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Unterstützer der Woche: Ralf Haderlein

Ralf Haderlein fordert deutlich mehr für die anspruchsvolle Tätigkeit von Erzieherinnen und Erziehern: „Für ihre Arbeit brauchen ErzieherInnen genauso viel Inhaltskompetenz wie Grundschullehrer. Sie mit S6 oder S8 abzuspeisen, ist völlig unangemessen.“ Der Professor für Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz ist langjähriger Experte für frühkindliche Bildung und unser Unterstützer der Woche.

15.07.2015

„Man muss nur in die Bildungspläne schauen, um zu sehen, dass Erzieherinnen und Erzieher nicht angemessen bezahlt sind. Die Pläne sind eine Art Curriculum, zu dessen Umsetzung Erzieher de facto verpflichtet sind. In ihnen geht es um Bildung, Erziehung und Betreuung. Die Vorgaben erfordern, zum Beispiel in Hessen, eine individuelle pädagogische Planung für das einzelne Kind. Für so eine individuelle Planung müssen ErzieherInnen sehr genau beobachten: Wo steht das Kind in seiner Entwicklung? Was braucht es jetzt? Wie ist seine aktuelle Situation in der Familie? Das gibt es meist nicht mal ansatzweise in der Schule. Für ihre Arbeit brauchen ErzieherInnen genauso viel Inhaltskompetenz wie Grundschullehrer. Sie mit S6 oder S8 abzuspeisen, ist  völlig unangemessen. Selbst mit S10 bekommen sie noch – im Einstiegsgehalt – 1.000 Euro brutto weniger als Grundschullehrer. Netto ist die Diskrepanz noch größer, schließlich sind Erzieher nicht verbeamtet und erhalten keine Zuschläge. Vor- und Nachbereitungszeiten gibt es in einigen Bundesländern gar nicht, die Kitas haben teilweise nur ein Drittel der Schulferien geschlossen.

Unsere Gesellschaft profitiert von der Arbeit der ErzieherInnen. Sie setzen sich intensiv mit den Kindern auseinander, eröffnen ihnen individuelle Bildungsfelder, diskutieren ihre Beobachtungen mit den Eltern und Kindern, um gemeinsam das Ziel zu erreichen: die bestmögliche Förderung und Entwicklung des Kindes. Die Kitas sind längst weit mehr als eine Ergänzung zum Elternhaus. Immer mehr Kinder gehen immer früher und immer länger in die Einrichtungen. Das belegen eindeutig die Zahlen der Dortmunder Jugendhilfestatistik. Diese Veränderung ist gewaltig. Die Kinder und ihre Familien in Zeiten der Veränderung erfolgreich zu begleiten, kann nur mit Personal gelingen, das hervorragend qualifiziert ist. Wir müssen den Wert ihrer Arbeit endlich anerkennen, sie entsprechend eingruppieren und besser bezahlen.“

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