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LehrkräftemangelJede achte Lehrkraft ist älter als 60 Jahre

Der Lehrkräftemangel an deutschen Schulen wird sich altersbedingt weiter verschärfen. Das zeigen jüngste Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Dramatisch ist die Lage in Ostdeutschland. Die GEW fordert eine Ausbildungsoffensive der Länder.

03.07.2020

Der ohnehin schon große Lehrkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Von den knapp 686.000 Lehrerinnen und Lehrern, die im Schuljahr 2018/19 an allgemeinbildenden Schulen unterrichteten, sei jede achte Lehrkraft 60 Jahre und älter gewesen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Jede vierte war demnach zwischen 50 und 60 Jahre alt.

Thüringens Lehrkräfte sind am ältesten

Besonders dramatisch ist die Lage in östlichen Bundesländern: Der Anteil der Lehrkräfte über 50 lag in den östlichen Bundesländern (ohne Berlin) bei 61 Prozent, in den westlichen bei 34 Prozent. Die über 60-jährigen Lehrkräfte machten im Osten Deutschlands 17 Prozent und im Westen 12 Prozent aus. Der Anteil dieser Altersgruppe ist in Thüringen mit fast einem Fünftel (19 Prozent) am größten, gefolgt von Brandenburg (18 Prozent) und Sachsen-Anhalt (17 Prozent). Am geringsten ist er in Bremen (10 Prozent), Hamburg und im Saarland (jeweils 9 Prozent). 

Auch bei der Altersgruppe der 50- bis unter 60-Jährigen ist der Anteil in Thüringen mit 45 Prozent verglichen mit dem Bundesdurchschnitt von 25 Prozent hoch, ebenso in Mecklenburg-Vorpommern (45 Prozent). Den größten Anteil hat in dieser Gruppe mit 49 Prozent Sachsen-Anhalt, den geringsten Rheinland-Pfalz und Bremen (jeweils 19 Prozent) sowie das Saarland (17 Prozent).

„Die Länder müssen viel stärker als geplant in die Ausbildung neuer Lehrkräfte investieren.“ (Marlis Tepe)

Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe sagte: „Wir dürfen trotz der aktuellen Probleme die Weitsicht nicht verlieren. Während der Generationenwechsel in den Schulen im Westen schon weit fortgeschritten ist, steht der Osten noch am Anfang. Die Länder müssen viel stärker als geplant in die Ausbildung neuer Lehrkräfte investieren. Außerdem ist es zwingend, die vorhandenen Lehrkräfte zu entlasten, damit sie möglichst lange im Schuldienst bleiben, statt vorzeitig verheizt zu werden.“

Kurzfristige Folgen durch Corona

Das Alter der Lehrkräfte könnte auch Folgen für die geplante Rückkehr zum Regelunterricht nach den Sommerferien haben. Lehrkräfte, die 60 Jahre und älter sind, zählen in allen Bundesländern zur Risikogruppe. Sollte Deutschland von einer zweiten Welle der Corona-Pandemie überrollt werden, würden weiterhin ein großer Teil der Lehrkräfte nicht in den Präsenzunterricht an Schulen gehen können. Laut Robert Koch-Institut (RKI) steigt das Risiko einer schweren Erkrankung schon ab 50 bis 60 Jahren mit dem Alter stetig an.

Grafik: Destatis

Gutachten der GEW

Da zum Umgang mit Risikogruppen bei der Wiederöffnung der Schulen bei der GEW sehr viele Fragen eingingen, beauftragte die Bildungsgewerkschaft den Arbeitsrechtler Wolfhard Kohte, in einem Gutachten zusammenzufassen, welche rechtlichen Grundlagen mit Blick auf besonders gefährdete Menschen beim Einsatz im Schulbetrieb erfüllt sein müssten. 

Zentrale Botschaften sind unter anderem: Jeder Arbeitgeber muss Risikogruppen schützen und sie über ihre Rechte informieren. Bei der Bestimmung von Risikogruppen und bei der Festlegung eines innerbetrieblichen Verfahrens zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen ist der Personalrat in der vollen Mitbestimmung. Auch wer mit einer Person zusammenlebt, die einer Risikogruppe zugehörig ist, hat unter Umständen Anspruch auf eine Freistellung oder Umsetzung. Betroffenen Beschäftigten ist eine freiwillige Wunschvorsorge anzubieten. 

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