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Ein WerkstattberichtInterkulturelles Lernen: „Spurensuche Weltanschauungen“

Es gibt viele Herangehensweisen, um sich mit Vorurteilen zu befassen und ihre negativen Auswirkungen abzufedern oder zu verhindern. Wichtig ist hierbei mit Sicherheit, dass damit schon früh in der Bildungslaufbahn begonnen wird. Aber auch im weiteren Verlauf von Schule und anschließender Bildungsbiographie sollten Auseinandersetzungen mit diesem Themenfeld stattfinden. Dieser Werkstattbericht stellt einen möglichen Entwurf zu einer Modulreihe vor.

07.12.2020 - Katja Nonn - Mitglied im LAS Diversity

Ein spezielles Thema, wenn auch sicher vermintes Gelände, sind individuelle Weltanschauungen oder religiöse Überzeugungen. Diese mitunter sehr rigorosen Aspekte von Persönlichkeit können leicht zu Konflikten führen und haben das leider auch schon in vielfältiger Weise. Welche Wege bieten sich hier, das Thema für alle gleichzeitig erfahrbar zu machen und dabei Ablehnung und Unwissenheit abzubauen? Eine Möglichkeit kann sein, Schüler*innen die Inhalte von verschiedenen Sichtweisen nahezubringen und dabei gleichzeitig gegenseitigen Respekt und Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Ein Entwurf zu einer modularen Workshopreihe für Berufsschüler*innen hat genau das versucht.

Diese Workshopreihe nimmt verschiedene Aspekte interreligiösen/interkulturellen Zusammenlebens unter die Lupe. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den Gemeinsamkeiten, die die Menschen verbinden können, auch über Glaubensgrenzen hinweg. Aber auch problematische und gefährliche Perspektiven werden betrachtet. Wenn zum Beispiel „Identität & Zugehörigkeit“ ein Thema sind, dann muss auch über eigene Vorurteile und Privilegien gesprochen werden, die mit der Zugehörigkeit zu einer Gruppe einhergehen können. Ich kann ein Verständnis von globalen religiösen Konflikten und deren lokalen Auswirkungen als Durchführende ansprechen. Für das Zusammenleben im Alltag ist es aber ebenso wichtig, positive Beispiele interreligiösen Zusammenlebens kennenzulernen. In diesem Spannungsfeld ist es das Ziel, dass die Schüler*innen lernen, Widersprüche auszuhalten und Stärkung erfahren, um sich nicht von radikalen Ideologien einfangen zu lassen.

Beim Entwurf des Modulkatalogs zu dieser Reihe war es zudem ein Ziel, die Module auch unabhängig voneinander an Berufsschulen platzieren zu können. Das Zeitkontingent an Berufsschulen ist ohnehin sehr knapp, die Schüler*innen sind oft nicht durchgehend am Lernort Schule. Idealerweise werden mit derselben Gruppe alle Module der Reihe nach durchgeführt. Sollte jedoch die Zeit dafür fehlen, so können die einzelnen Abschnitte auch separat und nach Bedarf genutzt werden. Insgesamt war der Gedanke, eine feste Gruppe mit allen Modulen über ein Schuljahr an insgesamt 8 – 11 Tagen zu begleiten und am Ende dann eine gemeinsame Aktion zu einem selbstgewählten Thema umzusetzen (gemeinsame Feier, Theaterstück, etc.).

Bisher befindet sich dieses Konzept noch in der ersten Reflexionsphase mit Fachkräften an Berufsschulen. Ziel ist es jedoch, das fertige Konzept zum Schuljahr 2021/2022 an den Start zu bringen.