasse bis zum Abi führen? In der BLF Jahr für Jahr besser werden? Unterschiedliche Methoden ausprobieren? Das Kollegium kennenlernen? Die Kinder der ersten eigenen Schüler unterrichten? Und wenn man diese langfristige Arbeit, den Beruf als Berufung sieht, möchte der/die eine oder andere für den Einsatz der eigenen Persönlichkeit auch das höhere Maß an Absicherung, das der Beamtenstatus bietet, haben. Ich schätze meinen Beamtenstatus sehr und weiß nicht, warum er unseren jungen KollegInnen verwehrt wird. Viele von ihnen hätten ihn auch gern, das weiß ich.
08.12.2016 - 22:11
Name: Katja Erbarth
Löst die Verbeamtung das Problem fehlender Lehrer/innen?
Sicherlich nicht löst dies die Personalprobleme nicht ausreichend. Jedoch kenne ich mehrere Kollegen, die sich nach dem Referendariat bewusst wegen der in Thüringen fehlenden Möglichkeit der Verbeamtung für ein anderes Bundesland entschieden haben. Wäre mein Mann nicht Beamter in der Justiz in Thüringen, hätte ich nach meinem Referendariat ebenfalls genau aus diesem Grund Thüringen verlassen. Natürlich ist es für die Gewerkschaft attraktiver möglichst viele Mitglieder zu haben, die nicht durch die Verbeamtung in arbeitsrechtlicher Hinsicht eingeschränkt sind.
08.12.2016 - 22:31
Name: E.Kreyer
Verbeamtung als Lösung?
Dieser Vorstoß der Bildungsministerin zeigt mir eigentlich nur, wie weit die Entscheidungsträger inzwischen von den Problemen entfernt sind, deren Beseitigung sie vorgeben lösen zu wollen! Bemerkenswert: 100% der Langzeitkranken in meinem Wirkungsbereich sind bereits verbeamtet... Wichtiger wäre eine Abschaffung der standardmäßigen Befristung von Arbeitsverträgen und die schulscharfe Ausschreibung von unbefristeten Stellen! Das Durchschnittsalter der Kollegien in Thüringen hat inzwischen eine beängstigende Höhe erreicht - die Zeit läuft uns davon...
09.12.2016 - 10:36
Name: Oskar Mock
Verbeamtung
Ich bin 2002 in Thüringen verbeamtet worden.Es war abenteuerlich, zuerst 80%,aber durch die GEW haben wir es auf 100%geschafft. Hätte ich damals geahnt, was auf mich zukommt, wäre ich nicht Beamter geworden. Ich werde jetzt zwischen 63 und 65 zwei Jahre mit dem Mindestruhegehalt 35% ohne Rente abgespeist. Es gibt keinen Ausgleich, obwohl man uns vor der Verbeamtung suggeriert hat, dass die ruhegehaltsfähige Dienstzeit mit dem 03.10.1990 beginnt. Mit dem neuen ThürBeamtVG von 2012 ist das gekippt worden, mit der Begründung, dass es ja sonst eine Doppelversorgung aus Rente und Pension gibt.Das trifft aber zwischen 63 und 65 nicht zu weil ich ab 2002 nicht mehr in die Rentenkasse eingezahlt habe und erst mit 65 und 6 Monaten Rente bekomme. Meine Altersvorsorgeplanung ist umgestülpt. Die Rechtsbehelfstelle der Landesfinanzdirektion hat mir erklärt , dass Verschlechterungen zu Lasten des Beamten "zulässig" sind. Ich habe mich um eine Rechtsauskunft bei einer Kanzlei bemüht und man hat mir bestätigt, dass dies einen Verstoß gegen den Vertrauensschutz darstellt. Die Sache ist von meiner Seite aus noch in Arbeit. Hier weiter auszuholen würde den Rahmen sprengen. Das Vorhaben, neu einzustellende Lehrer zu verbeamten ist sowieso eine Luftnummer, weil sich das Chaos in der Thüringer Beamtenpolitik (Beförderungspraxis....) vielleicht schon herumgesprochen hat und es kommt keiner. Woanders wäre ich schon längst Oberstudienrat oder mehr gewesen aufgrund meiner Erfahrungen (15 Jahre ehrenamtlich Mitglied inder Prüfungskommission Industriemechaniker IHK Südthüringen ...) Viel Spaß beim Verbeamten
22.12.2016 - 21:20
Name: Oskar Mock
verbeamtung
Ergänzung zu meinem Kommentar vom 22.12.-21.20 Sollte es zur erneuten Verbeamtungswelle kommen, müßte die Landesregierung aber ehrlich sein und die Neuankömmlinge "vor" ihrer Vereidigung über die Fallstricke der Beamtenpolitik in Thüringen informieren (keine zeitgleiche Übernahme von Tarifergebnissen, Ausgrenzung von Studienrät*innen ohne Dienstposten bei Beförderungen, das neue ThürBeamVG selbst..,....,....)
31.12.2016 - 10:54
Name: Weiß wie Schnee
Verbeamtung
Ich habe gerade erfahren, dass eine Höhergruppierung/Beförderung für mich nicht in Frage kommt, da ich nicht zu der dafür vorgesehenen Auswahlgruppe gehöre. Aber die Schulleiter haben sich der Aufgabe gestellt und alle infragekommenden Kolleginnen und Kollegen hospitiert, um sie zu beurteilen. Geht man so mit der Arbeitszeit von Lehrkräften um? Und die Verbeamtung ist auch keine Lösung für dieses Problem, nur mit Stellenwandlungen kann man überhaupt Lehrkräfte für berufliche Schulen gewinnen. Das Schulnetz lässt sich aber ausdünnen in den nächsten Jahren, da es viele Kolleginnen und Kollegen gibt, die in Rente gehen und kein Ersatz da sein wird!
02.01.2017 - 13:49
Name: Oskar Mock
Verbeamtung
Ich habe heute in der Zeitung (Meininger Tageblatt-Freies Wort) gelesen "Verbeamtung von Lehrern verzögert sich". Bis zu Beginn des neuen Schuljahres im Sommer will die Ministerin aber die Verbeamtung eingeführt haben .Frau Klaubert will auch den bis zu 47- jährigen die Möglichkeit geben. Diese sollten aber bedenken, falls sie schon Rentenansprüche erworben haben und später den Wunsch haben, mit 63 in den Ruhestand zu gehen, bekommen sie mit 63 evtl. noch keine Rente und müssen bis zur Rentenzahlung 65+xx Monate mit dem erdienten Ruhegehalt auskommen. Ab Verbeamtung zahlen Sie nämlich nicht mehr in die Rentenkasse ein. Aber "vielleicht" ist bis dahin das ThürBeamtVG reformiert und es gibt einen Ausgleich. Frau Klaubert meint auch, dass junge Lehrer keine finanzielle Nachteile gegenüber ihren Kollegen in Hessen oder Bayern haben sollen. Davon ist aber Thüringen noch weit entfernt wenn man alleine die Beförderungspraxis betrachtet.
02.01.2017 - 16:54
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