GEW Thüringen
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Resümee des 28. Gewerkschaftstages der GEW: Was übrig bleibt ...

Auch ein paar Tage nach dem GEWerkschaftstag in Freiburg bin ich noch nicht wirklich im Alltag angekommen. Das waren beeindruckende, spannende, intensive Tage mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus allen Bildungsbereichen gewürzt mit heißen Debatten und aufregenden Wahlen.

29.05.2017 - Kathrin Vitzthum

  • Bildungspolitik

Die Delegierten haben die Schwerpunkte der nächsten vier Jahre bestimmt.Das bedeutet für uns in Thüringen, unsere Arbeit einerseits fortzusetzen, an anderen Stellen aber auch neu zu justieren. Das Thema Lehrer*innenbildung greift Steffi Kalupke in ihrem Beitrag auf, deswegen hier nur so viel dazu: Es ist ein sehr komplexes Konzept und ich bin gespannt, wen wir als Partner*in für die Umsetzung gewinnen können. Auch das Thema Inklusion war ein Herausragendes in der Fülle der Anträge. Es ging und geht immer wieder um die Frage, wie wir einerseits dem Anspruch auf gemeinsames Lernen gerecht werden und andererseits die Belastungen für die Kolleg*innen nicht aus dem Auge verlieren bzw. verbessern können. Zur Inklusion gibt es keine Alternative, das wurde in den Beiträgen deutlich, aber zur Ausstattung mit personellen, sächlichen und räumlichen Ressourcen sehr wohl. Kontrovers und intensiv wurde die Digitalisierung, also Bildung 4.0, diskutiert. Hier haben wir ganz sicher noch nicht alle Facetten beleuchtet, der gefasste Beschluss weist uns aber einen ersten Weg in die weiter ausstehende Debatte. Das Primat der Pädagogik gilt unabhängig vom eingesetzten Medium. Mit dieser Grundvoraussetzung müssen die komplizierten Fragen des Digitalen versus des Analogen im Lehren und Lernen beantwortet werden.  

  • Gesellschaftspolitik

Als erstes Bundesland mit der AfD im Landtag waren wir Thüringer*innen mit unserem Beschluss, nicht mit der AfD, ihren Gliederungen und der Landtagsfraktion zusammenzuarbeiten, schon Vorreiter. Der Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten(BASS) hat die wichtiger gewordene Debatte nun deutlich zugespitzt. Einstimmig beschlossen wurde, dass sich AfD und GEW diametral gegenüberstehen. Eine Unvereinbarkeitsklausel aber gibt es nicht, vielmehr wollen wir darauf achten, ob GEW-Mitglieder öffentlich mit den Grundinhalten der GEW entgegenstehenden Positionen und Handlungen auftreten und dann in die Auseinandersetzung gehen. Ein Ausschluss ist das letzte Mittel der Wahl. Die GEW hat zudem beschlossen sich aktiver im Kampf gegen Rechts zu engagieren. Auch dies ein klares Signal und eine entschlossene Haltung für die Unteilbarkeit der Menschenrechte. Hinzu kommen die Solidaritätserklärungen mit inhaftierten Wissenschaftler*innen in der Türkei und das Bekenntnis, Migration als Chance und Herausforderung zu sehen. Diese Einstimmigkeit innerhalb der GEW zeigt mir einmal mehr, in der richtigen GEWerkschaft zu sein.  

  • Tarifpolitik

Einigkeit, aber auch Wissen um die damit verbundenen Anstrengungen,herrschte bei den Anträgen zu tarifpolitischen Themen. Wir werden uns gemeinsam für die Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes stark machen und das in beiden Tarifbereichen. Frühkindliche Pädagogik muss sowohl im TVöD als auch im TV-L endlich die Anerkennung erfahren, die gesellschaftlich längst selbstverständlich ist. Das begründet auch die Zustimmung zur weiteren Kampagne „Ja 13 – Weil Grundschullehrer*innenes verdienen“. Es kann nicht sein, dass Pädagog*innen für ihre Arbeit mit den Kleinen weiterhin schlechter bezahlt werden als die Pädagog*innen für die Größeren und Großen. Die mittelbare Geschlechterdiskriminierung, die dafür sorgt, dass vor allem Frauen geringe Einkommen haben, in Teilzeit arbeiten und Altersarmut fürchten, muss ein Ende haben. Der Vorstandsbereich Tarif- und Beamtenpolitik hat den deutlichen Auftrag bekommen, den TV EntgO-L zeitnah weiterzuentwickeln und vor allem zu verbessern. Die in diesem Tarifvertrag manifestierten Schlechterstellungen von Lehrkräften sind dringend aufzuheben. Klar ist aber auch, dass das nur gemeinsam gelingt, also alle Landesverbände ihre Kraftanstrengungen erweitern. Dies gilt vor allem für uns Thüringer*innen, da ist noch viel Luft nach oben.

Die prekären Arbeitsbedingungen an den Hochschulen bleiben trotz bisher erreichter Erfolge eine Daueraufgabe der GEW.  

  • Organisationsentwicklung

Auch wenn die Junge GEW mit ihrem Antrag nach einer Jugendquote nicht erfolgreich war, sie hatte zahlreiche Ideen im Gepäck. Nicht nur, dass alle Kandidat*innen die jungen Prüfsteine beantworten mussten, nein, sie haben die GEW angetrieben mit vielen wichtigen Anträgen. Einer davon war der zur Organisationsentwicklung, den David Jugel gemeinsam mit Marlis Tepe als wiedergewählte Vorsitzende vorstellte. Die GEW braucht mehr und junge Mitglieder, wenn sie den Generationenwechsel als starke Gewerkschaft gestalten will. Das braucht Kooperation zwischen den verschiedenen Ebenen der GEW und Austausch und Unterstützung zwischen den Landesverbänden. 

  • Was übrig bleibt …

... ist meine nicht wegzuschreibende Enttäuschung über den verpassten Neuanfang im Vorstandsbereich Schule.

Was übrig bleibt, ist die Enttäuschung darüber, dass die Zeit zum Diskutieren trotz aller Pläne am Ende zu knapp war.

Was aber auch übrig bleibt, ist das Gefühl, dass die Thüringer Delegierten eine tolle Gruppe waren, die mit Konzentration, aber auch viel Humor an diesem Gewerkschaftstag teilgenommen hat. Nun gilt es, die Beschlüsse noch einmal in Ruhe anzuschauen und Rückschlüsse für unsere Arbeit vor Ort zu ziehen.

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