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Studie zu Kindertagesbetreuung und PflegeJugendliche finden soziale Berufe attraktiv, aber schlecht bezahlt

Eine Studie des Bundesjugendministeriums zeigt: Junge Menschen interessieren sich für soziale Berufe in der Kita und Pflege, halten die Arbeitsbedingungen und das Gehalt aber für zu schlecht. Die GEW engagiert sich für eine Aufwertung.

09.07.2020

Knapp ein Viertel der Jugendlichen kann sich laut Studie vorstellen, in der Kindertagesbetreuung (24 Prozent) beziehungsweise Pflege (21 Prozent) zu arbeiten. Allerdings gelten für diese Aussage Einschränkungen: Die Befragten bewerteten die Weiterentwicklungs- und Karrierechancen kritisch und halten das Gehalt für zu niedrig, wie aus der von Bundesjugendministerin Franziska Giffey (SPD) vorgestellten Jugendbefragung „Kindertagesbetreuung und Pflege - attraktive Berufe?“ hervorgeht. 

„Junge Menschen interessieren sich für die Sozial- und Erziehungsberufe, das hat die vorgelegte Studie gezeigt, und das ist eine gute Nachricht. Aber die Studie zeigt auch: Sie brauchen bessere Arbeitsbedingungen und eine Aufwertung der Vergütung.“ (Björn Köhler)

„Wir brauchen dringend Nachwuchskräfte für die Pflege und die Frühe Bildung. Gerade die vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass Pflegefachkräfte und Erzieherinnen und Erzieher für unsere Gesellschaft doppelt systemrelevant sind: Sie leisten nicht nur hochqualifizierte Arbeit, sondern sichern zusätzlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Millionen Mütter, Väter und Angehörige“, sagte Giffey. Die Studie zeige aber auch: „Wichtige Hebel, um die Jugendlichen für einen Berufseinstieg zu gewinnen, sind mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten. Hier wollen wir mit Ländern und Tarifpartnern weiter vorankommen.“

Die GEW setzt sich seit langem für eine Stärkung des Sektors ein: „Junge Menschen interessieren sich für die Sozial- und Erziehungsberufe, das hat die vorgelegte Studie gezeigt, und das ist eine gute Nachricht“, betonte auch Björn Köhler, GEW-Vorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit. „Aber die Studie zeigt auch: Sie brauchen bessere Arbeitsbedingungen und eine Aufwertung der Vergütung.“

Interessierte stärker aktivieren

Von den befragten Jugendlichen, die sich vorstellen können, in der Kindertagesbetreuung (24 Prozent) und Pflege (21 Prozent) zu arbeiten, ist jeweils eine Kernzielgruppe (sechs Prozent Kita und vier Prozent Pflege) sehr interessiert und kann als bereits erreicht charakterisiert werden. Die weiteren 18 Prozent (Kita) beziehungsweise 17 Prozent (Pflege) sind grundsätzlich interessiert, müssen aber noch stärker aktiviert werden. Weitere 26 Prozent (Kita) beziehungsweise 20 Prozent (Pflege) sind aktuell nicht an einer Tätigkeit in einem dieser Berufe interessiert, aber insgesamt am Berufsfeld Soziales/Pädagogik beziehungsweise Gesundheit/Pflege.

Die Sinus-Jugendbefragung entstand aus zwei repräsentativen Onlinebefragungen mit 1.010 Jugendlichen für den Bereich Frühe Bildung und mit 1.005 Jugendlichen für den Bereich Pflege. Dabei wurden Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 20 Jahren repräsentativ für ganz Deutschland befragt. Die Befragungen fanden im März (Kindertagesbetreuung) und April (Pflege) statt.
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