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Meinungen zum Thema Inklusion

„Belauscht“ in verschiedenen Lehrerzimmern und zusammengefasst.

14.04.2016 - Marlies Jäke, Erzieherin am FÖZ „Am Brahmetal“ Gera, im Auftrag des Kreisvorstandes Gera

Die vom Ministerium erarbeitete Handreichung für den Gemeinsamen Unterricht ist theoretisch gut durchdacht und könnte mit Erfolg umgesetzt werden, wenn nicht die personellen und sächlichen Bedingungen, die in der Praxis vorherrschen, völlig dagegen sprechen würden:

  • Es fehlen Förderpädagog*innen: Stellen werden zwar ausgeschrieben,aber es kommt kaum jemand. Die im GU tätigen Kolleg*innen sind oft überlastet, die Förderzentren können keinen mehr „hergeben“, arbeitenselbst am äußersten Limit.
  • Die Lehrer*innen an den Grund- und Regelschulen stehen oft allein vorder hohen Belastung ohne eine Förderschulausbildung!
  • Die Klassenstärke ist oft viel zu groß.
  • Es fehlen in vielen Schulen die entsprechenden Räumlichkeiten für den GU.
  • Es fehlt das geeignete Material vor Ort. Vieles wird privat besorgt und finanziert.
  • Der eigentliche Aufgabenbereich einer SPF (SonderpädagogischenFachkraft) kann an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen nur sehr begrenzt umgesetzt werden. Die SPF erledigen die gleiche Arbeit wie die Förderschullehrer*innen, werden aber viel schlechter bezahlt(plötzlich gilt die Ausbildung). Das wirkt sehr demotivierend!
  • Die Differenzierungsmöglichkeiten für Kinder mit einem sonderpädagogischenGutachten zur Lernförderung sind an den weiterführenden Schulensehr begrenzt, besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern.
  • Förderpädagog*innen werden teilweise als störend im Unterrichtempfunden, als so genannte „Flüsterpädagog*innen“. Das ist für vieleebenfalls demotivierend, zumal die meisten Förderschullehrer*innengestandene Klassenlehrer*innen in den Förderzentren waren und ihreSchüler*innen erfolgreich auf das Leben vorbereitet haben. Sie fühlensich deplatziert, herabgesetzt, einfach unwohl.

Man könnte die Anstriche noch um ein Vielfaches erweitern. Wir denken aber, dass die meisten Kolleg*innen, die das lesen, dies gedanklich fortführen können.

Wunsch an das Bildungsministerium

Es wäre schön, wenn die mit der theoretischen Inklusion beschäftigten Damen und Herren im Ministerium sich die Meinungen und Hilferufe der Kolleg*innen an der Basis annehmen würden und man eine für alle Beteiligten, einschließlich der betroffenen Schüler*innen, optimalere Lösung finden könnte. Vielleicht wäre eine vierwöchige Praxisarbeit hilfreich?! 

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