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Thüringen als ostdeutscher Primus? - Nur bedingt!

Bildungsgewerkschaft zum Kita-Ländermonitor

Sowohl im Krippen- als auch im Kita-Bereich stagniert der ohnehin unzureichende Personalschlüssel in Thüringen seit Jahren. Jetzt sind der Freistaat Thüringen und der Bund gefragt!

29.06.2016 - Nadine Hübener

Thüringen ist - wie schon im Vergleichsjahr 2012 - weit von dem empfohlenen Personalschlüssel für die Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern in Krippen und Kitas entfernt. Zwar weist der Freistaat für die ostdeutschen Bundesländer den besten Schlüssel auf. Er ist aber noch weit von den Standards in westlichen Bundesländern oder gar von den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung entfernt.

Und: in Thüringen gab es seit der Novellierung des Kita-Gesetzes im Jahr 2010 - trotz bundes- und länderweit intensiv geführter Debatten um Qualitätsverbesserungen im Frühkindlichen Bereich - keine politischen Bestrebungen, den Personalschlüssel oder gar die Fachkraft-Kind-Relation in den Kindertageseinrichtungen zu verbessern. Dieser Stagnationstendenz ist zunehmend ein Thüringer Alleinstellungsmerkmal. 

Mit der nun anstehenden Novellierung des Thüringer Kita-Gesetzes müssen bezüglich des Personalschlüssels endlich spürbare und qualitativ begründete Fortschritte erzielt werden.

Engagement des Bundes gefragt - für ein Kita-Qualitätsgesetz

„Es ist an der Zeit, dass der Bund seiner Verantwortung mit einem Bundesqualitätsgesetz gerecht wird. Mit Standards, die die Erzieher-Kind-Relation, die Freistellung der Leitungskräfte, die Fachberatung und die Anerkennung mittelbarer pädagogischer Arbeitszeit festschreiben, verbessert sich die Qualität in den Kitas strukturell deutlich“, betonte Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Jugendhilfe und Sozialarbeit. Er verwies auf ein Gutachten des Verwaltungsrechtlers Prof. Joachim Wieland von der Universität Speyer. Dieser hatte festgestellt, dass die im Grundgesetz verbrieften Rechte auf vergleichbare Lebensverhältnisse nicht mehr gewährleistet seien, wenn Eltern keine verlässliche, vergleichbare Kita-Bildung für ihre Kinder bekommen. Rechtlich sei der Weg für ein Bundeskitagesetz also frei. „Und: Wenn der politische Wille da ist, kann ein Bundesqualitätsgesetz auch finanziert werden“, unterstrich das GEW-Vorstandsmitglied. „Was für den Hochschulbereich möglich war – die Lockerung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern – muss auch für die frühkindliche Bildung gelten. Kinder sind nicht nur die Zukunft eines Landes, sondern auch die Gegenwart.“

 

Info: Laut der Bertelsmann-Studie liegt der Personalschlüssel in den Ländern im Krippenbereich zwischen 1:3,0 und 1:6,4 (Fachkraft-Kinder). In Thüringen beträgt er 1:5,3. Im Kindergartenbereich für die Drei- bis Sechsjährigen zwischen 1:7,3 und 1:14,1. In Thüringen liegt er bei 11,4. Wissenschaftler empfehlen eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:3 (Krippe) und 1:7 bzw. 1:8 (Kita). Dabei spiegelt der Personalschlüssel nicht die reale Situation vor Ort wider: Die Erzieher-Kind-Relation in den Einrichtungen ist deutlich schlechter als der Personalschlüssel, den die Länder festlegen.

Nach den Berechnungen der Bertelsmann Stiftung würde die Verbesserung des Personalschlüssels zusätzlich 4,8 Milliarden Euro kosten (in Thüringen zusätzlich 376 Mio.). Bereits für 2013 hatten sich die Staaten der Europäischen Union darauf verständigt, ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts für frühkindliche Bildung auszugeben. Deutschland liegt zurzeit bei 0,76 Prozent.

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