GEW Thüringen
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PEK zum Gesundheitsmanagement. Eine endlose Geschichte?

Im Jahre 2011 gingen wir als drei GEW-Mitstreiter*innen Dana Kecke, Steffi Kalupke und Thomas Messner mit in die Verhandlungen zu einem Personalentwicklungskonzept (PEK) im Bereich Schule, und hierbei insbesondere zur Thematik Arbeits- und Gesundheitsschutz. Wir waren überzeugt davon, als gewählte Schwerbehindertenvertreter bzw. als Mitglied des Hauptpersonalrates (HPR) und im Arbeits- und Gesundheitsschutz tätig, gut gewappnet zu sein im Ringen um einen realitätsbezogenen und alle Seiten umfassenden Gesundheitsschutz für unsere Kolleg*innen.

09.06.2016 - Steffi Kalupke

Und wir gaben uns auch redlich Mühe. In Zusammenarbeit mit Vertreter*innen anderer Lehrerverbände und Mitarbeiter*innen des damaligen TMBWK versuchten wir wochenlang in vielen Zusammenkünften echte Entlastungen sowohl für die „einfachen“Pädagog*innen als auch für die Schulleiter*innen zu notieren. Aber klare Formulierungen, eindeutige Entlastungvorschläge wurden nicht oder nur begrenzt angenommen. Weil fast alles, was wir forderten,auch Geld kostet. Mindestens eine Klassenleiterstunde als echte Wertschätzung dieser besonderen Position mit ihrer ständig steigenden Aufgabenfülle stand für uns dabei an erster Stelle unserer Forderungsliste. 

Was kam am Ende heraus?

Ein Stück Papier, was uns nicht unzufrieden stimmen ließ. Denn wirhatten die ersten Schritte in die richtige Richtung getan. Es wurdenämlich laut im Kultusministerium über die wachsenden Belastungenin allen Schularten gesprochen:

  • über den immer größer werdenden Verwaltungsaufwand,
  • über die wenig sinnvoll erscheinenden Kompetenztests, oder
  • über die völlig unzureichende Vorbereitung der Pädagog*innenauf den Gemeinsamen Unterricht.

Richtig gut fanden wir dann die Festlegungen zu einer Vertretungsreserve von 4 bis 5 %, Möglichkeiten von Teilzeit für alle Kolleg*innen,egal welchen Alters oder welcher Fächerkombination oder die klaren Punktevorgaben / Regelungen bei notwendigen Abordnungen und Versetzungen.Dann kam endlich die Unterzeichnung im Juni 2013, bei der Kultusminister Christoph Matschie und auch unser damaliger Vorsitzender Torsten Wolf neben Helmut Liebermann vom tbb die ersten Ergebnisse offerierten. Eine Fortschreibung sollte bald folgen, ein neues PEK – TeilII.

Und wir fuhren nun wieder alle 3, 4 Wochen nach Erfurt, um neben den anderen täglichen Aufgaben unsere Ideen und GEW-Standpunkte intensiv einzubringen. Die Gruppen um ein ganzheitliches Gesundheitskonzept waren deutlich vergrößert geworden. Aber leider kamen die Wahlen zum Landtag dazwischen. Und es waren sich die verhandelnden Seiten nicht mehr in allen Punkten einig. Vor allem der CDU-Finanzminister wollte kein zusätzliches Geld locker machen und unsere Ideen verschwanden erst einmal wieder in der Schublade.

Nun, nach mehreren Monaten rot-rot-grüner Regierung, ist der Hauptpersonalrat Bereich Schule initiativ geworden. Auch die GEW-Mitglieder im HPR haben sich auf den Weg zu Verhandlungen zu einer Dienstvereinbarung zum Gesundheitsmanagement begeben. Immer wieder wurde auf die anhaltende Problematik von Langzeiterkrankungen in den Lehrer*innen- und Erzieher*innenkollegien hingewiesen und auch auf die extremen Folgen für die Vertretung dieser langzeitkranken Kolleg*innen über längere Zeiträume.

Die Einforderung einer wirklichen Vertretungsreserve war eines unserer Ziele und daneben auch die stärkere Motivation unserer Kolleg*innen durch wieder einsetzende Höhergruppierungen und Beförderungen, besonders für die „einfachen“ Lehrer*innen, und hier vor allem im Regelschulbereich.

Was sind die aktuellen Forderungen der GEW Thüringen?

Die Arbeitsgruppe Arbeits- und Gesundheitsschutz der GEW Thüringen fordert in Bezug auf ein funktionierendes Gesundheitsmanagement:

  • Feste Strukturen (Netzwerk) in den 5 Schulämtern zur Prävention, mit nicht ständig wechselnden Ansprechpartnern,
  • eine/n gut ausgewählte/n Verantwortlichen für die Pädagog*innen-Gesundheit mit Entscheidungskompetenzen,
  • geschulte Kolleg*innen, die die Wiedereingliederung von langzeiterkrankten Kollegen und Kolleginnen im Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) dauerhaft begleiten können,
  • Suchthelfer*innen , die vor allem auch Schulleiter*innen sensibilisieren können und mit Angeboten für Kolleg*innen,
  • ein klares Analyseinstrument zur Erfassung der psychischen Gefährdungsbeurteilung der Pädagog*innen, um damit auch „echte“ Entlastungen angehen zu können und nicht nur Rückenschulungen, und
  • eine verzweigte Schwerbehindertenvertretung, auch mit Stundenentlastung, damit diese die zunehmende Zahl von über 1000 schwerbehinderten und gleich gestellte Kolleg*innen betreuen können.

Verantwortung der Personalräte bei der Durchsetzung

Wie es dann mit der Umsetzung eines Gesundheitsmanagements bis hin zu den Schulämtern und Einrichtungen aussieht, hängt auch maßgeblich von den gewählten Bezirkspersonalräten in den Schulämtern und auch von starken Örtlichen Schulpersonalräten ab. Und zwar von solchen, die wissen, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz in der vollen Mitbestimmung der Personalräte liegt.

Allein bei der jährlichen Schulbegehung zum Schuljahresanfang müssen die Personalräte den Schulträgern ihre Mitverantwortung deutlich aufzeigen. Lärmpegelmessungen z. B. durch die Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind jederzeit möglich. Oder das schriftliche Anzeigen von Überlastungsanzeigen gegenüber den Schulleiter*innen bzw. Verantwortlichen im Schulamt sind Möglichkeiten, die noch zu wenig zum Einsatz kommen.

Eine echte Mitbestimmung im Gestalten der Schulabläufe ist ein wirksames Mittel zur Gesunderhaltung von Pädagog*innen. Ein gutes, demokratisch geprägtes Schulklima erzeugt ein stärkeres Miteinander, letztlich auch ein größeres Wohlfühlen und Gesundbleiben der Kolleg*innen. Noch zu sehr beeinträchtigt das diktatorische Vorgehen einzelner Schulleitungen das Miteinander in den Schulen. Dies abzustellen bedarf es besserer Unterstützung durch die staatliche Schulaufsicht, der Fachberater*innen, der Schulpsycholog*innen und vor allem auch durch professionelle Beratung bei auftretenden Konflikten.

Der Ansatz zu einem guten Gesundheitskonzept kann deshalb nur lauten:

Verhältnisprävention geht vor Verhaltensprävention!

(Rückenschule bringt nur wenig, wenn das Umfeld nicht stimmt)

Die GEW Thüringen bleibt dran und wird die GEWerkschaftlichen Forderungen zum Thema Gesundheitsmanagement in weiteren Verhandlungen mit dem TMBJS vertreten.

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