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LEO-Studie 2018Noch immer können Millionen Meschen in Deutschland nicht richtig lesen

Diese ernüchternden Zahlen hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) jetzt veröffentlicht. Was nun dagegen getan werden kann.

23.05.2019

6,2 Millionen Menschen können laut der neuen LEO-Studie nicht richtig lesen und schreiben – sie sind funktionale Analphabeten oder verfügen nur über geringe Literalität. Diese Zahlen hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) am 07. Mai 2019 gemeinsam mit der Universität Hamburg in der neue Grundbildungsstudie „LEO 2018 - Leben mit geringer Literalität“ vorgestellt.

„Für ein Land wie Deutschland,sind das erschreckende Zahlen.“

„Die Zahlen sind ernüchternd,“ sagte GEW-Vorstandsmitglied für Berufliche Bildung und Weiterbildung Ansgar Klinger. „6,2 Millionen Menschen haben noch immer keinen Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe“, so Klinger. Von den deutschsprechenden Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 64 Jahren erhöhe sich die Zahl auf 12,1 Prozent. Aktuell seien allein knapp 47 Prozent der Menschen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz zwischen 46 und 65 Jahre alt. „Für ein Land wie Deutschland,sind das erschreckende Zahlen“,sagte Klinger. Auch die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Elke Hannack, schlägt in diese Kerbe: „Funktionaler Analphabetismus ist kein Randphänomen, sondern trifft die Mitte der Gesellschaft. Lesen und Schreiben ist der Schlüssel für eine nachhaltige Teilhabe am Arbeitsmarkt.“

 

Die GEW weist schon seit vielen Jahren auf das Problem hin und skandalisiert die geringe Leistungsbereitschaft von Bund, Ländern und Kommunen zur Verringerung der Analphabetenrate. „Wir brauchen vielfältige öffentliche Angebote, die die Menschen vor Ort abholen. Neben betrieblichen Maßnahmen können Grundbildungszentren an Volkshochschulen entscheidende Schritte leisten, sofern sie personell und finanziell angemessen ausgestattet sind“, forderte Klinger daher. Die GEW setzt sich für einen Anspruch auf Grundbildung ein, der über Lesen und Schreiben hinausgeht. Grundbildung muss auch der persönlichen wie der beruflichen Entfaltung und der politischen wie kulturellen Teilhabe der Gesellschaft dienen. „Schon seit dem Ende der 1970er Jahre sind bei der Grundbildung gesellschaftlich relevante Erkenntnisse nicht umgesetzt worden“, stellte Klinger fest. Viele funktionale Analphabeten seien strukturell gedemütigt und reagierten teils selbst dort mit Misstrauen, wo öffentliche Einrichtungen Grundbildungsangebote unterbreiten.

 

„Gerade angesichts des demografischen Wandels und des aktuellen Fachkräftemangels ist eine gute gemeinsame Strategie von Bund, Ländern und Kommunen für flächendeckende Bildungsberatungsnetzwerke in Verbindung mit Bildungsmentoren in Betrieben erforderlich. Wenn man die Betroffenen endlich gesellschaftlich beteiligen und ihre Potenziale nutzen will“, sagte Klinger.

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