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OECD-StudieMehr bilden, besser qualifizieren

Bei der Digitalisierung muss mehr auf Weiterbildung gesetzt werden, um die sozialen Risiken zu minimieren. Darauf macht eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aufmerksam.

20.09.2019 - Till Mischko, Praktikant beim GEW-Hauptvorstand

Die Chancen der Digitalisierung könnten nur genutzt werden, wenn alle Schülerinnen und Schüler davon profitieren, wenn Mittel sozial gerecht verteilt und gute pädagogische Konzepte entwickelt werden. Das machte kürzlich Ansgar Klinger, GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Berufliche Bildung und Weiterbildung, deutlich. Gerade Schulen in sozialen Brennpunkten brauchten Unterstützung bei der Konzeptentwicklung. „Die Länder und Schulträger müssen zudem die spezifischen Besonderheiten der jeweiligen Schulform beachten: So haben etwa berufsbildende Schulen wegen der Zusammenarbeit mit den ausbildenden Betrieben und der regionalen Wirtschaft andere Bedarfe als allgemeinbildende Schulen.“

Bekräftigt werden diese Forderungen in der jüngsten Outlook-Studie 2019 der OECD. Darin betonen die Autorinnen und Autoren, dass künstliche Intelligenz, Robotik sowie neue Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten maßgeblich zu einer Verbesserung der Lebens- und Arbeitsqualität aller Menschen beitragen könnten. Gleichzeitig warnen sie davor, dass der digitale Wandel auch zu einer Verschärfung sozialer Ungleichheiten führen könne, sollten bestimmte Bevölkerungsgruppen und Regionen den Anschluss verlieren. Ob die Vorteile der Digitalisierung ausgeschöpft werden, so das Fazit der Studie, hänge maßgeblich von den Möglichkeiten eines jeden Landes ab, Strategien zu entwickeln, um Arbeitskräfte erfolgreich für die neuen Technologien auszubilden.

Deutschland gut vorbereitet

Im Gegensatz zu anderen OECD-Ländern wie Griechenland, Italien oder der Türkei sei Deutschland auf den digitalen Wandel vergleichsweise gut vorbereitet. Besondere Vorkenntnisse weise laut Studie vor allem die Gruppe der 16- bis 29-Jährigen auf. Auch Lehrkräfte seien trotz erhöhten Schulungsbedarfs mehrheitlich gut ausgebildet. In anderen Bereichen landet Deutschland hingegen eher im Mittelfeld. So etwa bei der Nutzung von Weiterbildungsmöglichkeiten für Erwachsene: Gerade geringqualifizierte Arbeitskräfte und solche, deren Tätigkeiten durch Automatisierungsprozesse ersetzt werden könnten, würden zu selten an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, kritisieren die Forscher.

Um den Herausforderungen des digitalen Wandels standzuhalten, empfiehlt die OECD länderübergreifend konkrete Maßnahmen, die auf intensive Weiterbildungsprogramme für alle Bevölkerungsschichten zielen. So solle das Konzept des lebenslangen Lernens gestärkt werden, das wesentlich auf Selbst- und Informationskompetenzen des Einzelnen gründet. Zudem sollten die Lehrpläne unabhängig von der Schulform angepasst werden, um Ungleichheiten bei den Lernmöglichkeiten entgegenzuwirken. Dies korrespondiere mit der Notwendigkeit qualifizierter Lehrkräfte, die dazu befähigt werden müssten, digitale Technologien im Unterricht zielgerichtet einzusetzen. Darüber hinaus müsse dafür gesorgt werden, dass Bildungs- und Weiterbildungssysteme für Erwachsene am Arbeitsmarkt etabliert werden. Unabdingbar sei zudem, die Systeme für die Anerkennung und Zertifizierung von Kompetenzen an den sich ständig weiterentwickelnden Kompetenzbedarf anzupassen.

„Jetzt brauchen wir Konzepte: Digitale Medien können nur zu pädagogischem Mehrwert führen, wenn sie sinnvoll in ein Gesamtkonzept eingebunden sind.“ (Ilka Hoffmann)

Als bedeutenden Schritt wertet die OECD den Digitalpakt, auf den sich Bund und Länder im März dieses Jahres geeinigt haben und der für eine bessere Ausstattung der Schulen mit digitaler Technik sorgen soll. Doch auch mit den Investitionen in Infrastruktur und Lehrkräftebildung sei es noch längst nicht getan, betont GEW-Schulexpertin Ilka Hoffmann: „Jetzt brauchen wir Konzepte: Digitale Medien können nur zu pädagogischem Mehrwert führen, wenn sie sinnvoll in ein Gesamtkonzept eingebunden sind.“ Hierzu, so Hoffmann, wolle die GEW einen Beitrag leisten.

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