GEW Thüringen
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Schreiben an den Schulamtsleiter von SüdthüringenSorge um die Gesundheit der Kolleg*innen

Kurz vor Ende der Herbstferien zeigten sich die Suhler Kolleg*innen sehr besorgt, dass die im Schulamt Südthüringen geltenden Regelungen zur Umsetzung von Teilabordnungen den Schutz der Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen aktuell nicht ausreichend berücksichtigen. Aus diesem Grund verfasste der Kreisvorstand am 27. Oktober ein Schreiben an den Schulamtsleiter, welches im folgenden aufgeführt ist.

27.10.2020 - Kreisvorstand der GEW Suhl

„Sehr geehrter Herr Kaufmann,

mit großer Sorge nehmen wir die öffentlich zugänglichen Zahlen der infizierten, schwer und schwerst erkrankten oder auch sich in Quarantäne befindenden Menschen in unserem Südthüringer Raum zur Kenntnis. Die sogenannte zweite Welle ist nun auch überdeutlich in unserer Region angekommen. Sie als der Leiter des Staatlichen Schulamts Südthüringen haben sich bestimmt schon viele Gedanken über die Umsetzung der Fürsorgepflicht für die Beschäftigten in Ihrem Schulaufsichtsbereich gemacht.

Wie soll es nach den Herbstferien 2020 weitergehen?

Wir als Suhler Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft setzen uns ebenfalls mit dieser Thematik auseinander, denn sehr viele unserer Mitglieder sind oder waren Beschäftigte in diesem Schulamt. In der jetzigen Situation stetig weiter anwachsender Infektionen mit SARS-CoV-2 sehen wir so mit ganz besonderer Sorge die enorme Zahl der aktuellen Teilabordnungen in unserem Schulamt. Mit diesen erhöht sich das Risiko einer Ansteckung unserer Kolleginnen und Kollegen wegen der erhöhten Quote an nicht zu verhindernden Kontakten enorm. Mit Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen haben Stand 26.10.2020 zwei Landkreise des SSA Südthüringen den kritischen Inzidenzwert von 50 pro 100000 überschritten.

Darum sehen wir jetzt insbesondere Teilabordnungen in den Fällen nicht mehr als gerechtfertigt an, wo pädagogisches Personal hierdurch in Landkreise hinein oder aus ihnen heraus wechselt, deren Inzidenz über 50 eingestuft wird. Auch eine Teilabordnung innerhalb solcher Landkreise sollte nicht mehr stattfinden.

Die sonst auch von uns akzeptierte Notwendigkeit von Abordnungen zur Absicherung von Unterricht oder anderweitiger pädagogischer Betreuung und Förderung muss jetzt dem Gesundheitsschutz gegenüber hintanstehen. Diese hochmobilen Personalmaßnahmen mit jeder Menge zusätzlicher Kontakte passen aktuell nicht zur Lage in Südthüringen.

Um den Präsenzunterricht, wie er während der grünen TMBJS – Stufe vorgesehen ist, weitestgehend umsetzen zu können, fordern wir Sie, Herr Kaufmann, hiermit dringend auf,

  1. alle derzeit laufenden Teilabordnungen schnellstmöglich überprüfen zu lassen, wenn sie in den jeweils betroffenen Landkreisen, in sie hinein oder aus ihnen heraus stattfinden,
  2. sich von allen hier zuzuordnenden teilabgeordneten Beschäftigten eine erneute schriftliche Zustimmung zu dieser Personalmaßnahme geben zu lassen und
  3. alle diese Teilabordnungen ohne erneute schriftliche Zustimmung sofort zu beenden.
  4. Zusätzlich sollten Teilabordnungen von Beschäftigten, die zu einer vom TMBJS festgelegten Risikogruppe gehören, in den Landkreisen nach Maßgabe von Punkt 1 sofort beendet werden.
  5. Für den Bereich der Zuweisungen im Gemeinsamen Unterricht sollten mit den Beschäftigten einvernehmlich abgestimmte Entscheidungen getroffen werden, die zum Einsatz an nur noch einer Einrichtung führen sollten.
  6. Sollte es zur Stufe Gelb an einer Einrichtung kommen, sind sofort alle an sie und von ihr teilabgeordneten Beschäftigten vom Präsenzunterricht auszuschließen, auch wenn sie schriftlich zugestimmt haben.

Die bestmögliche Absicherung von Unterricht, Betreuung und Förderung an allen Schulen kann nur an zweiter Stelle hinter dem Schutz der Gesundheit und des Lebens unserer Kolleginnen und Kollegen als auch der Kinder und Jugendlichen stehen.

Sehr geehrter Herr Kaufmann, bitte setzen Sie schnellstmöglich diese notwendigen Mindestforderungen unseres Suhler GEW-Kreisverbandes um. Die Zeit drängt. Niemand von uns will die rote oder gelbe Stufe im gesamten Schulamt sehen.

Mit kollegialen Grüßen

Jochen Weiß, Jürgen Röder, Steffen Potratz, Margit Fremde, Thomas Messner 
Kreisvorstand der GEW Suhl“