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Iran: Landesweite Lehrerproteste

Tausende Lehrerinnen und Lehrer sind am 9. März 2017 in Teheran und weiteren Städten auf die Straße gegangen, um für bessere Bezahlung, soziale Sicherung und die Freilassung inhaftierter Kollegen zu demonstrieren.

12.03.2017 - Manfred Brinkmann

Unwürdige Arbeitsbedingungen für iranische Lehrkräfte

Lehrerinnen und Lehrer haben kein leichtes Leben in Iran. Die Bezahlung ist schlecht und reicht in der Regel nicht, um eine Familie zu ernähren: Nach Angaben des oppositionellen 'National Council of Resistance of Iran' (NCRI) verortet die iranische Regierung die Armutsgrenze für eine vierköpfige Familie bei monatlich 40 Millionen Rials (etwa 1.000 $US). Die meisten Lehrkräfte verdienten jedoch gerade einmal 10 Millionen Rials und lebten damit deutlich unterhalb der Armutsgrenze, so die NCRI. Laut NCRI waren vor allem sichere Arbeitsplätze, regelmäßige und bessere Bezahlung, die Reform der Sozialversicherung und Aufstockung der von der Regierung geplünderten Rentenkassen zentrale Anliegen der Demonstrantinnen und Demonstranten. In der Hauptstadt Teheran protestierten aktive und pensionierte LehrerInnen mit selbstgemachten Plakaten, auf denen sie ihre Forderungen bekundeten: "Schluss mit Armut und Diskriminierung", "Soziale Sicherheit ist unser Recht" und "Freiheit für inhaftierte Lehrkräfte".

Demonstranten fordern Aufhebung aller Gerichtsurteile gegen Lehrer

Viele hielten Fotos des Lehrers und Gewerkschafters Esmail Abdi in die Höhe, der im November 2016 zum wiederholten Mal verhaftet und wegen "Versammlungen gegen die nationale Sicherheit" und "Propaganda gegen den Staat" zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Wie NCRI berichtet, wurde auf der Kundgebung in Teheran eine Resolution verlesen, in der ein Ende der Repressalien und die Aufhebung aller Gerichtsurteile gegen aktive Lehrkräfte sowie eine gebührenfreie Bildung für alle Kinder und Jugendliche gefordert wurde. Viele Kinder im Schulalter, insbesondere Mädchen aus armen ländlichen Regionen oder Nomadenfamilien, sind von Bildung ausgeschlossen. Die über Jahre betriebene neoliberale Politik des Mullahregimes hat zu einer weitgehenden Privatisierung und Kommerzialisierung des iranischen Bildungswesens geführt. Nur wer Geld hat, kann sich bzw. seinen Kindern eine gute Bildung leisten. Nach Angaben der Bildungsinternationale haben etwa 3,5 Millionen Mädchen und Jungen keine Möglichkeit, in Iran zur Schule zu gehen.

Proteste in mehr als zwanzig Städten

Ähnliche Proteste wie in Teheran fanden nach übereinstimmenden Berichten iranischer Oppositionsgruppen in mehr als zwanzig Städten statt. Trotz Drohungen und Einschüchterungsversuchen iranischer Sicherheitskräfte, über die das 'Center for Human Rights in Iran' und 'Iran News Update' berichteten, hatten sich tausende Demonstranten, darunter zahlreiche Frauen mit Kindern, vor den Regionalbüros des Erziehungsministeriums versammelt, um ihren Unmut zu bekunden. Der Aufruf zu den Protesten war über die sozialen Medien erfolgt und hatte sich innerhalb weniger Tage im ganzen Land verbreitet. In der Stadt Shiraz hatten Lehrkräfte vor dem dortigen Erziehungsministerium Tische ohne Speisen aufgedeckt, um auf ihre Hungerlöhne aufmerksam zu machen. In Marivan im Westen des Landes protestieren Lehrer gegen die hohen Schulgebühren, die viele Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift: "Unsere Kinder haben ein Recht auf freie Bildung". In der Stadt Ahwaz soll auf Plakaten zu lesen gewesen sein: "Lehrer gehören ins Klassenzimmer, nicht ins Gefängnis". 

GEW-Solidarität mit iranischen Lehrkräften

In den vergangenen Jahren hat es in Iran immer wieder Proteste von Lehrerinnen und Lehrern gegeben, in deren Folge es oft zu Verhaftungen und Anklagen kam. Die GEW hat sich mehrfach mit den iranischen Lehrkräften solidarisiert und gegen die Inhaftierung und Verurteilung von Aktivisten und Gewerkschaftsführern protestiert. Zuletzt hatte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe im November 2016 in Briefen an den iranischen Präsidenten Hassan Rouhani und den geistlichen Führer Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei die Freilassung des Gewerkschafters Esmail Abdi gefordert. Die GEW unterstützt derzeit Lehrkräfte aus Iran, die nach Deutschland geflohen sind und als Asylberechtigte anerkannt wurden, weil sie in ihrer Heimat wegen gewerkschaftlicher Arbeit verfolgt und mit langjährigen Gefängnisstrafen bzw. der Todesstrafe bedroht werden.

Quellen:

Education International

National Council of Resistance of Iran

 

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