GEW Thüringen
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Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes in ThüringenStatt Wahlgeschenke dringend in die Verbesserung des Personalschlüssels investieren!

Heute überreichte die GEW Thüringen dem Thüringer Bildungsminister 1.000 Postkarten von Erzieherinnen und Erziehern und von Eltern Thüringer Kitas, die anstelle eines zweiten beitragsfreien Kitajahres einen deutlich besseren Personalschlüssel fordern. „Statt Wahlgeschenke vorzubereiten, sollte das Bildungsministerium tatsächlich die Qualität in den Kitas verbessern“, so Nadine Hübener von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Thüringen. Die Erzieherinnen und Erzieher brauchen vor allem mehr Zeit für die Kinder, um den Anspruch nach guter Bildung und Erziehung im Kindergarten gerecht zu werden.

14.12.2018 - Nadine Hübener

Das Bundesgesetz zur Qualitätsverbesserung in der Kindertagesbetreuung („Gute-Kita-Gesetz“) tritt nach dem heutigen Bundesratsbeschluss zum 1. Januar 2019 in Kraft. Die Bundesländer – und so auch Thüringen – vereinbaren mit dem Bund, in welchen Bereichen sie Qualitätsverbesserungen umsetzen wollen. Das Thüringer Bildungsministerium hat bereits deutlich gemacht, dass die Bundesmittel hauptsächlich in die Etablierung eines weiteren beitragsfreien Kitajahres fließen sollen. Die GEW Thüringen hält diesen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt jedoch für falsch und mahnt an, Qualität nicht gegen Gebührenfreiheit auszuspielen. Die Beschäftigten brauchen stattdessen eine deutliche Verbesserung des Personalschlüssels  – nur so kann die angestrebte Qualitätsverbesserung erreicht werden.

Deshalb hat die Bildungsgewerkschaft heute Bildungsminister Helmut Holter die auf 1.000 Postkarten geschriebenen Wünsche der Beschäftigten der Kitas überreicht, denn deren alltagspraktische Perspektive und Wünsche an eine tatsächliche Qualitätsverbesserung in der Kindertagesbetreuung wurde bisher kaum gehört. Die Verbesserung des Personalschlüssels steht dabei mit Abstand ganz oben auf der Wunschliste, hier einige Beispiele:

  • „Ich will kein zweites beitragsfreies Kita-Jahr. Ich möchte dieses Geld lieber in den Personalschlüssel investiert haben. Damit sichern wir die Qualität für alle Kinder und Familien. Im gleichen Zug sorgen Sie damit für eine Entlastung der pädagogischen Fachkräfte – angesichts stetig steigender und komplexer Anforderungen ein wesentlicher Aspekt der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Das sollten wir Ihnen wert sein!“ (Erzieher)
  • „Ich will einen besseren Personalschlüssel!“ (Elternbeirat)
  • „Ich will mehr Personal für unsere Kitas! Schon ein Ausfall von zwei Erzieherinnen pro Tag gewährleistet noch gerade so die Versorgung der Grundbedürfnisse unserer Kinder – jedoch sieht es dann mit speziellen Bildungsmöglichkeiten schlecht aus.“ (Mutter)
  • „Ich will, dass der Personalschlüssel verbessert wird! Ich liebe meinen Beruf und gebe mein Bestes. Ich fühle mich oft abgespannt und müde, weil einfach die ´Hände` für viele Kinder fehlen.“ (Erzieherin)
  • „Ich will jedem Kind genügend Aufmerksamkeit widmen. Dafür benötigen wir einen besseren Personalschlüssel.“ (Erzieherin)
  • „Ich will nicht so oft allein mit dreizehn Dreijährigen dastehen, wenn meine Kollegin Urlaub oder Weiterbildung hat oder krank ist. Ich bin schwerbehindert, aber niemanden interessiert es.“ (Erzieherin)

Die GEW Thüringen fordert und erwartet vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS), die Perspektive und Wünsche der Beschäftigten ernst zu nehmen und entsprechende und deutlich wahrnehmbare Schritte der Qualitätsverbesserung in den Kitas mit den Bundesmitteln einzuleiten.

Dem Bildungsminister waren die Probleme und daraus abgeleiteten Forderungen der Beschäftigten nicht neu. Gleichwohl wurden sie ihm mit unserer Postkartenaktion durch die persönliche Betroffenheit sehr eindrücklich vermittelt. Um die Meinung von 13.000 Thüringer Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung wird er nicht herum kommen. 

Die Aktion sollte ihm noch einmal deutlich machen, dass kostenfreie Bildung eine Forderung im Zuge von Gerechtigkeits- und nicht von Qualitätsdebatten ist.  Die Erzieher*innen fordern den Freistaat Thüringen auf, aus eigenen Mitteln Maßnahmen zu ergreifen, die zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen, und Bundesmittel für echte Qualitätsverbesserungen einzusetzen. 

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