GEW Thüringen
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Handeln statt Zaudern!Luftfilteranlagen für Thüringer Schulen

Die GEW Thüringen kritisiert das unentschlossene Handeln der Landesregierung hinsichtlich des Einsatzes von Luftfilteranlagen an Thüringer Schulen und mahnt stattdessen die Kenntnisnahme der wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeit an. Angesichts weiter steigender Infektionszahlen und nach wie vor fehlender Umsetzung einfachster Arbeits- und Gesundheitsschutzregeln für Beschäftigte an Schulen hält die GEW Thüringen den Einsatz von Luftfilteranlagen für dringend geboten.

11.11.2020 - GEW Thüringen

Dazu Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen:

„Spätestens mit dem Ausschluss von Luftfiltersystemen an Thüringer Schulen muss die Ampel von Grün auf Gelb für alle Schulen umschalten. Dies ermöglicht dann den Schulleitungen, einrichtungsspezifisch den Infektionsschutz zu verstärken und beispielsweise Menschen mit Risikomerkmalen oder mit vorbelasteten Angehörigen von der Präsenzpflicht zu befreien oder auf den Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht umzustellen.“

Das Ampelsystem beruht auf einer Beobachtung einrichtungsspezifischer und regionaler Infektionszahlen. Von 23 Landkreisen und kreisfreien Städten befinden sich 16 im Status Risikogebiet, dennoch verbleiben die Schulen grundsätzlich in der Phase Grün.

„Inzidenzwerte über 50 und die Schulen bleiben grün. Das kann man weder Beschäftigten noch den Eltern erklären. Stoßlüften kann nicht die Antwort auf die Pandemie sein“

, so Kathrin Vitzthum weiter. Noch im Sommer hat Ministerpräsident Bodo Ramelow angekündigt, im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus verstärkt auf technische Lösungen wie z. B. Luftfiltersysteme zu setzen. In Altenburg wurde an einem Gymnasium ein Modellprojekt gestartet, dessen Ergebnisse noch ausstehen. Mehrere Bundesländer haben sich bereits entschieden, die Ausstattung der Schulen mit Luftfiltern zu unterstützen.

Mittlerweile hat sich das Thüringer Bildungsministerium offen gegenüber Luftfiltersystemen gezeigt, sofern sich auch die Landesregierung dafür entscheide. Diese allerdings möchte erst die Wirksamkeit prüfen. Eine solche Prüfung würde allerdings weitere wertvolle Zeit verstreichen lassen, laut Schätzung der Thüringer Finanzministerin vier bis sechs Wochen. Die GEW Thüringen weist darauf hin, dass die Wirksamkeit bereits geprüft ist und selbst das Umweltbundesamt die Wirksamkeit bei richtiger Anwendung der Geräte anerkennt. So berichtete die Tagesschau bereits am 22.10.2020:

„Experten weisen darauf hin, dass mobile Luftfilteranlagen besonders in Klassenräumen nützlich wären, in denen nicht ausreichend stoß- und quergelüftet werden kann, um ansteckende Aerosole aus der Raumluft zu entfernen. In Fachkreisen ist mittlerweile unstrittig, dass sogenannte HEPA-Filter der Klasse H13 und H14 effektiv Aerosole und damit auch Viren aus der Luft filtern. Dass sie auch in Klassenräumen effektiv sind, zeigen neuste Studien.“ 

Dazu Kathrin Vitzthum:

„Wir fordern auf Grundlage nachgewiesener Wirksamkeit die Landesregierung und hierbei vor allem das für Schulbau zuständige Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft auf, die vorliegenden Studienergebnisse zur Kenntnis zu nehmen. Der Einsatz und die Finanzierung von Luftfiltersystemen darf durch die Landesregierung nicht weiter verzögert werden, sondern muss schnellstmöglich angegangen werden.“

Mit ganz besonderer Sorge betrachtet die GEW Thüringen derzeit auch die Zahl der aktuellen Teilabordnungen. Mit diesen erhöht sich das Risiko einer Ansteckung der Lehrkräfte wegen der erhöhten Quote an nicht zu verhindernden Kontakten enorm.

„Die sonst akzeptierte Notwendigkeit von Abordnungen zur Absicherung von Unterricht oder anderweitiger pädagogischer Betreuung und Förderung muss jetzt dem Gesundheitsschutz gegenüber hintanstehen. Diese hochmobilen Personalmaßnahmen mit jeder Menge zusätzlicher Kontakte passen aktuell nicht zur Lage“

, so noch einmal Kathrin Vitzthum.

Weiterhin ist dringend zu prüfen, ob der Einsatz von mehr Schulbussen zu einer Entlastung beim Schüler*innentransport bei gleichzeitiger Entzerrung des Unterrichtsbeginns führt. Hierfür ist dringend das Gespräch mit den Schulträgern und den Schulleitungen zu suchen.

Die erweiterten Testkapazitäten für Lehrkräfte müssen nun ebenfalls auf die Beschäftigten in der Kinder-Jugendhilfe ausgedehnt werden.