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Kommentar zum Leitartikel der TA "An Thüringens Schulen lernen mehr als 5000 Flüchtlingskinder"

Eine rein statistische Herangehensweise wird dem Problem der Flüchtlingskinder an Thüringer Schulen nicht gerecht. Eine Konzentration auf Problemschulen und -orte ist genauso dringend nötig wie das Eingeständnis, dass an den Berufsbildenden Schulen das Engagement des Bildungsministeriums stark ausbaufähig ist.

28.01.2016 - Kathrin Vitzthum, Michael Kummer, Dieter Gebhardt

Ja, es gibt zu wenig DaZ-Lehrer*innen, und ja, es ist unstrittig, dass das Bildungsministerium an dieser Stelle schlicht und einfach die Entwicklung verschlafen hat.

Rein rechnerisch ergeben 5.000 neue Schüler*innen in ca. 1.000 Schulen 5 Schüler pro Schule. Daher ist der Hinweis vom Thüringer Lehrerverband so pauschal wie falsch. Stattdessen gilt es den Blick auf konkrete Problemschulen und –orte zu schärfen, denn die meisten Flüchtlingskinder gehen in die Schulen, die sich in der Nähe ihrer Unterkünfte befinden. Und an diesen Schulen werden eben wesentlich mehr Kinder von Geflüchteten unterrichtet als die errechneten fünf.

Ein konkreter und differenzierter Blick auf das Problem kommt allerdings auch nicht an der Erkenntnis vorbei, dass Grundsatzfragen guter Schule zu weiten Teilen weder in den letzten Jahren bewältigt wurden noch jetzt angegangen werden. Es geht dabei um die unzureichende Anzahl von Schulpsychologen, die den oftmals traumatisierten Kindern nun die so dringend benötigte Hilfe nicht geben können..Es geht aber auch um die notwendige, aber ebenso verschlafene Entbürokratisierung der Arbeit von Pädagog*innen und es geht um das Fehlen von spezifischen Schulmaterialien. Diese Dinge müssen konzentriert an den Schulen eingesetzt, wo sie gebraucht werden und auch ohne ein halbes Jahr zur Beschaffung zu benötigen. Es geht um Ressourcen, die aufgrund von Steuerrekordeinnahmen da sind, aber an deren besserer Verteilung zugunsten von Bildung sich leider auch diese Landesregierung nicht herantraut.

Die von der Ministerin angegebenen Zahlen in den Staatlichen berufsbildenden Schulen (SBBS) entsprechen nicht mehr dem jetzigen Stand. Diese werden sich noch massiv erhöhen, denn die drei Monate sind jetzt um. Viele von der berufsschulpflichtigen Geflüchteten stehen auf Wartelisten, weil die Voraussetzungen für ihre Beschulung an den SBBS noch gar nicht gegeben sind. Die Beschulung erfolgt ja immer zu erst im Vollzeitbereich und hier in den BVJ-S Klassen. Davon gibt es zu wenige und viel zu wenige DaZ-Lehrer. Eigentlich müsste neben der deutschen Sprache so schnell wie möglich auch die Unterrichtung in den gewerblich-technischen, kaufmännischen und sozialen Bereichen erfolgen, um die Fachkenntnisse zu bewerten und die eigenen Interessen abschätzen zu lernen. Den unterrichtenden Fachlehrern sollte eine Eignungsbewertung nach einer Einführungsphase gestattet werden, um dann fortführend die Einrichtung von BFS-S und HBFS-S Klassen zu ermöglichen.

 

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