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Beobachtungen zum Barcamp am Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gymnasium Leinefelde„Quo vadis Demokratie?“

Die Lehrer*innen des Wahlpflichtfachs Gesellschaft an unserer Schule luden junge Menschen vom Barcamp „Vorsicht, Demokratie“ ein und veranstalteten einen „Vorsicht, Demokratie!“-Projekttag in Form eines Barcamps. Hier meine Beobachtungen.

11.04.2019 - Thomas Pfeuffer - stellv. Landesvorsitzender und Lehrer am Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gymnasium Leinefelde

In der attischen Demokratie war es gut, ein Mann zu sein und Bürger der Polis. Heute brauchen wir demokratisch gebildete und mündige Männer und Frauen, um die Gesellschaft zu gestalten und am Laufen zu halten. Spätestens in der Schule sollte dieses Ziel in den Blick genommen werden. Zum einen zeichnet das Fach Sozialkunde dafür verantwortlich, zum anderen ist das Einüben demokratischer Praxis in der Schule nötig.

  • Das Experiment

Drei 10. Klassen, knapp 70 Schüler*innen, checkten in der Aula ein und stellten sich unter Verwendung von Hashtags vor. Nach einem kurzen Input zu Mitbestimmung an Thüringer Schulen starteten die jungen Demokrat*innen mit der Arbeit. Nachdem die Themen auf Moderationskarten geschrieben wurden, wurden anschließend 12 sogenannte Session-Topics durch eine Wahl bestimmt. Die Teilnehmenden haben damit für diesen Freitag ihren eigenen Stundenplan bestimmt. Ein bedeutendes Stück Demokratie und Mitbestimmung!

In zwei Blöcken berieten und diskutierten sie in größeren und kleineren Gruppen die Themen. Ein Wechsel des Raumes war jederzeit möglich. Die Diskussionsverläufe und die  Ergebnisse wurden mithilfe von Pads festgehalten und waren den Teilnehmenden anderer Gruppen jederzeit in Echtzeit verfügbar. Im Plenum wurden dann die Ergebnisse aus den einzelnen Diskussionsrunden präsentiert und kurz besprochen.

  • Die Auswertung

Sehr spannend war die Feedback-Runde. Der Grundtenor war sehr positiv - nicht weil Unterricht ausgefallen ist, sondern aufgrund der Erfahrung selbstwirksam zu sein. Zum Beispiel wurde es überaus positiv eingeschätzt, einen Stundenplan selbst zu gestalten. Insgesamt wurden viele „positive“ Feedbacks gegeben. „Negativ“ wurde von einzelnen Schüler*innen bemerkt, dass hin und wieder Diskussionsleiter*innen stark einzelne Meinungen präferierten und nicht jede Meinung als gleichwertig haben gelten lassen. 

„Demokratie ist scheinbar manchmal schwer auszuhalten.“ Diese Aussage kam von einer Schülerin am Ende der Feedback-Runde. Häufig wurde die zu kurze Vorstellungsphase kritisiert, da es der Zeitplan nicht zuließ, die Ergebnisse der zwölf Themen noch mal im Plenum zu besprechen.

  • Beobachtungen eines Lehrers

Als Beobachter habe ich junge Menschen gesehen, die fähig und willens sind, sich für Ihre Belange einzusetzen und zu streiten. Spannend war auch die Erkenntnis, dass die überwiegende Mehrheit sehr moderate Positionen bezogen und nur selten radikale Forderungen artikuliert wurden. Das demokratische und respektvolle Streiten und vor allem das Aushalten anderer Meinungen und Argumente braucht Übung, Erfahrung und eine große Portion Toleranz. Um diese Grundvoraussetzungen zu erarbeiten, müssen diesen und dem demokratischen Handeln nicht zuletzt in Schulen bedeutende Räume gegeben werden. Es war ein Experiment, dass ich Lehrer*innen aus voller Überzeugung ans Herz legen kann.

„Quo vadis Demokratie?“ fragte ich eingangs. Wenn die Gesellschaft - insbesondere die Schule - der Demokratieerziehung und dem Demokratiehandeln die notwendige Priorität und entsprechende Betätigungsfelder für junge Menschen öffnet, dann muss niemandem bange werden.

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