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Kinder- und JugendhilfeMutter/Vater-Kind-Einrichtungen: Neue statistische Erkenntnisse und offene Fragen

Wir alle wünschen uns für unser professionelles Handeln mehr als anekdotische Evidenz. Aber woher nehmen?

07.06.2021 - Sandy Kirchner - GEW-Mitglied, tätig im Bereich Kinder- und Jugendhilfe

Die Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik (kurz: AKJ) versucht die Ergebnisse der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik (KJH-Statistik) für die Nutzer:innen aufzubereiten und erarbeitet auf fachlicher Ebene Kommentierungen, welche sich an die Fachschaft wenden. Weiterhin strebt sie den Dialog mit Statistischen Ämtern sowie der Fachpraxis, Politik und Wissenschaft der Kinder- und Jugendhilfe zur Weiterentwicklung der Statistik an.

Es geht also im Wesentlichen darum, die Statistik für die Fachwelt nutzbar zu machen. Dies geschieht über die „KomDat Jugendhilfe – Kommentierte Daten der Jugendhilfe“, welcher dreimal im Jahr erscheint.

Mehr Bedeutung: Statistik zur Wohnform für alleinerziehende Mütter/Väter

Betrachten wir die aktuelle Ausgabe 03/2020 der „KomDat“, finden wir eine Kommentierung zu den gemeinsamen Wohnformen für alleinerziehende Mütter/Väter und ihre Kinder. Schnell wird deutlich, dass dieses Setting zwar zu den Angeboten der stationären Kinder-und Jugendhilfe gehört, Daten aber im Vergleich zur klassischen Heimerziehung eher lückenhaft und kursorisch erfasst werden. Besonders das Fehlen der Fallzahlenstatistik gibt zu denken, denn Daten zu finanziellen Aufwendungen, die Anzahl der Einrichtungen und die dort Beschäftigten werden sehr wohl erfasst.

Das Volumen der finanziellen Aufwendungen der öffentlichen Gebietskörperschaften für Wohnformen gem. §19 SGB VIII für die Unterbringung von alleinerziehenden Müttern bzw. Vätern umfasst im Jahr 2018 418,6 Mio. EUR. Im Verhältnis zum Jahr 2006 haben sich die Ausgaben damit fast vervierfacht. Aus der Zunahme der Aufwendungen für diese Maßnahme und dem Verhältnis zur Zunahme aller Aufwendungen für die Heimerziehung lässt sich für diese Unterstützungsform für Alleinerziehende ein Bedeutungsgewinn ableiten.

Der Bedeutungsgewinn der Maßnahmen gem. §19 SGB VIII lässt sich auch durch Auswertung der erfassten Strukturmerkmale stützen. Zwischen 2006 und 2018 haben sich die Platzzahlen nahezu verdoppelt. Auch die Zahl der Einrichtung hat sich von 2006 185 Einrichtungen auf 478 Einrichtungen in 2018 vervielfacht.

Nimmt man das Verhältnis zwischen VBE und Betreuten als Qualitätsmerkmal an, so kann auch hier im Durchschnitt eine deutliche Steigerung der Qualität abgeleitet werden. Die Statistik weist eine Zunahme von 0,36 VBE pro Platz in 2006 aus, während in 2018 0,51 VBE pro Platz ausgewiesen werden. Auch die Auswertung des Qualifikationsniveaus der Beschäftigten in den Wohnformen gem. §19 SGB VIII ist durchaus positiv zu werten. Sie weist über alle Beschäftigten hinweg eine knapp 80 % fachlich einschlägige, also (sozial-)pädagogische Ausbildung aus.

Was leider fehlt

Auch wenn die Entwicklung der Zahlen vielfach einen durchaus positiven Verlauf genommen haben, bleibt ein Verweis auf die fehlenden Daten notwendig, denn die empirischen Befunde der KJH-Statistik zu den gemeinsamen Wohnformen gem. §19 SGB VIII bleiben ohne eine aussagekräftige Fallzahlenstatistik leider nur kursorisch.